Debeka-Skandal
Musterknabe erschüttert Versicherungsbranche

Versicherungsvertreter der Debeka waren jahrzehntelang schneller als andere. Sie hatten wertvolle Beamtenadressen gekauft. Das ist nicht erlaubt. Was der zweifelhafte Adressenhandel bedeutet und was sich ändern könnte.
  • 27

DüsseldorfWer hätte das gedacht? So reagieren viele in der Versicherungsbranche auf den jüngsten Skandal. In deren Zentrum steht ausgerechnet der Musterknabe aus Koblenz, die Debeka. Unlauteren Wettbewerb – und das über Jahrzehnte – hätten wohl die wenigsten dem bieder wirkenden Versicherungskonzern zugetraut. Darauf läuft jedoch der rechtswidrige Adressenhandel im Vertrieb hinaus.

Was ist passiert? Mitarbeiter der traditionsreichen Versicherung haben über viele Jahre hinweg von Behörden Adressen von Beamtenanwärtern erworben, um den angehenden Staatsdienern Versicherungen zu verkaufen. Dies deckte das Handelsblatt auf. Die Berichterstattung wurde vom Konzern im Grundsatz bestätigt.

Debeka-Sprecher Gerd Benner sagte dazu, die Debeka habe ein „solches Fehlverhalten zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen“. Zwar hätten Vertriebsmitarbeiter der Debeka Adressen von Beamtenanwärtern gekauft. Doch dieses Fehlverhalten beziehe sich auf „einige Fälle in den 1980er- und 1990er-Jahren“.

Die Bestechung von Behördenmitarbeitern durch Vertreter der Debeka-Versicherung zog sich jedoch nach einem weiteren Bericht des Handelsblatts bis in die jüngere Vergangenheit. Noch am 27. Juli 2010 befasste sich das Amtsgericht Tübingen mit der Art und Weise, wie Debeka-Mitarbeiter ihre Vertragsanbahnung betrieben.

Die Reaktionen in der Versicherungswirtschaft auf diesen Skandal sind bisher rar, meist verhalten und oft gepaart mit ungläubigem Erstaunen. So schrieb etwa der Branchenbrief „Bocquel-News“: „Nun soll auch dem Musterknaben und Marktführer unter den privaten Krankenversicherern ein Skandal angelastet werden.“ Der Verbandspräsident der Versicherer, Alexander Erdland, fordert nun im Handelsblatt-Interview mehr Selbstkontrolle.

Deutlicher wurde da schon die Zeitschrift „Versicherungswirtschaft“. „Keine Frage indes, dass der Vorgang einen Rückschlag für die Reputation der Branche insgesamt bedeutet“, heißt es im Tagesreport „Versicherungswirtschaft heute“. Ausgerechnet die Debeka, die in schier beamtenhaft-spröder Tugend auf aufwendige mediale Glanzwerbung verzichte, gerate nun ins Kreuzfeuer. Am deutlichsten werden jedoch die Versicherungsmakler.

 

Kommentare zu " Debeka-Skandal: Musterknabe erschüttert Versicherungsbranche"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, das stimmt. Durch Betrug bzw. durch Verschleierung ist die Debeka mittlerweile der größte Krankenversicherer. Als es seinerzeit darum ging, diesen Platz 1 zu erwerben, mussten alle Außendienstler losziehen und sogenannte Anwartschaften verkaufen, die dann in der Anzahl der 2,2 Mio. mitgerechnet wurden. Das heißt z. B. für neugeborene Kinder wurden Anwartschaften verkauft, obwohl die Kinder wahrscheinlich aufgrund der Kosten ein Leben lang beim gesetzlich versicherten Elternteil familienversichert bleiben.

  • Liebe Leserinnen und Leser,

    Ihre Argumente sind gefragt. Sie haben einen Hinweis? Sie haben eine Meinung - möglicherweise sogar eine andere? In dieser Kommentarspalte bietet Ihnen Handelsblatt-Online die Möglichkeit, sich zu äußern. Andere Leser interessieren sich für Ihre Anmerkungen, vor allem dann, wenn Sie einen eigenen Blickwinkel mitbringen. Handelsblatt Online ist dafür die Plattform. Unser Anliegen ist es, dass es dabei inhaltlich, aber nicht persönlich, und meinungsfreudig, aber nicht bis ins Extreme, zur Sache geht. Dafür stehen unsere Moderatoren zur Verfügung, die spätestens dann eingreifen, wenn es unsachlich wird. Unser Moderatorenteam ist wochentags von 7.30 bis 21 Uhr dabei, in dieser Zeit können sie kommentieren. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag.

    Sehr geehrter Herr Stock,
    haben Sie und Ihr sogenanntes Moderatorenteam sich mal die Mühe gemacht, die z.T. sehr niveaulosen Kommentare vor der Veröffentlichung zu lesen? ""Nicht persönlich werden", "nicht ins Extreme gehen"! Diese "Spielregeln" werden in in diesem Forum nicht befolgt und trotzdem veröffentlicht. Die zum Teil absurden und inhaltslosen, fast inquisatorischen Beiträge zu veröffentlichen, stellt Ihr "Handels"-Blatt auf das Niveau einer Bildzeitung. Gut gemacht! Vor siebzig Jahren hätten Sie in diesem Land eine große Karriere machen können!

  • Der "Skandal" ist offensichtlich hausgemacht Debeka. Hier hatten weder die IHK noch die Gewerbeämte eine Chance zur Kontrolle, da die Vermittler der Debeka keine Gewerbetreibenden sind. Kontrolliert wird die Debeka aber vom Bafin. Also, wenn ein Kontrole versagt hat, dann höchstens die BaFin. Wieso man hier schlußfolgert,dass freie Vermittler nun auch noch vom Bafin kontrolliert werden sollen ist mir schleierhaft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%