Commerzbank-Tochter Petrus will Anteil an Comdirect ausbauen

Vor einer Woche hatte der Fonds Petrus Advisers zum General-Angriff auf Comdirect geblasen. Man verlange als Anteilseigner Kostensenkungen und Umbesetzungen. Nun macht Petrus Ernst und will seine Beteiligung erhöhen.
Update: 21.09.2017 - 13:10 Uhr Kommentieren
Petrus will Anteil an Commerzbank-Tochter Comdirect: ausbauen Quelle: dpa
Comdirect

Die Online-Bank bleibt im Visier der Briten.

(Foto: dpa)

Der aktivistische Fonds Petrus Advisers will seinen Anteil an der Commerzbank-Tochter Comdirect aufstocken. „Wir werden Aktien zukaufen und auch die fünf Prozent überschreiten“, sagte Petrus-Mitgründer Klaus Umek der Wirtschaftswoche. Nach eigenen Angaben hält der Londoner Fonds bislang rund ein Prozent der Direktbank, was ihn zum zweigrößten Investor hinter der Commerzbank macht. Die Konzernmutter selbst besitzt 82 Prozent der Comdirect-Papiere.

Petrus hat das Commerzbank-Management in einem offenen Brief, den das Handelsblatt exklusiv veröffentlicht hatte, als „ideenlos agierenden Aktionär“ kritisiert, „ohne Interesse an einer Wachstumsstrategie“ und mit einem „haarsträubenden“ Kostenproblem. Er forderte bei der Comdirect Umbesetzungen im Management und einen unabhängigen Aufsichtsrat.

Das Incentive-Programm solle von Commerzbank- auf Comdirect-Aktien umgestellt werden. Aktuell erhält der Vorstand einen Teil seiner Vergütung in Papieren der Konzernmutter statt der eigenen. Petrus Advisers spricht von einem „Schlag ins Gesicht aller geplagten Minderheitsaktionäre.“

Zudem passt den Briten nicht, dass andere, vergleichbare Direktbanken bessere Zahlen aufweisen als die Comdirect. Vor allem das Aufwand-Etrag-Verhältnis von 68,6 Prozent sorgt für Verstimmung. Petrus fordert Kosteneinsparungen von 25 Millionen Euro und den Verkauf der Tochter eBase.

Ein Anteil von fünf Prozent an Comdirect entsprächen knapp 80 Millionen Euro. Petrus Advisers managt nach eigenen Angaben 350 Millionen Euro. Die Gründer hätten „sehr viel eigenes Geld„ investiert und unendlich Geduld, sagte Umek. Klaus Umek selbst ist gebürtiger Österreicher, war Investmentbanker bei Goldman Sachs. Petrus Advisers hält neben Comdirect auch Beteiligungen am Pharmakonzern Stada und dem Münchener Bautechniker Wacker Neuson, sowie an mehreren Immobilienkonzernen in Österreich.

Das Engagement des aktivistischen Fonds stößt bei den Anlegern auf ein positives Echo. An der Börse legten die Comdirect-Papiere nach den neuerlichen Aussagen Umeks um bis zu zwei Prozent zu auf 11,36 Euro. Die Scheine der Konzernmutter Commerzbank liefen bis zu vier Prozent fester.

Dass Deutschlands Nummer Zwei den Dax am Donnerstag anführt, liegt vor allem an den Spekulationen um eine mögliche Übernahme. Die italienische Großbank Unicredit soll Interesse haben, genau wie die Franzosen von der BNP Paribas. Einen Zusammenschluss mit den Franzosen soll auch die Bundesregierung favorisieren. Der Bund hält seit der Finanzkrise knapp 15 Prozent an der Commerzbank.

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