Corporate Governance: Norwegischer Staatsfonds kritisiert US-Banken

Corporate Governance
Norwegischer Staatsfonds kritisiert US-Banken

In den USA sind Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzender oftmals ein und dieselbe Person. Der norwegische Staatsfonds hält diese Führungsstruktur für problematisch und richtet nun deutliche Worte an die US-Banken.

DüsseldorfDer norwegische Staatsfonds hält es für unverantwortlich, dass bei großen US-Banken die Chefs eine Doppelrolle einnehmen: „Die Finanzkrise im Jahr 2008 hat gezeigt, dass Banken diese Rollen voneinander trennen müssen“, zitierte die britische Tageszeitung „Financial Times“ den Chef des norwegischen Staatsfonds Yngve Slyngstad. Oftmals sind die Manager Vorstandschef (CEO) und Aufsichtsratsvorsitzender (Chairman) in Personalunion.

Der norwegische Staatsfonds ist der größte Staatsfonds der Welt und verwaltet derzeit 810 Milliarden Dollar und kann deshalb großen Druck auf Firmen ausüben. Im Durchschnitt gehört dem Fonds weltweit 1,3 Prozent jedes Unternehmens. Vor allem bei US-Banken ist der Fonds stark engagiert: Er gehört zu den größten 10 Anteilseignern der größten US-Banken. Der Staatsfonds will die Corporate Governance in diesen Instituten zu verbessern.

Dem Staatsfonds schwebt eine Regelung wie in Deutschland vor. Bei deutschen Kapitalgesellschaften leitet das operative Geschäft der Vorstandstandvorsitzende, während der Aufsichtsrat als Kontrollgremium fungiert, um Misswirtschaft und eigennütziges Fehlverhalten zu unterbinden. Oftmals berät der Aufsichtsrat neben seiner Überwachungsfunktion auch den Vorstand. Dabei kann niemals eine Person beide Funktionen verkörpern.

Im vergangenen Jahr hatten die Norweger ihre Macht bereits deutlich gemacht: Der Fonds nutzte seinen 0,8 Prozent Anteil an JP Morgan, um gegen eine Ernennung Jamie Dimons als CEO und Aufsichtsratsvorsitzender in Personalunion zu stimmen. Auch Lloyd Blankfeins Doppelrolle bei Goldman Sachs lehnte der Fonds entschieden ab.

Dimon wurde in der Vergangenheit oftmals von seinen Aktionären für seine Doppelfunktion hart kritisiert. Bei der letzten JP-Morgan-Hauptversammlung votierten ein Drittel der Aktionäre für eine Aufteilung der Rollen auf zwei Personen.

„Andere Investoren werden auch den Druck erhöhen. Eine Person kann nicht beide Jobs erledigen“, sagte Staatsfonds-Chef Slyngstad. Es werde aber einige Zeit dauern, bis die Unternehmen seine Forderungen umsetzen können. „Es wird vermutlich bis zur nächsten Generation dauern.“

Erst kürzlich hatte Slyngstad auch die Unternehmensführungsstruktur von Volkswagen kritisiert. Der Fonds, der 1,22 Prozent der VW-Stammaktien hält und damit zu den größten Einzelaktionären des Wolfsburger Konzerns zählt, habe mit VW gesprochen, weil Volkswagens Führungsstruktur „komplex und problematisch“ sei, so Slyngstad. Sein Fonds habe im Dialog mit VW „eine bessere Führungsstruktur“ eingefordert.

Henning Jauernig
Henning Jauernig
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
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