Credit Suisse
Annäherung im Vergütungsstreit

Im Streit um den Vergütungsplan der Credit Suisse zeichnet sich eine Annäherung ab. Ein einflussreicher Berater empfiehlt nun, dem Plan zum Teil zuzustimmen. Mit einer Anzeige wirbt die Großbank um ihre Aktionäre.
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Düsseldorf/ZürichDer US-Stimmrechtsberater ISS hat seine Haltung gegenüber den Vergütungen der Führungsebene bei der Credit Suisse abgemildert. Er lehne die kurzfristigen variablen Vergütungen für die Geschäftsleitung sowie den allgemeinen Vergütungsplan weiterhin ab, teilte ISS am Dienstag mit. Bei den langfristigen Boni und bei der Vergütung des Verwaltungsrats empfiehlt ISS den Aktionären nun aber, mit Ja zu stimmen.

Die Schweizer Großbank hatte nach der anschwellenden Kritik hastig die Gehälter gekürzt. In der Nacht auf Karfreitag verzichtete das Management auf einen Teil des Bonus und der Verwaltungsrat auf eine Erhöhung seiner Vergütung. Das Gesamtgehalt von Konzernchef Tidjane Thiam für das vergangene Jahr sinkt damit auf 10,24 Millionen Franken von den zuvor geplanten 11,9 Millionen Franken. Verwaltungsrats-Präsident Urs Rohner geht nun davon aus, dass sich die Zustimmung auf der Generalversammlung erhöhen wird, wie er in einem Interview sagte. Ob das Unternehmen die notwendige 50-Prozent-Schwelle erreicht, ist aber immer noch nicht garantiert. Die Bank konnte die kritischen Stimmrechtsberater und Aktionäre nur teilweise auf ihre Seite ziehen.

Am heutigen Mittwoch hat die Credit Suisse eine ganzseitige Anzeige in der renommierten Londoner Tageszeitung Financial Times geschaltet. Überschrieben ist diese mit „To the Shareholders of Credit Suisse Group AG“. Darunter verweist die Bank noch einmal auf die freiwillige Reduzierung der Gehälter durch den Vorstand und den Verwaltungsrat. Die Anzeige selbst stellt die neuen Tagesordnungspunkte vor, die die Vergütungs-Neuregelung umfassen.

Explizit weist die Bank auf die Absenkung der fixen Gesamtvergütung des Vorstands von 12,5 Millionen Schweizer Franken auf 12,0 Millionen Schweizer Franken (11,2 Millionen Euro) im Jahr 2017 hin. Außerdem geht die Anzeige auf den Unterschied zwischen den kurzfristigen und der langfristigen Bonuszahlungen ein. Am Schluss weist die Schweizer Bank ihre Anteilseigner auf die Möglichkeit hin, ihre schriftlichen Abstimmungsorder zu ändern.

Die Aktionäre sollen am 28. April bei der Generalversammlung über den Vergütungsbericht abstimmen. Die Schweiz ist – aufgrund einer Volksabstimmung – inzwischen das einzige Land, in dem die Aktionäre jedes Jahr bindend über die Managergehälter abstimmen. Ein Nein wäre für die Credit-Suisse-Spitze eine beispiellose Schmach. Die zweitgrößte Bank des Landes droht zum ersten großen Schweizer Konzern zu werden, deren Management-Boni und Vergütung des Verwaltungsrates bei den Aktionären eine Abfuhr erleiden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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