Datenhandel
Debeka windet sich in Widersprüchen

Vorwürfe des illegalen Datenhandels belasten die Debeka. Das Unternehmen versucht, das Problem kleinzureden. Dabei rief der Vorstand auch für Beamte Geldprämien aus, wenn sie Geschäfte anbahnten.
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KoblenzNach den massiven Vorwürfen des illegalen Datenhandels geht die Debeka Versicherung in die Offensive. Es könne keine Rede davon sein, dass die Debeka in den vergangenen Jahren mehr als 10.000 Beamte mit über 100 Millionen Euro bestochen habe, teilte das Unternehmen am Freitag in Koblenz mit. Vielmehr richteten sich Bestechungsvorwürfe gegen einzelne Mitarbeiter.

Das Netz von Tippgebern, die der Versicherung Interessenten für neue Policen nennen, sei indes rechtmäßig. Nach dem jetzigen Kenntnisstand stehe die Vertriebspraxis der Debeka im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften. Dies ergebe sich aus dem Bundesbeamtengesetz.

Die Debeka beruft sich darauf, dass sie eine offiziell anerkannte Selbsthilfeeinrichtung des öffentlichen Dienstes ist. Paragraf 100 des Bundesbeamtengesetzes wiederum besagt, dass „Tätigkeiten zur Wahrung von Berufsinteressen in Gewerkschaften oder Berufsverbänden oder in Selbsthilfeeinrichtungen der Beamtinnen und Beamten“ nicht genehmigungspflichtig sind.

Auch die Beamtengesetze der Länder stimmten überwiegend mit der bundesrechtlichen Regelung überein, teilte die Debeka mit. In den Bundesländern, in denen eine Genehmigungspflicht für solch eine Tätigkeit bestehe, gehe das Unternehmen davon aus, dass dieser Pflicht nachgekommen worden sei. Nichtsdestotrotz lässt die Debeka das Vorgehen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG überprüfen. Damit werde gezeigt, dass die Debeka transparent arbeite, sagte ein Unternehmenssprecher.

Aufgekommen waren die Vorwürfe gegen die traditionsreiche Versicherung Ende Oktober. Mittlerweile hat die Koblenzer Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren aufgenommen. Es richtet sich gegen unbekannte Mitarbeiter des Unternehmens wegen des Verdachts der Bestechung und der Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses. Zudem wird gegen unbekannte Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung ermittelt - wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Verletzung des Dienstgeheimnisses. Darüber hinaus beschäftigen sich die Finanzaufsicht Bafin und der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz mit dem Fall.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Datenhandel: Debeka windet sich in Widersprüchen"

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  • Wird der Vorstand der Debeka jetzt gefeuert ?

  • "Hier sollen also Schmiergeldempfänger andere Schmiergeldempfänger mit staatlichen Instrumenten verfolgen....????

    Bleib mir doch weg! Hier soll der Bock zum Gärtner gemacht werden! Beamte sind immer noch potentielle Vorteilsnehmer!"

    Uiuiui! Hier scheint aber jemand Beamte nicht zu mögen. Muss man ja auch nicht. Man kann sicherlich Ineffizienzen beim öffentlichen Dienst beklagen und ganz bestimmt gibt es bei dieser Berufsgruppe schwarze Schafe wie in anderen Berufsgruppen auch. Aber - und das sollte hier auch einmal gesagt werden - scheint der öffentliche Dienst in Deutschland deutlich besser aufgestellt zu sein als - sagen wir mal - der in Griechenland. Unser Land funktioniert - auch Dank der Beamtenschaft - wenigstens einigermaßen ordentlich. Dass es immer noch besser gehen könnte, ist doch selbstverständlich. Ich bin übrigens kein Beamter, versuche aber, eine einigermaßen neutrale Position einzunehmen und nicht unreflektiert dumme Parolen in die Welt zu posaunen.

  • "Nun, dann sollten Sie Ihre wertvollen konkreten Informationen den ermittelnden Behörden (BAFin, Staatsanwaltschaft, Landesdatenschutzbeauftragte) zur Verfügung stellen."

    Dann bekommt dort wahrscheinlich ein Staatsdiener Informationen über Schmiergeldzahlungen anderer und ist möglicherweise noch neidisch, dass er beim letzten Adressenverkauf weniger Schmiergeld erhalten hat!??

    Hier sollen also Schmiergeldempfänger andere Schmiergeldempfänger mit staatlichen Instrumenten verfolgen....????

    Bleib mir doch weg! Hier soll der Bock zum Gärtner gemacht werden! Beamte sind immer noch potentielle Vorteilsnehmer!

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