Contra Zerschlagung
Trennbanken hätten die Krise nicht verhindert

Ein Trennbankensystem hat im Falle einer Pleite keinen Zweck. Das sieht man am Beispiel der IKB und der HRE. Andere Schritte wären wesentlich effektiver - und die macht uns Großbritannien gerade vor.
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FrankfurtWie soll ein Vorschlag die Lösung für das Finanzsystem der Zukunft bringen, dessen Inhalt nicht das Kernproblem ist? Die Politik muss die Banken reformieren und sie muss Institute und Bereiche, die Probleme haben, künftig pleitegehen lassen. Aber sie muss dafür Universalbanken nicht zerschlagen. Und sie sollte sie nicht zerschlagen.

Ein Blick auf die größten Problembanken der Finanzkrise zeigt, warum: Ein Trennbankensystem hätte ihre Schieflage nicht verhindert. Genau vor fünf Jahren musste die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB als erstes Institut in der Finanzkrise mit Milliarden vor dem Untergang gerettet wurde. Sie hatte sich nicht über das Investment-Banking an den Rand des Ruins gebracht, sondern weil die Vorstände auf der Suche nach Rendite Milliarden in undurchsichtigen Verbriefungsprodukten anlegten, deren Risiken sie nicht verstanden. Hier hätte ein besseres Management helfen können, eine bessere Aufsicht, ein Verbot solcher Anlagen - aber kein Trennbankensystem.

Die später gerettete Hypo Real Estate (HRE) ist ein Paradebeispiel dafür, dass Spezialinstitute, nicht Universalbanken, zu den labilsten Spezies des Finanzsystems gehören können. Die HRE und ihre Staatsfinanzierungstochter Depfa betrieben kein Einlagengeschäft. Sie holten sich das Geld, das sie Staaten und Immobilienentwicklern liehen, über den Kapitalmarkt. Damit traf sie die Finanzkrise viel direkter als die Universalbanken, deren langfristige Kundeneinlagen eine weitaus stabilere Refinanzierung boten.

Die 2008 pleitegegangene US-Investmentbank Lehman Brothers war eine klassische, aus dem 1933 in den USA eingeführten Trennbankensystem unter Glass Steagall hervorgegangene, Investmentbank ohne Einlagengeschäft. Der Logik der Befürworter eines Trennbankensystems nach hätte man sie ohne große Folgen einfach pleitegehen lassen können. Weil aber die Banken untereinander so stark vernetzt miteinander sind, waren die Folgen der Pleite für das Finanzsystem doch gewaltig. Wo würde ein Trennbankensystem da also helfen?

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  • Jeder Kleinunternehmer ist per Gesetz verpflichtet, mit der Firma seiner Unternehmung für jedermann erkennbar klarzustellen, mit welchem Vermögen die Unternehmung im Haftungsfall zur Verantwortung gezogen werden kann. Für die Finanzindustrie gilt das nicht. Da sind alle Unternehmungen Aktiengesellschaften. Die meisten börsennotiert, ganz wenige in Privathand. Man kann deshalb nicht auf Anhieb erkennen, ob es sich bei einem Bankhaus um eine Spiel-/Investionsbank handelt, oder ob der Laden ein reines Kreditinstitut ist.

    Es würde IMHO vollauf reichen, diese ganz legale Risiko-Verschleierung zum Schaden des Kunden per Gesetz zu beseitigen und ALLE Finanzinstitute zu einer unmißverständlichen Firmierung ihrer Geschäftsmodelle zu verpflichten. Zum Beispiel mit einem Pflicht-Kürzel IB für Investment-Banking.

    Wer dann sein Giro-Konto bei einer Deutschen Bank IB AG(vormals Deutsche Bank AG) behält, trägt sein Untergangsrisiko wissentlich selbst wenn's früher oder später schiefgeht. Eine höhere Besteuerung von IBs zwecks Kompensation volkswirtschaftlicher Collateralschäden durch Zockerpleiten könnte außerdem die freiwillige Aufspaltung in Geschäfts- und Investitionsbanken vorantreiben. Bei der Umstrukturierung großer Aktiengesellschaften in viele kleine Steuervorteils-GmbHs zu einem deutschen Schein-Mittelstand hat das in der Vergangenheit doch auch schon prima funktioniert.

  • Was nützt eine Ehescheidung wenn danach weiter miteinander gefrühstückt wird?
    Einzig und allein die Haftung trägt jeder für sich. Es ist ein Fall von Gütertrennung.

    http://www.bps-niedenstein.de/

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