Commerzbank: Kopfschütteln über Boni-Prozess in London

Commerzbank
Kopfschütteln über Boni-Prozess in London

Frühere Banker der Dresdner Kleinwort stoßen mit einer Klage vor den Royal Courts of Justice auf wenig Verständnis - in der Öffentlichkeit und in der eigenen Branche. Es geht um gewaltige Boni in Zeiten der Flaute.
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LondonDer Prozess um Millionen-Boni für britische Investmentbanker der Commerzbank stößt selbst in der Banken-Metropole London auf wenig Verständnis. 104 frühere Banker von Dresdner Kleinwort kämpfen seit dieser Woche um 52 Millionen Euro, die ihnen Commerzbank-Chef Martin Blessing nach der Übernahme der Dresdner Bank 2009 zum Großteil gestrichen hatte.

„Politisch ist das ein heikles Thema“, sagte der auf Investmentbanker spezialisierte Personalberater Jonathan Evans. „Bonus ist im Moment so ein schmutziges Wort.“ Die Leute auf der Straße reagierten geradezu allergisch auf den Begriff. Auch Premierminister David Cameron hatte jüngst die Höhe der Extrazahlungen für Banker gegeißelt.

So viele Rechtsanwälte drängten sich am Mittwoch in dem altehrwürdigen Gerichtssaal, dass sich die Akten auf dem Boden stapelten. Der Prozess sorgt für Schlagzeilen - nicht zuletzt, weil es so selten ist, dass sich Investmentbanker zusammentun, um gemeinsam für eine Sache zu kämpfen.

Doch in Zeiten der Flaute dürften die ehemaligen Dresdner-Leute selbst in der Branche auf wenig Gegenliebe stoßen, meint ein Anwalt: „Sogar die erfolgreichsten Banker haben dieses Jahr ihre Boni um 30 bis 40 Prozent gekürzt bekommen“, sagt Howard Hymanson, der bei der Kanzlei Harbottle & Lewis auf Arbeitsrecht spezialisiert ist.

In dem Commerzbank-Verfahren vor den prächtigen Royal Courts of Justice im Herzen Londons geht es immerhin um einen mit 400 Millionen Euro gefüllten Bonus-Topf. Stefan Jentzsch, damals Chef von Dresdner Kleinwort, hatte ihn im August 2008 ausgelobt, weil er auf Geheiß der britischen Finanzaufsicht FSA alles tun sollte, um den Betrieb am Laufen zu halten, nachdem die Allianz den Verkauf der Bank angekündigt hatte und ein Exodus der Banker drohte.

Doch dann habe die Bank „einfach die Spielregeln geändert“, sagte Anwalt Andrew Hochhauer, der einen der Kläger vertritt. Mehrfach habe Jentzsch die Bonus-Zusagen wiederholt, doch „kurz gesagt, diese Versprechungen sind nicht eingehalten worden, und deshalb sind wir hier“, sagte Hochhauser.

Nur zehn Prozent der Boni wurden ausgezahlt. Denn sechs Tage vor dem Jahresende 2008 berief sich die Commerzbank als neuer Eigentümer der Dresdner Bank auf eine Klausel, die die Boni zur Disposition stellte, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum schlechteren wendeten. Der Bestand der Bank sei akut gefährdet gewesen. Über sechs Milliarden Euro Verlust schrieb allein Dresdner Kleinwort im Krisenjahr 2008.

Das will Anwalt Hochhauser aber nicht als Begründung gelten lassen. Schließlich habe sich der Verlust längst abgezeichnet, als die Boni zugesagt worden seien, sagte er. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der Commerzbank. Jentzsch hatte auf seine Boni freiwillig verzichtet. Am kommenden Montag soll Blessing als Zeuge der Verteidigung auftreten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der eigentliche Skandal liegt an der Form der Berichterstattung. Offensichtlich sind Fakten und Hintergruende nicht von Bedeutung, wie sonst ist es zu erklaeren, dass wichtige Details in fast allen Artikeln zu diesem Fall unerwaehnt bleiben. 1. Die 400mn Boni waren an harte, sprich monetaere Ziele fuer die Angestellten gekoppelt. Die jetzt klagenden Banker gehoerten alle zu einem Bereich (FICC), die diese Ziele mehr als uebererfuellt hatten. Sie haben fuer die Bank ueppige Gewinne erzielt (> 1Mrd EUro) ohne die die Bank einen noch viel hoeheren Verlust ausgewiesen haette 2. Diese Regelung bedeutete auch, dass die allermeisten Mitarbeiter keinen Anspruch auf Boni hatten, da ihre Abteilungen Verluste auswiesen (wer Verluste machte, hat keine "Haltepraemie" eingestrichen, diese wurde nur fuer eine Handvoll Banker gezahlt, wie Hr. Jentzsch oder Neumann, worueber sich trefflich streiten laesst)3. Herr Blessing selber hat bei seinem ersten London Besuch die Bonivereinbarung bestaetigt. Zu diesem Zeitpunkt war laengst absehbar welche Verluste auf die Bank zukommen wuerden (da es post Lehman war). 4. Die Allianz hatte das Geld zu dem Zeitpunkt der Zusage an die Bank ausbezahlt. Eine spaetere Nicht-Auszahlung an die Mitarbeiter kommt einer dreisetn Kuerzung des Kaufpreises gleich (welche nicht mit der Allianz vereinbart war). 5. Herr Blessing hat die Mitarbeiter nicht zuerst ueber seine Massnahmen informiert. Er waehlte die Medien und den polemisierenden Stil. Fazit: Ueber Bonihoehen (und hier geht es absolut nicht nur um Mio Zahlungen fuer einzelne Banker alleine sondern auch um ein paar Tausend Euro) laesst sich moralisch streiten, ueber Vertragsbruch, den Sie gerne auch "Diebstahl" nennen koennen, sollte man aber auch genauso berichten - Auch wenn es gegen den Mainstream geht - Journalisten haben offenbar keinen Mut mehr dagegen mit der Wahrheit anzugehen!

  • „Schließlich habe sich der Verlust längst abgezeichnet, als die Boni zugesagt worden seien, sagte er. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der Commerzbank.“ Boni fuer Verluste, ich denke es geht hier tatsaechlich um die Unglaubwuerdigkeit der Investmentbanker und des gesamten Systems.

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