Debeka
Enger Draht zur Polizeigewerkschaft

Versicherungen und Gewerkschaften kooperieren gerne. Denn das ermöglicht günstige Verträge. Doch das Verhältnis zwischen Debeka und Deutscher Polizeigewerkschaft ist auffällig eng.
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DüsseldorfDie Debeka-Versicherung nutzt auch Gewerkschaftskontakte, um Policen zu vertreiben. „Wir haben eine Kooperation mit der Debeka“, sagt Joachim Lautensack, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Baden-Württemberg, dem Handelsblatt.

Bundesvorsitzender Rainer Wendt selbst wirbt bei den Mitgliedern für die Debeka. Sie sollten sich „in allen Versicherungs-, Versorgungs- und Finanzierungsfragen an die Debeka wenden“, heißt es in einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

Dass Gewerkschaften, die Beamte organisieren, mit Versicherungen kooperieren, ist nicht ungewöhnlich. Durch Gruppenverträge erhalten Gewerkschaftsmitglieder so bessere Konditionen. Recherchen des Handelsblatts haben allerdings ergeben: Das Verhältnis zwischen Debeka und Deutscher Polizeigewerkschaft ist vor allem in Baden-Württemberg auffällig eng. So ist ein Gewerkschaftsfunktionär aus der Nähe von Stuttgart zugleich als nebenberuflicher Versicherungsvermittler für die Debeka tätig.

Ein Insider äußert im Gespräch mit dem Handelsblatt sogar den Verdacht, dass Ausbilder oder Vorgesetzte in den Polizeischulen jungen Auszubildenden schon in den ersten Tagen der Ausbildung Debeka-Produkte empfehlen. Die Gewerkschaft bestreitet dies.

Auch fließe kein Geld an Gewerkschafter für Dienste zugunsten der Debeka. Gewerkschaftsvorsitzender Wendt sagt, ihm sei das „nicht bekannt, und ich kann es mir auch nicht vorstellen“. Es wäre auch ein schweres Dienstvergehen. Die Angebote seien als Service für die Mitglieder gedacht, „und nicht, damit ein Funktionär eine Prämie kriegt“.

Kommentare zu " Debeka: Enger Draht zur Polizeigewerkschaft"

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  • Ich stimme Ihnen zu.

    Es ist an der Zeit, dass sich die Staatsanwaltschaft zu Wort meldet und klar Auskunft gibt, ob in den Reihen der Beamten tatsächlich Kundengeschäft unter Nutzung interner Kenntnisse z.G. von Versicherungen angebahnt bzw. getätigt wurde.

    Wenn dem so ist - und das haben wir in der Tat seitens des Handelsblattes, aber auch in den Kommentaren zu oft bestätigend gelesen-, dann sollte der Staat die nötigen Konsequenzen ziehen.

    Wenn sich die Korruption in seinen Reihen tatsächlich derart ausgebreitet hat, dann muss er ein Zeichen setzen.

    Wenn der Staat genug Geld hat, Hehlerware über seine Beamten anzuschaffen (Steuer-CDs), um Recht durchzusetzen und Bürger zur Rechenschaft zu ziehen, dann muss er dies auch ohne Ansehen der Person generell durchziehen. Die Zweiklassenjustiz muss ein Ende finden. Sie passt nicht zu dem Begriff Rechtssicherheit oder Rechtsstaatlichkeit.

    Erfahrungsgemäß ist die Zahl der Einzeltäter sehr gering. Die Zahl der Wiederholungstäter dagegen sehr hoch. Wer einmal korrupt ist, der hat die Hemmschwelle schon überwunden.

    Wo ist also das Problem?

    Die Aktion braucht ein klares Ende oder man braucht korrupte Beamte noch für andere Zwecke (wie z.B. den Ankauf von weiterer Hehlerware)! Nur abhängige Beamte sind bereit gegen ihren Amtseid zu verstoßen, gehorchen über das Gesetz hinaus!

  • Es wird wirklich Zeit, dass sich das Unternehmen gegen diese Art von Journalismus wehrt. Das Ganze ist ja mittlerweile zu einer Farce geworden. Man kann die Artikel ja schon nicht mehr zählen .
    Hier verlieren Aussagen und Informationen den faktischen Bezug zur Wirklichkeit und recherchierte Geschehen werden weder genau noch umfassend in Erfahrung gebracht. Im Gegenteil, sie werden in einen falschen Sinnzusammenhang gestellt, um bei der Veröffentlichung als möglichst skandalös empfunden zu werden! Auch trägt das ständige Wiederholen im Konjunktiv und das Aufzählen von "recherchierten" Einzelfällen nicht zur Seriosität bei.
    Eins muss jedem Leser klar sein, hier geht es dem Handelsblatt niemals um Aufklärung. Hier von investigativen Journalismus zu sprechen ist eine Lachnummer. Die Seifenoper die hier erzählt wird, ist anz weit weg vom investigativen Journalismus, dieser ist nämlich einzig und allein nur der Wahrheit verpflichtet!

  • Die Korruption ist in Deutschland weiter fortgeschritten als man glauben mag.

    Daß die Korruption in den Reihen der Staatsdiener derart ist, wirft die Frage auf, was noch alles so unter der decke gehalten wird und ob die Behörden sich gegenseitig gegen den Bürger stützen.

    Gehen wir einmal davon aus, dass Polizei und Staatsanwaltschaften selbst betroffen sind, wer soll dann noch glaubhaft ermitteln?

    Vielleicht ist eine solche Frage unsinnig, weil das Ergebnis schon vorher feststeht.

    Dann sind wir wirklich alle Bürger der Republik of Banana! Welchen Anspruch haben wir dann noch, wenn sich der Staat schon aufgelöst hat?

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