Commerzbank
Kopper nennt Staatshilfe „Untreue gegenüber dem Steuerzahler“

Commerzbank-Chef Martin Blessing muss bis Juni die Eigenkapitaldecke um 5,3 Milliarden Euro aufbessern, um die Anforderungen der EU zu erfüllen. In dieser Situation ätzt auch noch ein gewichtiger Kritiker: Hilmar Kopper.
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Noch hält Vorstandschef Martin Blessing an seiner Absicht fest, den Staat nicht noch einmal um Hilfe bitten zu wollen. Sollte das nicht gelingen, muss er sich auf heftigen Gegenwind einstellen. So wettert Hilmar Kopper, der ehemalige Chef der Deutschen Bank und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der HSH Nordbank, die Commerzbank habe Anfang 2009 rund 16 Milliarden Euro Staatsgelder als verzinsliche Einlagen bekommen, dafür aber „zwei Jahre lang keinen Pfennig bezahlt“. Vor dem CDU-Wirtschaftsrat in Hamburg fügte er am Dienstag laut „Spiegel Online“ hinzu: „Warum der Staat so etwas macht, die Bundesrepublik Deutschland, ist mir völlig schleierhaft.“ Er halte dies „für einen Akt der Untreue gegenüber dem deutschen Steuerzahler“.

Ein Commerzbank-Sprecher sagte denn auch: „Unser klarer Fokus liegt jetzt auf der Umsetzung der schon beschlossenen Maßnahmen.“ Allein eine Reduzierung der Risikoaktiva etwa durch eine Einschränkung der Kreditvergabe verringere den Bedarf an Eigenkapital um bis zu 2,7 Milliarden Euro. „Darüber hinaus prüfen wir weitere Maßnahmen, um das Eigenkapital aus eigener Kraft zu stärken“, sagte der Sprecher.

Doch das ist eine Mammutaufgabe, die nach Ansicht von Experten ohne den Staat nur schwer zu lösen ist. Zumal Kopper, bezweifelt, ob das notwendige zusätzliche Eigenkapital der Banken überhaupt beschafft werden könne: „Ich sehe nicht, dass der Kapitalmarkt das hergibt.“ Daher führt die zweitgrößte deutsche Bank nach Informationen aus Finanz- und Koalitionskreisen intensive Gespräche mit der Bundesregierung, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Szenario 1: Direkte Beteiligung

Der Bankenrettungsfonds SoFFin soll für systemrelevante Banken wie die Commerzbank 2012 wieder geöffnet werden. Mit einer Kapitalspritze käme der Bund leicht auf eine Mehrheit: Schon jetzt hält der SoFFin 25 Prozent an der Commerzbank, die an der Börse gerade noch sechs Milliarden Euro wert ist.

Schon mit einer von dem Fonds finanzierten Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro käme der Bund auf 50 Prozent der Anteile - mindestens. Denn nach dem Willen der EU sollen Staaten Bank-Anteile mit einem Abschlag bekommen. Doch unter dem Nennwert von einem Euro darf ein Unternehmen neue Aktien nicht ausgeben. Derzeit notiert die Commerzbank-Aktie mit 1,20 Euro nur knapp darüber.

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  • Zum einen ist die Commerzbank nicht in Investmentbanking-aktivitäten verstrickt, sie ist also keine "Zockerbude". Sie leidet immer noch unter der seinerzeitigen Übernahme der hochdefizitären Dresdner Bank - die Allianz, unser aller Altersvorsorger, sollte von diesem Klotz am Bein befreit werden. Und wenn es endlich wieder etwas bessr geht, werden politische Beschlüsse gefaßt, die jedes nachhaltige Wirtschaften zur Makulatur werden lassen: Während Basel III noch vorsah, daß die Banken einige Jahre bekommen, das Eigenkapital aus einbehaltenen Dividenden aus erzielten Gewinnen nach und nach aufzupolstern auf 7% (für einige wenige systemische Banken 9%), wird in Brüssel entschieden, die 9% müßten in 6 Monaten passiert sein. Gleichzeitig verringert eine "Bankenabgabe" oder Sonder-steuer die Höhe der erzielbaren Gewinne der Banken, mit denen man das Eigenkapital aufstocken kann. Kapitalerhö-hung durch Aktienausgabe kann man angesichts des unbere-chenbaren Aktionismus der Politik und des Zustands der Börsen zur Zeit knicken. Rein rechnerisch kann das Eigenkapital erhöht werden, indem eine Bank schrumpft - keine Kredite mehr vergibt - wer soll dann bitte die Staatsschulden und den Kapitalbedarf der Wirtschaft finanzieren? Mitten in einer Wirtschaftsabschwächung eine Kreditklemme herbeizuzwingen, ist das nächste Laien-schauspiel der Politik. Nächste Quelle des Ungemachs für alle Banken ist die Frage der Definition von "Eigen-kapital", die quasi über Nacht geändert wurde (das ist so, als würde man Bayern München erklären, in der Liga ginge es ab sofort nicht mehr um Fußball, sondern um Kricket!). Würde man die 2.größte Bank Deutschlands pleite gehen lassen aufgrund dieser plötzlichen, zum Teil rechtswid-rigen (!) Änderungen der Rahmenbedingungen - und nicht, weil die Bank Mist gebaut hätte -, hätte das ähnliche Konsequenzen wie damals bei Lehman Brothers.

  • Man kann es in Politik, Finanzwelt und Wirtschaft mit einem alten deutschenSprichwort sagen. Alle in einen Sack stecken und mit dem Knüppel draufhauen. Es trifft immer den richtigen. Wir brauchen keine "Verbesserungen" des Systems. Wir brauchen einen radikalen Neuanfang. Anderes Geldsystem, andere Politiker, anderes Bewusstsein der Wähler.

  • Meiner Meinung nach bietet der momentane Kurs eine gute Einstiegsmöglichkeit. Bei einer eventuell einsetzenden Jahresendrallye würde der Kurs deutlich steigen und einem selbst eine schöne Rendite und den Liebsten nette Weihnachtsgeschenke bescheren. Trotz des erneuten Rückschlags für den Dax hält sich die CoBa Aktie heute vergleichsweise gut. Der Boden scheint hoffentlich vorerst erreicht zu sein.

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