DB NYSE Group
Die Frage nach den Machtverhältnissen

Langfristige Ziele und Postenverteilung sind bei der Fusion zwischen Deutscher Börse und Nyse Euronext längst ausgehandelt. Eine ganz große Frage ist aber noch unbeantwortet: Wer wird bei der größten Börse der Welt künftig das Sagen haben - Amerikaner oder Deutsche?
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Frankfurt/New YorkDie Fusion zwischen Deutscher Börse und Nyse Euronext steht kurz bevor. Die etwa 100 Seiten starke Vereinbarung, das sogenannte "Business Combination Agreement", sei weitgehend fertig, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die großen Themen, langfristige Ziele oder Postenverteilung, seien längst ausgehandelt. Letztlich gehe es nur noch um Kleinigkeiten.

Die große Frage, die sich derzeit viele stellen, ist aber eine ganz andere: Wer wird künftig das Sagen haben bei der größten Börse der Welt - Amerikaner oder Deutsche? Oder ist es tatsächlich, wie von beiden Seiten beschworen, eine "Fusion unter Gleichen"? Es gibt verschiedene Antworten darauf.

Eine davon ist formeller Natur: Die Aktienmehrheit liegt in Frankfurt; 60 Prozent sollen die Anteilseigner der Deutschen Börse halten, den Rest die Amerikaner. Auch bei den Vorstandsposten kommen die Deutschen gut weg. Vier hochkarätige Positionen bekommen sie. Besonders wichtig davon ist der Geschäftsbereich Terminbörsen, den künftig Andreas Preuß verantworten soll. Frankfurt hätte beim neuen Handelsriesen das Sagen, heißt es nicht zuletzt deshalb im Umfeld der Deutschen Börse.

An der Wall Street hört sich das jedoch ganz anders an. Vertreter der Nyse Euronext werben in der Öffentlichkeit, bei Politikern und Aufsehern mit dem dezenten Hinweis, dass die Amerikaner auf dem Fahrersitz säßen. Ihr stärkstes Argument: Nyse-Chef Duncan Niederauer soll auch Vorstandsvorsitzender des neuen Konzerns werden. Zunächst hatten die PR-Manager damit Erfolg. "Willkommen Deutsche Börse" titelten die Wirtschaftsmedien. Und im Gefühl, der heimliche Sieger zu sein, witzelten Händler auf dem New Yorker Parkett, solange sie keine Lederhosen anziehen müssten, sei alles bestens. Zuletzt machten sich allerdings die Kritiker bemerkbar, darunter Charles Schumer, New Yorker Senator und führendes Mitglied im Bankenausschuss. Er sei verwundert, dass man ihm zweimal gesagt habe, New York werde die Macht in dem neuen Konzern haben, obwohl die Deutsche Börse in dem favorisierten Konzernnamen "DB Nyse Group" ganz vorne stehe. "Wenn die Deutsche Börse ihre Initialen vorn sehen will, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass sie Geschäftsentscheidungen auch gegen New Yorker Interessen durchsetzen würde", sagte er. "Der Name der neuen Firma wird ein entscheidender Faktor dafür sein, ob es Zustimmung für diese Fusion gibt, sowohl bei der regulatorischen Entscheidung als auch in den Augen der Öffentlichkeit", fügte er hinzu. Mittlerweile haben beide Seiten dementiert, dass der Name für die Superbörse schon feststünde.

Auch in Frankfurt herrscht Nervosität. "Die verkaufen uns das als Übernahme New Yorks durch die Deutsche Börse. Im Grunde aber droht der Ausverkauf Frankfurts", sagt ein ehemaliger Börsenmanager. Und auch die Politiker sind vorsichtig: Fusionen und Größe seien kein Wert an sich, sagte Dieter Posch, der hessische Wirtschaftsminister, dem Handelsblatt.

Vor allem bei den Mitarbeitern der Deutschen Börse ist die Anspannung groß. Nach all den Kürzungsrunden und Stellenverlagerungen der vergangenen Jahre sei dies der nächste Tiefschlag für die Mitarbeiter in Frankfurt, sagte Johannes Witt, Betriebsrat und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Börse. Der Gewerkschafter fürchtet, dass Frankfurt bei der Fusion an Bedeutung verlieren werde und weitere Arbeitsplätze wegfallen könnten. Insgesamt wollen die beiden Börsenkonzerne mit dem Zusammenschluss rund 300 Millionen Euro an Kosten einsparen. Ohne Kürzungen beim Personal wird das kaum funktionieren, schätzen Experten.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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