Commerzbank im Vorteil
Welche Löcher die Deutsche Bank ins Filialnetz schlägt

Die Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz kräftig aus. Eine Handelsblatt-Analyse zeigt: Wo sich das Institut zurückzieht, ist der Rivale Commerzbank weiter vor Ort. Zumindest noch.
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Düsseldorf/FrankfurtDeutsche Bank und Commerzbank sind die großen Rivalen im privaten Bankensektor mit engmaschigem Filialnetz im ganzen Land. Doch Deutschlands größtes Geldhaus streicht die Zahl der Geschäftsstellen mächtig zusammen, wie viele andere Geldhäuser auch (siehe Handelsblatt-Titelthema). Doch dort wo Deutsche-Bank-Privatkundenvorstand Christian Sewing 188 von 723 Filialen schließt, fällt auf: Die Deutsche Bank geht, die Commerzbank bleibt.

Kunden, die von der Deutschen Bank auf andere Filialen verteilt werden, haben es zukünftig im Schnitt deutlich näher zu einer Filiale des Rivalen Commerzbank als zur Deutschen Bank – und zwar in 151 der 188 Fälle. Eine Analyse des Handelsblatt (hier komplett einsehbar) zeigt, dass die von der Deutschen Bank den von Schließungen betroffenen Kunden als Alternative genannten Filialen im Durchschnitt mehr als 12 Kilometer Fahrtstrecke von den geschlossenen Geschäftsstellen entfernt liegen. Commerzbank-Filialen liegen im Schnitt nur 4,5 Kilometer entfernt.

Diese Werte werden von einigen großen Distanzen in ländlichen Regionen verzerrt. Der Median der Distanzen zwischen zu schließenden und künftig bestehenden Deutsche-Bank-Filialen beträgt aber auch noch satte 5,4 Kilometer. Das heißt: Mehr als die Hälfte der auch künftig geöffneten Deutsche-Bank-Filialen liegt mehr als fünf Kilometer von geschlossenen Außenposten entfernt – das ist drei mal mehr als der Median der Distanz zu bestehenden Commerzbank-Filialen.

Bankkunden setzen auf Online-Geschäfte und sind vielmals nur selten auf Filialbesuche angewiesen, doch das trifft nicht auf alle Kundengruppen zu. Eine Präsenz vor Ort ist gleichzeitig teuer – und in Zeiten von Niedrigzinsen oft zu teuer für die Banken. So hat auch die Commerzbank in hat den vergangenen Jahren deutlich Geschäftsstellen abgebaut. Nach der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008 hatte das Institut mehr als 1.500 Filialen, zuletzt waren es noch 1.050. Doch Commerzbank-Privatkundenvorstand Michael Mandel will seinen Konkurrenten Marktanteile wegschnappen – und zitiert gerne das Credo des Vorstandschefs Martin Zielke: „Filialen schließen ist keine Wachstumsstrategie“.

Die Bank baut ihr Privatkundengeschäft seit Jahren aus und wirbt aggressiv um Neukunden. Rund zwei Drittel davon kämen zur Kontoeröffnung in die Filiale. „Jede Filialschließung kostet uns Erträge“, sagte Mandel im Juni bei der Vorstellung seiner Strategie. Dabei rechnete er vor, dass die Filialmiete selbst nur zwischen sieben und acht Prozent der Kosten ausmache. Die Botschaft: Wir bleiben, wo andere gehen. Nach einem Abbau von mehr als 450 Filialen in den vergangenen Jahren sicherlich eine gewagte These. Doch sollte das Netz tatsächlich so aufrecht erhalten bleiben wie derzeit, kann die Commerzbank zumindest in Bezug auf die Kundennähe gegenüber der Deutschen Bank punkten.

Denn der Vergleich zur Deutschen Bank zeigt deutlich Vorteile für die „Gelben“. In Bad Reichenhall, im äußersten Südosten des Landes, schließt die Deutsche Bank. Es sind von dort mehr als 70 Kilometer Fahrstrecke bis zur alternativen Geschäftsstelle in Rosenheim. Die Commerzbank hat aber eine Filiale in Bad Reichenhall. Im Norden schließt die Deutsche Bank die Geschäftsstelle Husum, bis zur auch künftig geöffneten Geschäftsstelle in Flensburg sind es mehr als 45 Kilometer. Die Commerzbank hat aber eine Filiale in Husum. Natürlich sind jeweils auch Sparkassen und Volks- oder Raiffeisenbanken vor Ort.

Nach Filialschließung der Deutschen Bank in diesen Orten:
Wo ist für betroffene Kunden eine Commerzbank-Filiale näher?

blau = Deutsche Bank bleibt näher
gelb = Commerzbank künftig näher

Die Kundendichte ist in ländlichen Regionen nicht so hoch, sodass dort weniger Kunden von den Schließungen betroffen sind und die möglichen negativen Effekt für die Deutsche Bank geringer als bei Schließungen in Großstädten. Doch auch im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen hat künftig die Commerzbank die Nase vorn. Nur in 13 von 51 geschlossenen Filialen in dem Bundesland werden es Deutsche-Bank-Kunden künftig noch näher zu einer Filiale ihrer Bank haben. In den 38 anderen Fällen ist die Commerzbank schneller zu erreichen.

Ob die Commerzbank das dichte Netz aufrechten erhalten werde, hänge auch von einem neuen Filialkonzept ab, so Commerzbank-Vorstand Mandel. Das Institut wirbt mit der Idee von Flagship-Filialen, die mit Lounge-Charakter neue Kunden anziehen sollen. 65 bis 100 Filialen will der Bank-Manager in moderne Geschäftsstellen verwandeln, etwa in Bochum, Bremen oder Hannover.

Die Deutsche Bank weiß um das Ausmaß ihrer Kürzungen. Daher sollen rund 30 an ländlichen Standorten geschlossene Filialen auch in „Finanzagenturen“ umgewandelt werden. Diese sollen demnach einen Großteil des heutigen Beratungsangebots weiter fortführen und über SB-Zonen mit Geldautomaten verfügen. „Damit bleiben wir also auch auf dem Land für unsere Kunden gut zu erreichen“, so Deutsche-Bank-Vorstand Sewing. Außerdem solle es künftig zusätzlich sieben Beratungscenter in Deutschland geben, in denen 360 ausgebildete Bankkaufleute per Video, Chat oder Telefon die Kunden beraten, auch außerhalb der klassischen Banköffnungszeiten.

Auf den folgenden Seiten können Sie die komplette Liste der von der Deutschen Bank zur Schließung vorgesehenen Filialen lesen.

Kommentare zu " Commerzbank im Vorteil: Welche Löcher die Deutsche Bank ins Filialnetz schlägt"

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  • beim malaysischen Staatsfond mal eben so 700 Mio in den Sand gesetzt. Früher wären das Peanuts gewesen. Heute tuts weh. Die Substanz is nicht mehr so prall.

  • Wie es aussieht, wird es dünn für die Deutsche Bank, die wohl auf alle betrügerischen Aktivitäten verzichten will (Investment...).

    Echt interessant, dass eine Bank fast pleite geht, wenn sie ehrlich arbeiten sollen.

  • Ich gebe der DB keine Überlebenschance mehr.

    Diese Bank ist tot.

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