Credit Suisse
Neuer Chef kündigt neue Strategie an

Alles kommt auf den Prüfstand: Ende 2015 will der neue Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam einer neue Strategie für die Schweizer Großbank präsentieren. Die Erwartungen der Aktionäre an den Ivorer sind hoch.
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ZürichDer neue Chef der Credit Suisse stellt die Strategie der Schweizer Großbank auf den Prüfstand. „In den kommenden Wochen und Monaten werde ich mich vor allem darauf konzentrieren zu entscheiden, was wir künftig tun, und festzulegen, wie wir unser Kapital einsetzen werden“, schrieb Tidjane Thiam am Mittwoch an die rund 45.000 Mitarbeiter des Konzerns. Es war sein erster Arbeitstag als neuer Chef bei der Schweizer Bank. Der ehemalige Versicherungsmanager will spätestens Ende des Jahres seine Pläne für die Credit Suisse vorstellen, wie aus dem internen Memo, das Reuters vorlag, hervorging.

Sein Vorgänger Brady Dougan hinterlässt dem Ivorer viele Baustellen, die den Aktienkurs seit Jahren bremsen. Investoren bemängeln vor allem, dass das riskante Investmentbanking zu langsam abgebaut wird. Sie fordern eine stärkere Ausrichtung auf die Vermögensverwaltung nach dem Vorbild des Erzrivalen UBS. Die Erwartungen an Thiam sind hoch: Seinem bisherigen Arbeitgeber, dem britischen Versicherungskonzern Prudential hinterlässt der ehemalige McKinsey-Berater ein gut bestelltes Haus.

„Wir benötigen eine Strategie, die ein profitables und nachhaltiges Wachstum ermöglicht“, betonte Thiam in der Mitteilung an die Mitarbeiter. „Wir müssen klar und entschieden sein, wenn es darum geht, was wir tun und - genau so wichtig - was wir nicht tun.“ Thiam setzt bei seinem neuen Arbeitgeber auf einen langjährigen Weggefährten.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen ernannte er Pierre-Olivier Bouee zum Stabchef, wie ein Sprecher am Mittwoch sagte. Er bestätigte damit Reuters vorliegende Angaben eines Insiders. Bouee war zuletzt Risiko-Chef beim britischen Versicherer Prudential, wo er bereits unter Thiam arbeitete. Fridolin Walch wechselt aus der Unternehmensentwicklung in das operative Geschäft. Rob Basso verlasse den Stab des Konzernchefs und übernehme eine Rolle im Personalbereich.

Neben einer Verlagerung des Geschäfts in Richtung Vermögensverwaltung rechnen Analysten auch mit einem milliardenschweren Kapitalerhöhung bei der Credit Suisse. „Damit wir unsere Ziele erfüllen können, brauchen wir eine starke Bilanz“, erklärte Thiam. „Sie muss es uns ermöglichen, auch in schwierigen Situationen bestehen zu können und weiter in die Zukunft zu investieren.“ Nach einer Milliardenstrafe wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA ist die Credit Suisse bezogen auf die Kernkapitalquote in die Gruppe der schwächsten europäischen Institute abgerutscht.

Befeuert von einer Hochstufung durch Morgan Stanley kletterte die Credit-Suisse-Aktie am Mittwoch um 3,1 Prozent. Analyst Huw Van Steenies rechnet damit, dass Credit Suisse unter der neuen Führung den Rückstand auf den Erzrivalen UBS verringern kann.

Auch bei der Deutschen Bank stehen Umwälzungen an. Der neue Chef John Cryan, der ebenfalls am Mittwoch seinen Dienst antrat, machte klar, dass er das Geschäftsmodell vereinfachen und Kosten senken will. Die Einzelheiten dazu will der frühere UBS-Finanzchef bis Ende Oktober liefern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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