Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

Barclays
Britische Hände im deutschen Steuertopf

Barclays hat Cum-Ex-Transaktionen systematisch geplant. London wurde zur zentralen Schaltstelle von Aktienhandel in Milliardenhöhe. Die Bank musste lang mit dem deutschen Staat ringen – nun schweigt sie zu dem Thema.

Während die ältesten deutschen Großbanken ihre Anfänge im späten 19. Jahrhundert verordnen, schlagen britische Konkurrenten für die Geschichte ihrer Häuser noch 200 Jahre weiter zurück. Barclays etwa kann die Ahnenreihe seiner Gründerfamilie bis zum Jahr 1690 verfolgen, als die beiden Quäker John Freame und Thomas Gould in der Lombard Street in London als Goldschmied-Banker begannen.

Seither ist viel passiert. Wie sein Wappentier, ein schwarzer Adler mit ausgebreiteten Flügeln, schwebte auch Barclays immer höher und weiter. Bei der jüngsten Zählung standen 132.000 Mitarbeiter in den Reihen von Barclays, die Bank verfügte über Aktiva im Wert von 1,4 Billionen Pfund.

Ganz groß waren dann auch die Volumina, mit denen sich das britische Institut am Cum-Ex-Handel beteiligte, und dabei Teile seiner Gewinne quasi direkt aus der deutschen Steuerkasse zog. Unter Projektnamen wie „Cumex“ und „Schumann“ generierte die Bank mit den dubiosen Aktiendeals bis 2009 mehr als eine Milliarde Euro Dividenden pro Jahr. Über den Daumen gerechnet flossen also bis zu 250 Millionen Euro an erschlichenen Kapitalertragsteuern vom deutschen Fiskus in die britischen Tresore.

Inzwischen soll sich Barclays mit den deutschen Behörden geeinigt haben. Details hierzu werden aber gehütet wie britische Kronjuwelen. Auf alle Nachfragen sagt Barclays lediglich: „Alle Fragen zu dem Sachverhalt wurden mit den deutschen Steuerbehörden abschließend geklärt.“

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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