Credit Suisse in Rot
Schlechtester Jahresstart seit der Finanzkrise

Bei Credit Suisse schlägt nach dem ersten Quartal ein Minus im dreistelligen Millionenbereich zu Buche. Und dennoch hatten Experten bei der Schweizer Großbank noch mehr Verlust erwartet.

ZürichCredit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hatte die Anleger bereits auf schlechte Zahlen eingestimmt: Schon vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen hatte er davor gewarnt, dass der „Januar der schlechteste Jahresstart aller Zeiten“ gewesen sei. Tatsächlich macht die zweitgrößte Schweizer Bank einen Netto-Verlust von 302 Millionen Franken. Analysten hatten aber mit Schlimmeren gerechnet. Sie hatten rund eine halbe Milliarde Nettoverlust erwartet. Die Aktie legte zu.

Im Vorjahresquartal hatte Credit Suisse noch einen Netto-Gewinn von rund einer Milliarde Franken ausgewiesen. Doch die Marktturbulenzen, unter anderem ausgelöst aus der Sorge vor einem Crash in China, haben allen Großbanken den Jahresstart vermiest. Auch bei UBS war der Quartalsgewinn um über 60 Prozent eingebrochen, der Lokalrivale verdiente aber im ersten Quartal immerhin noch 707 Millionen Franken.

Es war vor allem die Handelssparte Global Markets, die Credit Suisse in die roten Zahlen riss. Sie verlor vor Steuern 649 Millionen Franken und damit mehr als erwartet. Die Bank stellt dem entgegen, dass die beim Abbau der Risiken Fortschritte erziele. Vom Portfolio von Hochzins-Anleihen, das der Bank hohe Verluste beschert hatte, seien 79 Prozent abgebaut; unter anderem hatte Credit Suisse einen Teil des Portfolios verkauft.

Geringere Risiken haben der Bank erlaubt, dass die Kapitalposition sich trotz der Verluste nicht verschlechtert  - was eine große Sorge der Märkte war. Die harte Kernkapitalquote (CET1) blieb mit 11,4 Prozent stabil. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 11,3 Prozent gerechnet. 

Fortschritte erzielte die Bank auch beim Kostensenken. Von geplante 6000 zu streichenden Stellen seien 3500 bereits abgebaut. Von angestrebten Kostensenkungen von 1,4 Milliarden Franken habe die Bank „mehr als die Hälfte“ im ersten Halbjahr erzielen können, hieß es.

Die drei regionalen Einheiten – Asien, Schweiz, International – erzielten alle Vorsteuergewinne im Rahmen der Erwartungen. Die profitabelste Einheit ist weiterhin die Schweiz-Tochter, die neben Vermögensverwaltung auch gewisse Investmentbank-Dienstleistungen umfasst. Sie verdiente Vorsteuern 426 Millionen Franken und konnte damit ihr Ergebnis halten. Zudem erzielten alle Regionaleinheiten solide Neumittelzuflüsse von insgesamt zwölf Milliarden Franken, wenn auch weniger als im Vorjahreszeitraum (16,7 Milliarden).

Mit Blick auf das zweite Quartal blieb Credit Suisse vorsichtig. Zwar hätten die Monate März und April „erste Anzeichen einer vorläufigen Erholung der Aktivität“ erkennen lassen, aber „ungünstige Marktbedingungen und niedrige Kundenaktivität dürften auch im zweiten Quartal 2016 und möglicherweise darüber hinaus fortbestehen.“

Der Quartalsabschluss dürfte Anleger vor allem mit Blick auf die Eigenmittel-Ausstattung etwas beruhigen. Doch Credit Suisse muss noch einiges nachlegen, um allein den Verlust ihrer Aktie von über 35 Prozent seit Jahresanfang wieder aufzuholen.

 

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