Cyper Insurance
Allianz setzt auf Internetschäden

Die einen fürchten Internetkriminalität und Netzwerkausfälle, die Allianz sieht darin üppige Geschäfte. Durch sogenannte Cyber-Versicherungen will das Unternehmen punkten und sich eine Vorreiterrolle in Europa sichern.
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MünchenDie Bedrohung der Industrie durch Internetkriminalität und Netzwerkausfälle verspricht nach Einschätzung der Allianz üppige Geschäfte für die Versicherungsbranche. „Wir halten Cyber Insurance für einen großen Wachstumsmarkt“, sagte Hartmut Mai, Vorstandsmitglied der Allianz-Industrieversicherungssparte AGCS, am Mittwoch in München. In der zunehmend vernetzten Welt seien Unternehmen nicht nur durch Hacker-Angriffe gefährdet, erläuterte Mai. Auch technische Pannen wie Systemausfälle könnten Unternehmen lahmlegen und hohe Kosten verursachen.

Neue Risiken entstünden durch die zunehmende Verlagerung der Datenspeicher auf fremde Anbieter (Cloud Computing). „Wenn meine Bänder stillstehen, weil der Cloud-Provider die Daten, die ich dort geparkt habe, nicht mehr zur Verfügung stellen kann, dann kann das unternehmensgefährdend sein“, erklärte Mai. Zudem seien Firmen durch weltumspannende Präsenz ihres Internet-Auftritts mit einer Vielzahl nationaler Rechtsvorschriften konfrontiert. „Es gibt Online-Kampagnen, die unter Umständen Rechte in einem andern Land verletzen können“, erläuterte Mai. „Das haben Unternehmen in der Regel nicht im Griff.“

In den USA, die traditionell eine Vorreiterrolle einnehmen, betrage das jährliche Prämienvolumen dieses Versicherungszweigs bereits 1,3 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro), berichtete Mai. Außerhalb der USA werde der Markt jährlich zweistellig wachsen. „Wir sehen den Gesamtmarkt in Europa im Jahr 2018 zwischen 700 und 900 Millionen Euro.“ Das gegenwärtige Volumen in Kontinentaleuropa ohne Großbritannien schätze er auf rund 150 Millionen Euro ein. Davon habe Deutschland einen Anteil von 50 bis 70 Millionen Euro. Die Allianz wolle mit dem Markt wachsen und auch künftig ein Fünftel des Kuchens für sich beanspruchen.

Punkten will die Allianz dabei mit neuen Komplettangeboten. Dabei würden bereits teilweise bestehende Versicherungsprodukte zusammengefasst. Als Kunden im Blick hat Mai unter anderem Telekommunikationsanbieter, Softwarehäuser und Online-Händler, aber auch Betreiber von Fernüberwachungssystemen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Als besonders heikle Kundengruppe gilt die Finanzbranche selbst, weil Banken und Versicherer stark von IT-Systemen abhängig sind und dort hohe Schäden entstehen können. „Wir schließen kein Segment komplett aus“, sagte Mai. „Aber wir gucken uns Banken genau an.“ Die Prämienspanne liege in Größenordungen von 50.000 bis 90.000 Euro jährlich, die Deckungszusagen zwischen zehn und 50 Millionen Euro.

Im Wettbewerb mit US-Anbietern verspricht sich die Allianz in Europa einen Heimvorteil. „Wir sehen im Moment sehr viele amerikanische Deckungen in den Markt kommen, die aber nicht an den europäischen Rechtskreis angepasst sind“, sagte Mai. Selbst will sich die Allianz mit Cyber-Versicherungen aus dem umkämpften und wegen der Haftungsregeln riskanten US-Markt heraushalten. Sie nimmt Kunden in Europa sowie Asien und der Pazifikregion ins Visier.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Klasse, noch ein Gebiet wo Versicherungen abkassieren und im Schadensfall nicht zahlen (wollen).

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