Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

Eckhart Seith
Des Müllers Advokat

Eckart Seith reichte für seinen Mandanten Erwin Müller eine Zivilklage gegen die Schweizer Bank J. Safra Sarasin ein. Der Anwalt wählte dabei ungewöhnliche Methoden. Eine Zeit lang musste er deshalb die Schweiz meiden.

Der Stuttgarter Wirtschaftsanwalt Eckart Seith ist schon lang im Geschäft, aber ein Mandat wie das von Erwin Müller hat er noch nie betreut. Es ist nicht nur die Summe, um die es geht – seine Schadensersatzklage gegen die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin hat einen Streitwert von rund 50 Millionen Euro. Doch Seith hat nicht nur die Zivilklage auf den Weg, sondern auch strafrechtlich Einiges ins Rollen gebracht.

Seith erstattete gleich gegen mehrere Manager der Bank Sarasin eine Strafanzeige. Der Vorwurf: Sein Mandant sei arglistig getäuscht und betrogen worden. Müller sei gar nicht darüber aufgeklärt worden, dass sich die Fonds illegale Steuerpraktiken zunutze machten, sagt Seith.

Am 26. Mai kam die ermittelnde Kölner Staatsanwältin Anne Brorhilker in Seiths Kanzlei nach Stuttgart, um Müller als Zeuge zu vernehmen. Zwischenzeitlich war sogar Seith selbst im Visier der Schweizer Ermittler. Er war angezeigt worden, weil er über brisante Informationen aus dem inneren der Bank verfügte – womöglich aus nach Schweizer Maßstäben illegalen Quellen. Eine Weile lang verzichtete Seith deshalb auf Reisen in das Alpenland, und klagte gleichzeitig selbst einen Schweizer Staatsanwalt an – wegen Amtmissbrauch. Die Ermittlungen gegen Seith wurden nach einer Weile eingestellt. Nun kann der Anwalt sein Schweizer Feriendomizil wieder besuchen, ohne dass ständig über seine Schulter gucken zu müssen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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