Commerzbank

Kapitän Blessings überraschende Wende

Kehrtwende bei voller Fahrt: Wegen der steigenden Liquiditätsanforderungen stampft Deutschlands zweitgrößte Privatbank die Sparten gewerbliche Immobilien und Schiffsfinanzierung ein. Ist die Commerzbank in Seenot?
Update: 27.06.2012 - 08:30 Uhr 20 Kommentare
Die Schiffsfinanzierung fällt dem Strategieschwenk zum Opfer. Quelle: dpa

Die Schiffsfinanzierung fällt dem Strategieschwenk zum Opfer.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Commerzbank hat einen umfassenden Strategieschwenk beschlossen: Sie verwirft den Plan, ein eigenes Kernbanksegment für gewerbliche Immobilien und Schiffsfinanzierung aufzubauen. Stattdessen heißt es seit gestern Abend: Diese Geschäftsfelder würden vollständig abgewickelt. Die CommerzReal, die etwa offene Immobilienfonds anbietet, wird in das Privatkundengeschäft eingegliedert.

Wesentliche Gründe für die Entscheidung seien die hohe Kapitalbindung und die steigenden Liquiditätsanforderungen nach den „Basel III“-Vorschriften. Gerade für langfristige Finanzierungen stiegen die Kapitalanforderungen deutlich. Zudem würden auch künftig starke zyklische Schwankungen im Ergebnis erwartet. Im Privat- und Firmenkundengeschäft werde die Commerzbank aber weiterhin Immobilienfinanzierungen anbieten.

Auch ein weitergehender Umbau ist nicht ausgeschlossen, teilte die Bank mit. Im Herbst sollen weitere Konsequenzen aus dem jährlichen Planungsprozess verkündet werden. „Strategisches Ziel ist es, die Commerzbank konsequent auf kundengetriebenes und nachhaltig profitables Kerngeschäft zu fokussieren und Risiken sowie Kapitalbindung weiter zu minimieren“, wurde Konzernchef Martin Blessing in einer Mitteilung zitiert.

Erst während der Hauptversammlung Ende Mai hatte die Commerzbank die Komplettübernahme der Deutschen Schiffsbank vermeldet. Die Geschäfte würden auf die Konzernsparte Asset Based Finance (ABF) verschmolzen, teilte das Institut damals mit. Die Commerzbank hatte Anfang 2011 angekündigt, die Schiffsbank schlucken zu wollen und der Hypo-Vereinsbank anschließend die restlichen Anteile an dem Spezialfinanzierer abgenommen. Jetzt will sie sich aus der Schiffsfinanzierung komplett zurückziehen.

Die Schiffsfinanzierung durchläuft seit Jahren eine tiefe Krise, da es Überkapazitäten gibt und sich die Nachfrage wegen der flauen Entwicklung der Weltwirtschaft in Grenzen hält.

„Das ist keine Kehrtwende, sondern eine Beschleunigung“
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20 Kommentare zu "Commerzbank: Volle Kraft zurück: Kapitän Blessing ändert den Kurs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn man die Verlustzahlen hier liest, wird einem Angst und Bange!
    Wieso wurde dem verlustreichen Treiben durch die Bankenaufsicht, nicht schon längst ein Riegel vorgeschoben?
    Gibt es in unserer Wirtschaft keine fähigeren Köpfe um den Vorstand und die weiteren Verantwortlichen, endlich abzulösen?
    Warum erhalten die Verlustbringer überhaupt noch ihre monatlichen Bezüge und Boni?
    Bei einer Familie SCHLECKER wird gemeckert, aber diese Versager läßt man ungeschoren?

  • Im Mai 2008 betrug der Börsenwert der Commerzbank AG immerhin noch 12,3 Mrd. EUR, seitdem haben Aktionäre und SoFFin gut 16,5 Mrd. zur Verfügung gestellt. Stand heute beträgt die Marktkapitalisierung der Bank nur noch 7,5 Mrd. EUR. Es sind in vier Jahren 21,3 Mrd. EUR an Kapital vernichtet worden. Das sind seit Mai 2008 14,5 Mio EUR täglich!
    Vielleicht hätten Aktionäre und Steuerzahler auch etwas Schöneres mit dem Geld anfangen können.

    Wenn man ganz ehrlich ist, ist auch keine Besserung zu erwarten. Die Commerzbank gehört abgewickelt und der Vorstand weggesperrt!

  • wer richtig lesen kann, ist hier klar im Vorteil !!!

  • Warum ist der Harvard MBA Kapitän überhaupt noch am Ruder? Im Fußball wäre der doch schon 5mal gefeuert worden. Da muss ein Filz im Hintergrund am Werk sein.

  • Wenn der Aktienkurs bei 0,03 Cent liegt, könnten ein paar Zocker wieder bei der Commerzbank einsteigen, gähn. Vorher schlüpfen aber noch die Banken von Belgien unter den Rettungsschirm. Nur noch Zocker und Volltrottel haben Bankaktien!

  • "Da gibt es keine Vorstände"
    sicher gibt es auch da Vorstände!

  • "Ist die Commerzbank in Seenot?"

    Diese Frage ist nach einem Kursverfall von 25 € auf Pennystock-Niveau ohne Aussicht auf Erholung mehr als berechtigt. Einem Pferd hätte man schon längst den Gnadenschuß gegeben.

  • CAPTAIN COOK UND MARCO POLO!
    Stelle mir gerade in der Reederei den Herrn Keitel vor, zwischen lauter Maaten und Määtinnen, zwei Bootsleute sind auch dabei. Und auch ein Kapitän a.D. zur See.
    Während obige beim Einschätzen der Längen- und Breitengrade sicherlich einen Kurs hatten, keimt wohl bei manchem im Vorstand die Ahnung: Der Kurs des Kapitäns geht schnurstracks erst auf eine Pirateninsel zu, um dann im Nebel des Bermuda-Dreieck seiner Bestimmung entgegen zu gehen: Kurs 0 , 8 0 €. Alles Süden, Breite wie Länge.
    KAPITÄNE - DIE GIBT ES AUCH IM VERGNÜGUNGSPARK.

  • Stimmt! Aber erzählen Sie das mal Frau Hauptaktionärin Merkel, mit der es zwar keine Eurobonds solange sie lebt geben wird, die aber dem Konzernchef Blessing und seinen Zick-Zack-Strategien die Stange hält. Das Schiff Commerzbank liegt schon längst auf Grund aber "Kapitän Blessing" und seine Kindersoldaten werden die letzte Luftblase für den Aufstieg schon noch erwischen. Einige Ex-Vorstände die jetzt in der Schweiz in neuen Investmentvehikeln auftauchen machen es schon vor.

  • Blessing ist der Lothar Matthäus der hiesigen Finanzbranche - und der AR schaut tatenlos zu - und das ist das eigentliche Problem dieser Bank. Coba mutiert zu WESTLB II - nur eine Frage der Zeit.

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