Credit Default Swaps
NRW-Bank groß im Geschäft mit Derivaten

Zockende Förderbank: Die NRW-Bank ist einer der größten deutschen Emittenten von Kreditausfallversicherungen. Griechische Staatsanleihen, bei denen der Versicherungsfall nun eingetreten ist, gehören nicht zum Programm.
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DüsseldorfDie Zentrale der NRW-Bank liegt weit entfernt von den globalen Finanzzentren dieser Welt. Zwischen dem Düsseldorfer Kaiserteich und der Kavalleriestraße gelegen, unterstützt die Förderbank von Nordrhein-Westfalen das Bundesland „bei seinen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben“, wie sie es selbst beschreibt: zinsgünstige Finanzierung für Unternehmen, Wohnraum- und Infrastrukturprojekte sowie Umweltschutz.

Da wundert es, dass sich in der Bilanz der NRW-Bank ein Anlageinstrument findet, das der Laie eher bei einem der in London, Frankfurt oder New York ansässigen Kreditinstitute vermuten würde: Kreditausfallversicherungen, Credit Default Swaps oder kurz CDS genannt. Die Düsseldorfer Förderbank gehört sogar zu Deutschlands größten Verkäufern von Kreditderivaten.

Die NRW-Bank hatte Ende 2010 – neuere Zahlen liegen nicht vor – Kreditderivate in Höhe von 22,7 Milliarden Euro verkauft. Im Vorjahr dürfte das Volumen dieser Garantien etwa ebenso hoch gewesen sein. „Mit einem stabilen Nominalvolumen von ungefähr 25 Milliarden Euro besitzt die NRW-Bank eines der größten CDS-Portfolios unter deutschen Banken“, schreibt die Ratingagentur Moody's in einem Report vom 20. Dezember 2011. Das alles bei einer Bank, die 17,7 Milliarden Euro Eigenkapital vorzuweisen hat.

Warum verkauft eine regionale Förderbank in Deutschland im großen Stil Kreditderivate? Es ist ein alles andere als risikoloses Geschäft. 2008 musste der US-Versicherungskonzern AIG vom Staat gerettet werden, weil er zu viele dieser Pleiteversicherungen für Anleihen der US-Investmentbank Lehman Brothers verkauft hat. Und die österreichische Auffangbank des Gemeindefinanzierers Kommunalkredit, KA Finanz AG, braucht derzeit auch deshalb neues Geld vom Steuerzahler, weil sie mit Kreditderivaten andere Anleger gegen eine Pleite Griechenlands versichert hat. Das Kerngeschäft einer Förderbank sieht anders aus.

Bei der NRW-Bank heißt es, CDS seien seit 2006 als Teil des Investment-Portfolios der Bank genutzt worden. „Die NRW-Bank ist eine haushaltsunabhängige Förderbank. Das heißt, zur Finanzierung ihres öffentlichen Auftrags erwirtschaftet sie ihre eigenen Erträge“, sagt eine Sprecherin. „Das tut sie im Wesentlichen im Rahmen ihrer risikoarmen Kapitalmarktstrategie.“

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Kommentare zu " Credit Default Swaps: NRW-Bank groß im Geschäft mit Derivaten"

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  • Viel zu schade, dass der Beitrag irrtümlich nur zweimal ins Netz gestellt wurde.

    Eigentlich sollte er jedem Politiker abends noch einmal vor dem Schlafen als gute Nachtgeschichte vorgelesen werden.

    Politiker sollten mit ihren Diäten, ihren Pensionen für ihre Untaten verantwortlich gemacht werden. Sonst ändert sich nichts.

  • Die lernen's nicht. Da kommt man wohl nur noch mit dem Staatsanwalt und dem - auf der Hand liegenden - Untreuestraftatbestand weiter. Nur muss dann auch gegen die Abenteuerpolitiker ermittelt werden, denn die sind mit ihrem Grössenwahn wesentlich mitschuldig.

    Im übrigen, lieber byrdie: Selbst wenn die Positionen gehedged sein sollten, habe ich immer noch das Counterparty risk, und da liegt das eigentliche Problem. Die Institute, die die CDS geschrieben haben, sind doch letztlich nicht in der Lage, sie auch im Ernstfall zu honorieren ... weil sie selbst das Kapital nicht haben und auch die Anderen, bei denen sie sich auf dem Papier rückversichert haben, nichts in der Hose haben. Das war in der Sub-Prime-Krise und bei Lehman so und wird auch in der Krise um die europäischen Staatsschulden so sein. Diese CDS Mätzchen sind doch nur Mini-Feigenblätter, mit denen sich die Wirtschaftsprüfer und Aussichtsbehörden in's Koma saufen.

  • 13.03.2012, 10:10 UhrIhr Kommentar:

    Die lernen's nicht. Da kommt man wohl nur noch mit dem Staatsanwalt und dem - auf der Hand liegenden - Untreuestraftatbestand weiter. Nur muss dann auch gegen die Abenteuerpolitiker ermittelt werden, denn die sind mit ihrem Grössenwahn wesentlich mitschuldig.

    Im übrigen, lieber byrdie: Selbst wenn die Positionen gehedged sein sollten, habe ich immer noch das Counterparty risk, und da liegt das eigentliche Problem. Die Institute, die die CDS geschrieben haben, sind doch letztlich nicht in der Lage, sie auch im Ernstfall zu honorieren ... weil sie selbst das Kapital nicht haben und auch die Anderen, bei denen sie sich auf dem Papier rückversichert haben, nichts in der Hose haben. Das war in der Sub-Prime-Krise und bei Lehman so und wird auch in der Krise um die europäischen Staatsschulden so sein. Diese CDS Mätzchen sind doch nur Mini-Feigenblätter, mit denen sich die Wirtschaftsprüfer und Aussichtsbehörden in's Koma saufen.

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