Commerzbank Operation Selbstständigkeit

Ist die Commerzbank noch zu retten? Diese Frage stellt sich die Branche und auch der Aufsichtsrat bei seiner heutigen Sitzung. Das Gremium muss entscheidende Weichen stellen. Welcher Weg führt um Staatshilfe herum?
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Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Der Aufsichtsrat berät heute. Quelle: dpa

Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Der Aufsichtsrat berät heute.

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Frankfurt/DüsseldorfEs gab Zeiten, da war sich Martin Blessing seiner Sache ziemlich sicher: „Ich gehe da nicht noch mal hin“, hatte der Commerzbank-Chef auf die Frage geantwortet, ob sein Institut neuerliche Staatshilfen braucht. Oder wie wäre es mit „Ich finde es schöner, da auszusteigen als einzusteigen.“ Das sagte Blessing im April 2011 auf die Frage, wie es sich anfühle, den Staat nach Rückzahlung der Staatshilfe wieder loszuwerden. Inzwischen ist diese Selbstsicherheit aber gehörig ins Wanken geraten.

Vor drei Jahren musste die Bank in der Finanzkrise schon einmal mit 18 Milliarden Euro an staatlichen Kapitalspritzen gerettet werden. Das tat dem Institut weh, schließlich wurden die Gehälter stark begrenzt und die Dividende gekürzt. Bis vor wenigen Wochen war die Commerzbank auf einigermaßen gutem Weg, dem Staat die Hilfen zurückzuzahlen und sich von ihm zu befreien.

Doch nun kann davon keine Rede mehr sein – im Gegenteil. Eher scheint wahrscheinlich, dass die Commerzbank immer mehr in die Arme des Staates fliehen muss. Denn es sieht so aus, als ob die Eurohypo zumindest in Teilen in eine Bad Bank ausgelagert werden soll.

Auf der heutigen Aufsichtsratssitzung des Geldhauses wird die Eurohypo wohl das zentrale Thema sein. Eine Auslagerung von Teilen der Eurohypo in eine Bad Bank wäre auch eine Form staatlicher Hilfe. „Ob Blessing eine andere Wahl bleibt, ist sehr fraglich“, sagte ein Insider. Das Geldhaus lehnte bisher eine Stellungnahme ab.

Fest steht: Für die Commerzbank wird die Krisentochter Eurohypo zum Dreh- und Angelpunkt bei der Lösung der wachsenden Kapitalprobleme. Es gibt unterschiedliche Optionen, noch aber keine Festlegung auf einen bestimmten Weg. Zu den Denkmodellen zählt vor allem die Auslagerung in eine staatliche Abwicklungsbank, hieß es im Konzern. Die Bundesregierung möchte aber eine komplette Auslagerung verhindern, heißt es in Berliner Kreisen. Die Commerzbank liebäugelt jedoch bereits seit längerem mit der Auslagerung von Teilen.

Problem Eurohypo muss gelöst werden
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9 Kommentare zu "Commerzbank: Operation Selbstständigkeit"

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  • Sie prangern also den Lobbyismus an, der die Politik vor sich hertreibt.

    Treiben läßt sich aber nur jemand, der keine Ahnung in der Sache hat.

  • Vielleicht eine Kooperation mit Lidl oder Aldi, wenn es am Pfandausgabeautomat für die Abgabe von 6 Plastikpfandflasche 1 Commerzbank-Aktie gibt.

    Die Volksaktie wäre eingeführt.

  • Es wird immer wieder geschrieben: "auf Kosten der Steuerzahler" - bisher hat der Steuerzahler aber mit der Commerzbank keine Kosten gehabt. Die stillen Einlagen und Bürgschaften, die den Großteil der 18 Mrd. Euro ausgemacht haben, sind zurückgezahlt / zurückgegeben wurden, womit der Steuerzahler kein Kapitalverlust erlitten hat. Sicherlich wurden weniger Zinsen dafür gezahlt als erhofft, aber zumindest wurden Zinsen durch die Commerzbank gezahlt. Und der restliche Aktienanteil an der Commerzbank ist zwar buchmäßig aufgrund des aktuell niedrigen Aktienkurses weniger wert, aber er steht derzeit auch nicht zum Verkauf, womit der Verlust wirklich realisiert werden würde. Also ist diese o.g. Aussage einfach falsch!

  • Sehr guter Kommentar!!! Und nicht zu vergessen, dass ein Großteil der staatlichen Beihilfen nicht Hard-Cash sind sondern lediglich Garantien - selbst der Anteil echter monetärer Hilfen lässt sich der Staat ja auch gut bezahlen bzw. wird die Anteile an den Banken nach der Krise einem wahscheinlich ordentlichenAufschlag wieder veräußern (was ja auch legitim ist). Das ganze wird nur dann nicht funktionieren, wenn es durch Überregulierung zum (unnötigen undgefährlicen) Kollaps kommen wird. Dann haben Banken, Staat, Unternehmen und Arbeitnehmer verloren.

  • anubis8888 hat absolut recht. Die schlechten Zahlen des 2. und 3. Quartals sowie der neue Kapitalbedarf (wobei immer noch nicht feststeht, wieviel!!!) hat die Bank der Politik zu verdanken, nicht irgendeiner "Zockerei". Staatsanleihen der EU-Laender galten bis vor ein paar Monaten als 100% sicher. Jetzt fordern die EU-Politiker ploetzlich zuerst 20%, dann 50% Schuldenerlass ("freiwillige Selbstbeteiligung, ha-ha-ha) fuer Griechenland, ausserdem sollen die Anleihen auf Marktwerte abgeschrieben werden, daraus resultiert ja der zusaetzliche Kapitalbedarf. Dass die Maerkte infolge der poltischen Krise nicht mehr funktionieren, wird dabei nicht beruecksichtigt. Wer zahlt diesmal also die Zeche? Die Banken, d.h. deren Eigentuemer, die Aktionaere. Die Tatsache, dass die Poltik damit die Aktien- und Anleihe-Maerkte ruinieren, wird dabei uebersehen. Wer soll in Banken investieren, falls es da nur Verluste, Verstaatlichung und keine Dividenden gibt? Welche Bank oder Versicherung soll noch italienische oder spanische Anleihen kaufen, solange die EU-Bankenaufsicht (!!!) diese quasi als toxisch bewertet? Zudem verkaufen jetzt Banken und Versicherungen massiv diese Staatsanleihen, um weiteren Abschreibungen, zusaetzlichem Kapitalbedarf und ggf. weiteren "freiwilligen" Massnahmen zu entgehen - dies fuehrt wiederum zu sinkenden Kursen bzw. steigenden Renditen auf dem Bond-Markt, die Refinanzierungen werden entsprechend teuer, die Krise verschaerft sich.

  • Was ist denn Ihrer Meinung nach das "richtige Leben"? Ich bin gespannt wo wir keine Konnektivität zur Finanzwelt finden. Zweifelsohne haben wir ein Strukturproblem - das hat aber weniger mit einer, oder mehreren, Großbanken zu tun, sondern vielmehr mit politischen Strukturen.
    Sie gehen auch gar nicht auf das Vorhalten von höheren Kapitalreserven ein sondern argumentieren rein anhand der höheren Steuerlast für den Bürger (das sind übrigens auch Banker - und nicht jeder Banker ist im Immobilien-Derivat-Geschäft tätig...).
    Mein Kritikpunkt bezog sich einzig auf die mediale Beleuchtung eines Themas - um wieder zu den Autos zurückzukehren: Ich schaue mir nur die PS an und lasse außer acht, welchen CO2 Ausstoß das Ganze hat, etc.

    Ich bemängele Einseitigkeit und bin durchaus kein Fan von der erhöhten Steuerlast um Banken zu retten.

  • Falls die Bank nach 5 bis 10 Jahren sich erholt hat, kann man sicher sein, dass der jetzige Vorstand (und Klaus Peter Müller) sich damit brüsten wirde, wie gut sie waren. Die 18 Milliarden vom Staat, die Auslagerung der Eurohypo (biite nicht vergessen, wieviel Sektflaschen bei dem Kauf "strategischen" eröffnet wurden) auf Kosten der Steuerzahler - das wird alles unter dem Teppich gekehrt. Das nennt man selektive Wahrnehmung.

  • Selbst Bankster müssen damit rechnen, dass gerade in schlechteren Zeiten genauer hingeschaut wird. Der Steuerzahler hat einmal die gierigen Strukturen der Bankenwelt stützen müssen - das lässt sich nur sehr schwer ein zweites Mal vermitteln. Bei dem Kommentar merkt man wie abgekoppelt diese Finanzbranche vom wirklichen Leben ist.

  • Einseitiger Artikel. Wie soll ein Kreditinstitut immer genau soviel Reserven vorhalten, wie der Staat sich ausdenkt, politisch zu manifestieren?! Das ist schlichtweg unmöglich. Das wäre genauso, wie von Autobauern zu verlangen, ab morgen auch auf der Beifahrerseite ein Lenkrad anzubringen - per Gesetz. Jeder Autobauer würde wohl ins straucheln geraten. Warum wird dieser Sachverhalt außer Acht gelassen und nicht beleuchtet!?

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