Cum-Ex-Geschäfte und die Folgen

Wie Banken in die
Steuerkasse griffen

MM Warburg
Privatbankiers unter Verdacht

Die feine Hamburger Privatbank M.M. Warburg war Anfang Januar 2016 Ziel von Ermittlern der Staatsanwaltschaft. Fünf Warburg-Banker werden beschuldigt, an illegalen Steuerdeals mitgewirkt zu haben. Ihre Partner sollen dabei aus der Schweiz stammen.

Das Bankhaus M.M. Warburg wurde 1798 von den Brüdern Moses Marcus Warburg und Gerson Warburg gegründet und ist mit seiner mehr als 200jährigen Geschichte gleichzeitig eine der ältesten und mit seiner Bilanzsumme 3,7 Milliarden Euro eine der größten Privatbanken Deutschlands.

Doch Tradition hin oder her, im 21. Jahrhundert, so scheint es, beteiligten sich auch die feinen Hamburger Bankiers an den fragwürdigen Aktien-Geschäften. Und so fuhren Mitte Januar 2016 Staatsanwälte aus Köln in der Hansestadt vor. Sie hegten den Verdacht, dass M.M. Warburg an Cum-Ex-Börsengeschäften im Volumen von mehr als 150 Millionen Euro mit drei Kapitalanlagefonds beteiligt war. M.M. Warburg wies den Verdacht zurück und erklärte außerdem, die Ermittlungen unterstützen zu wollen. Fakt ist, dass die Behörden fünf Personen aus dem Kreis der Bank im Visier haben, darunter Christian Gottfried Olearius, Aufsichtsratschef der Bank.

Einiges deutet darauf hin, dass die Bank eng in ein Netzwerk von Cum-Ex-Akteuren eingebunden war. Warburg hatte im Hinblick auf die Cum-Ex-Geschäfte Beziehungen zum Schweizer Institut J. Safra Sarasin, einer zentralen Schaltstelle im Cum-Ex-Gewerbe. In einem internen Sarasin-Dokument wird Warburg als Cum-Ex-Wettbewerber beschrieben. Dort heißt es: „M.M. Warburg bietet Dividendenarbitrage-Produkte an Kunden in der Schweiz und in Deutschland an.“

Sarasin geriet selbst vor allem wegen des Vertriebs von Cum-Ex-Fonds der Luxemburger Finanzfirma Sheridan in den Fokus. Konkret geht es um die Fonds „Malta“, „Irland“ und „Equity Arbitrage“. Mindestens in einem Fall war auch Warburg involviert. Neben Privatkunden wie AWD-Gründer Carsten Maschmeyer oder Drogerieunternehmer Erwin Müller steckten institutionelle Investoren Geld in diese Fonds.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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