Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

Maple Bank
Der Kollaps der Kanadier

Rund 450 Millionen Euro Steuern soll die Maple Bank wegen der Aktiengeschäfte im Feuer haben. Das war der Bafin zu viel. Sie verhängte ein Moratorium, inzwischen hat in der Bank ein Insolvenzverwalter das Sagen.

Die Maple Bank ist in der altehrwürdigen Galerie der internationalen Geldhäuser quasi ein Teenager. Erst 1986 in Toronto gegründet, kam das kanadische Institut 1994 nach Frankfurt. Seine deutsche Geschichte dauerte nur 22 Jahre.

Denn seit Februar 2016 hat in Frankfurt einer das Sagen, der in keinem Unternehmen gern gesehen ist, schon gar nicht in einer Bank. Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wegen drohender Überschuldung ein Moratorium über die Maple Bank verhing, übernahm kurz darauf Insolvenzverwalter Michael Frege die Führung. Frege ist einer der wenigen Männer in Deutschland, die mit insolventen Banken schon Erfahrung haben – ab 2012 wickelte der Anwalt der Kanzlei CMS Hasche Sigle die deutsche Tochter der US-Bank Lehman Brothers ab – ein historischer Auftrag.

Im Vergleich dazu ist die Maple Bank auf den ersten Blick für Frege eine Mini-Aufgabe. Das kleine Institut wäre in Deutschland kaum je aufgefallen, wenn es nicht bei dem feindlichen Übernahmeversuch von Volkswagen durch Porsche mitgewirkt hätte. Doch die Maple Bank, so unbekannt sie auch sein mochte, war auch ein großer Spieler im Cum-Ex-Handel.

Die gewaltige Summe von 450 Millionen Euro soll die Bank dem Fiskus aus Geschäften schulden, bei denen sich die Beteiligten eine einmal angeführte Kapitalertragssteuer mehrfach erstatten ließen. Der dreistellige Millionenbetrag an Steuern deutet auf einen Cum-Ex-Handel mit ungeheurem Volumen hin. Frege könnte bei seinen Aufräumarbeiten noch einige Überraschungen erleben.

Schon jetzt ist klar, dass die Insolvenz der Bank offenbar schwerwiegendere finanzielle Folgen hat als bislang befürchtet: 236 Gläubiger haben Forderungen in einer Größenordnung von 3,3 Milliarden Euro angemeldet. Es handelt sich damit um eine der größten Bankenpleiten in Deutschland.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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