Commerzbank
Schluss mit der Spekulation auf Nahrungsmittel

Die Commerzbank hat der Spekulation auf die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln im eigenen Haus ein Ende bereitet. Sie nahm alle Agrarrohstoffe aus ihrem Rohstoff-Fond - und forderte auch die Deutsche Bank dazu auf.
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FrankfurtDie Commerzbank will sich nicht mehr an Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen beteiligen. Eine Sprecherin der Bank bestätigte am Donnerstag, dass das Institut Agrarrohstoffe aus seinem einzigen börsengehandelten Rohstoff-Fonds ComStage ETF CB Commodity EW Index TR herausgenommen hat. Seit Ende Juli seien in dem 145,1 Millionen Dollar schweren ETF nur noch zwölf Metalle und Energie-Rohstoffe enthalten. Bereits im November hatte die Bank Finanzkreisen zufolge entschieden, keine neuen Produkte mehr aufzulegen, die auf Nahrungsmittel-Rohstoffen basieren.

Die Verbraucherschutz-Organisation „Foodwatch" erklärte, die Bank ziehe damit die Konsequenz aus einer Reihe von Studien, die belegten, dass Anlagen in solche Rohstoff-Fonds die Preise für Nahrungsmitteln nach oben trieben und so zum Hunger in der Welt beitrügen. Die Commerzbank selbst äußerte sich nicht zu den Beweggründen. Zuvor hatten bereits der Fondsdienstleister Deka und die LBBW den Ausstieg aus der Nahrungsmittel-Spekulation beschlossen.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode verband die Mitteilung mit Kritik am Zögern der Deutschen Bank in der Frage. „Am Handeln der Commerzbank sollten sich andere Häuser ein Beispiel nehmen - allen voran die Deutsche Bank." Deren früherer Vorstandschef Josef Ackermann hatte im Oktober eine Untersuchung angekündigt, wie sich spekulative Anlagen in Agrarrohstoffe auf deren Preise auswirken. "Unter der neuen Spitze Jain/Fitschen scheint der Überprüfung jede Ernsthaftigkeit verloren gegangen zu sein", erklärte Bode. Anshu Jain und Jürgen Fitschen hätten seit Anfang Juni nicht auf eine entsprechende Anfrage von Foodwatch reagiert.

Im Frühjahr hatte der deutsche Branchenprimus angekündigt, in diesem Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte zu emittieren, die auf dem Handel mit landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Getreide oder auf Wetten auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln basieren.

Die Bank bezweifelt allerdings, dass wirklich die Spekulanten Schuld an teureren Nahrungsmitteln haben. „Unsere Analyse zeigt, dass die steigenden Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe vor allem Folge einer steigenden Nachfrage sind, mit der das Angebot nicht Schritt halten kann." Das wiederum liege am Bevölkerungswachstum in der Dritten Welt, steigenden Einkommen und der Nutzung der Anbauflächen für Bio-Treibstoffe. Der Handel mit Derivaten auf Getreide und andere Pflanzen für die Produktion von Nahrungsmitteln ermögliche die Absicherung von Preisen und reduziere Preisschwankungen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Commerzbank: Schluss mit der Spekulation auf Nahrungsmittel"

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  • "Schluss mit der Spekulation auf Nahrungsmittel"

    Wenn es eine gefährliche und ethische, unmoralische Entwicklung gibt, dann ist es die Nahrungsmittel für die Produktion von Kraftstoff einzusetzen und nicht der Terminhandel, der einen großen volkswirtschaftlichen Nutzen hat.

    Solange dieses Thema nicht zurück gedreht ist, braucht mir kein GRÜNER etwas vorzusagen. Stellen Sie die Projekte der GRÜNEN einmal auf den Prüfstand und hinterfragen sie. Sie werden überrascht sein, wie viel davon einzustampfen ist. Ihre Macht und Existenz, einst aufgebaut von den ersten GRÜNEN, fortan von Gottvater und seinen Jüngern aufs Übelste missbraucht, ist volkswirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen.

  • sorry, die Quelle ist die Süddeutsche.
    Kommt davon, wenn man zuviele Fenster aufhat, ich vermisse die Editierfunktion bei dieser Kommentarfunktion :)

  • "Die Bank bezweifelt allerdings, dass wirklich die Spekulanten Schuld an teureren Nahrungsmitteln haben."
    spiegel.de
    "Indizien dafür, dass Finanzinvestoren mit ihren Wetten an den Rohstoffmärkten die Preise für Grundnahrungsmittel nach oben treiben, gibt es zuhauf. So hat sich etwa die Zahl der Terminkontrakte auf Weizen an einem der wichtigsten Handelsplätze, dem Chicago Board of Trade(CBOT), in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht, obwohl die Erntemengen fast konstant geblieben sind. Gleichzeitig hat sich der Weizenpreis verdoppelt."
    weiter dazu:
    Eine Studie der OECD aus dem Jahr 2010 zeigt, dass fast 40 Prozent der Gelder, die in Ackerland investiert werden, aus Europa kommen. Zu den Großfinanziers aus Deutschland gehören die Deutsche Bank und die Allianz, aber auch konservative Renten- und Investmentfonds, deren Anleger noch nicht einmal ahnen, dass ein Teil ihrer Rendite auf Geschäften basiert, die Menschenrechtsorganisationen wie Fian, Oxfam oder Grain schlicht als Landraub bezeichnen.
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    Die Analysten der Commerzbank leben scheinbar in einer Paralellwelt.

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