Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

Macquarie
Down under, mittendrin

Die australische Bank Macquarie hat an Cum-Ex-Geschäften auf Kosten des deutschen Fiskus mitgewirkt. Soviel ist zumindest in einem Fall sicher. Doch es gibt Hinweise, dass die Australier noch mehr Eisen im Feuer hatten.

Als der britische Seefahrer James Cook im Jahr 1770 die Ostküste Australiens erreichte und das Land für die Krone in Besitz nahm, waren die ersten Banken in seiner Heimat schon 80 Jahre im Geschäft. Doch auch wenn es die australische Macquarie in Sachen Tradition weder mit den britischen noch mit den deutschen Banken aufnehmen kann, so zählt ihre Belegschaft doch immerhin 14.000 Männer und Frauen. Der Name Macquarie hat im internationalen Finanzgewerbe durchaus einen Rang.

Keine andere Branche ist so flexibel wie die Finanzbranche. Bereisten Männer des Geldes schon immer gern die Welt, so schafft die moderne Technik heute Möglichkeiten, von denen die Ahnen der großen Bankiers nicht einmal träumten. Geld schläft nicht. Auf Knopfdruck verschwindet es von einem Konto auf einem Kontinent, und taucht einen Sekundenbruchteil später auf einem anderen wieder auf. Zeit und Raum spielen für Finanzjongleure keine Rolle mehr. Und wenn es in Deutschland eine Möglichkeit gab, dem Staat eine einmal abgeführte Kapitalertragssteuer zweimal aus dem Kreuz zu leiern, dann sprach sich das schnell herum – auch bis zum fünften Kontinent.

So ist es zu erklären, dass der Name des australischen Finanzriesen Macquarie immer wieder in den deutschen Ermittlungsakten über Cum-Ex-Geschäfte auftaucht. Vor allem als Fremdkapitalgeber spielte Macquarie eine prominente Rolle. Viele Geschäfte funktionierten erst dann richtig, wenn das Eigenkapital um ein Vielfaches mit Fremdkapital gehebelt wurde.

Bekannt ist auch, dass Macquarie Cum-Ex-Investments für Großinvestoren schuf, die damit zumindest teilweise Schiffbruch erlitten. So hat der Bundesfinanzhof das Steuer-Modell des Macquarie-Kunden Walter Höft gestoppt. Die Richter begründeten dies mit dem „modellhaft aufgelegten Gesamtvertragskonzept“ der Deals.

Wie es scheint, werden die Australier noch öfter die Reise zum alten Kontinent antreten müssen. Im September 2015 kaufte das Bundesland Nordrhein-Westfalen für die Rekordsumme von fünf Millionen Euro von einem Insider einen Datenstick, auf dem Cum-Ex-Geschäfte in riesigen Ausmaßen gespeichert sind. Unter den 129 Namen auf dem Datenträger befindet sich auch die Macquarie.

Zuletzt zeigte sich die Bank einsichtig. Sie will Steuern zurückzahlen und ein Bußgeld akzeptieren. Eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft steht bevor.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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