Deka und LBBW

Die Bilanz-Entrümpelung der Landesbanken

Für die Landesbank Baden-Württemberg und die Debabank sind die Probleme mit Briefkastenfirmen in Panama nach eigenen Angaben schon längst gelöst. Der LBBW steht allerdings noch ein massiver Stellenabbau bevor.
Landesbank-Baden Württemberg: Die Altlasten aus der Finanzkrise sind abgebaut, die Bilanz ist stark geschrumpft. Quelle: dpa
Landesbank Baden-Württemberg

Landesbank-Baden Württemberg: Die Altlasten aus der Finanzkrise sind abgebaut, die Bilanz ist stark geschrumpft.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Stuttgart Kaum ein Kreditinstitut, das derzeit nicht nach möglicherweise illegalen Geschäften mit Briefkastenfirmen gefragt wird. Immerhin haben nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ mindestens 28 deutsche Banken die Dienste der Kanzlei Mosack Fonseca aus Panama genutzt und dabei mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder verwaltet. Auch Landesbanken werden genannt.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) nahm schon 2009 eigene Ermittlungen auf und beauftragte eine Kanzlei mit der Prüfung, wie Bankchef Hans-Hörg Vetter am Dienstag sagte. Die Prüfung habe keine Anhaltspunkte dafür geliefert, dass die LBBW in derartige Offshore-Geschäfte involviert sei oder gewesen sei, so Vetter. Mit einer Ausnahme: Bei der Rheinland-Pfalz International (LRI), einer Luxemburger Tochter der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), gab es Hinweise. Die LRP gehört zur LBBW.

Die deutschen Finanzflüchtlinge
Offshore-Konten enthüllt
1 von 10

E-Mails, Briefe, Urkunden: Mit mehr als 11,5 Millionen geleakten Dokumenten zeigen die Panama Papers ein weit verzweigtes und undurchsichtiges Netz aus Schwarzgeldkonten, Briefkastenfirmen und Steuerschlupflöchern. Ein Rechercheverbund von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR wertete die Daten gemeinsam mit rund 400 Journalisten weltweit aus und veröffentlichte die Namen von Prominenten, die die panamaische Anwaltskanzlei Mossack Fonseca mit Offshore-Geschäften beauftragt hatten. Auch die Namen Tausender Deutsche sollen sich in dem Datensatz finden. Eine Auswahl.

Florian Homm (Hedgefonds-Manager)
2 von 10

Als Fondsmanager verwaltete Florian Homm Milliardenvermögen. Zum Teil nutzte der Großneffe des Versandkaufmanns Josef Neckermann dafür Gesellschaften, die ihren Hauptsitz in Steueroasen haben oder hatten – so etwa der von ihm um die Jahrtausendwende gegründete Absolute Capital Management Holding auf den Britischen Kaimaninseln. Just dieser Fonds brachte Homm auch die Aufmerksamkeit verschiedener Ermittlungsbehörden ein, vor denen der umstrittene Investor zwischen 2007 und 2013 floh. Laut „Süddeutscher Zeitung“ taucht sein Name auch in den Panama Papers auf.

Helmut Kiener (Finanzbetrüger)
3 von 10

Mehr als 400 Millionen US-Dollar ergaunerte Helmut Kiener mittels eines sogenannten Ponzi-Schemas: Er akquirierte Investorengelder für seine Hedgefonds K1 und X1, ohne sie anzulegen, und zahlte mit dem Geld neuer Investoren seine Altanleger aus. Im Juli 2011 wurde Kiener zu einer Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren verurteilt. Dass der Finanzbetrüger Firmen mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln und den Kleinen Antillen betrieb, war bereits bekannt. Nun tauchte Kieners Name auch im Zusammenhang mit den Panama Papers auf.

Gerhard Gribkowsky (Ex-BayernLB-Vorstand)
4 von 10

Ebenfalls verurteilt wurde Gerhard Gribkowsky: Seit Dezember 2010 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Vorstand der BayernLB wegen des Verdachts der Bestechung sowie der Steuerhinterziehung. 2012 wurde er zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt, es ging um rund 50 Millionen Euro. In Panama soll eine Firma ihren Sitz haben, über die Formel-1-Chef Bernie Ecclestone Bestechungsgelder an Gribkowsky bezahlt habe, berichtet die SZ.

Helmut Linssen (Ex-Politiker)
5 von 10

Schon 2014 wurden Vorwürfe gegen Helmut Linssen laut. Demnach soll der ehemalige NRW-Finanzminister und damalige Bundesschatzmeister der CDU schon 1997 eine Offshore-Briefkastenfirma auf den Bahamas gegründet haben, um Steuern zu hinterziehen. Drei Jahre später verlagerte er seine Aktivitäten nach Panama – das könnte erklären, weshalb sein Name ebenfalls in den Panama Papers verzeichnet ist. Heute arbeitet Linssen als Finanzvorstand der RAG-Stiftung, die die Ewigkeitskosten des Bergbaus finanzieren soll.

Nico Rosberg (Rennfahrer)
6 von 10

Der Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg ist offenbar ebenfalls in Offshore-Geschäfte verstrickt. Wie der NDR berichtet, ist Rosberg bei seinem Rennstall Mercedes-Benz über eine Zwischenfirma auf den Britischen Kaimaninseln angestellt. Die wiederum gehöre zwei anderen Unternehmen mit Sitz auf der Insel Jersey im Ärmelkanal, so die SZ, welche schließlich von der Panamaer Mossack Fonseca verwaltet würden. Fragen zu der abenteuerlichen Konstruktion beantwortete der Formel-1-Pilot bisher nicht.

Werner Mauss (Privatagent)
7 von 10

Er ist wohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Bundesrepublik: Als Privatermittler arbeitete Werner Mauss für deutsche Großkonzerne, die Polizei und mehrere Geheimdienste. Die Befreiung deutscher Geiseln aus den Händen der libanesischen Hisbollah-Miliz soll ebenso auf sein Konto gehen wie die Festnahme des RAF-Terroristen Rolf Pohle. Insofern dürfte es nicht unbedingt verwundern, dass Mauss unter dem Tarnnamen „Claus Möller“ verschiedene Offshore-Konten betreibt. Laut Angaben des NDR soll es sich dabei sogar um ein regelrechtes „Briefkasten-Imperium“ handeln.

Die LBBW habe ihre Erkenntnisse dem Kölner Staatsanwalt schon vor längerer Zeit übermittelt, sagte Vetter. „Meines Wissen wird in der Sache gegen zwei Personen ermittelt.“ Die LBBW hatte das Luxemburger Privatkundengeschäft der LRI im Jahr 2010 an die Dekabank verkauft, die ebenfalls zum öffentlich-rechtlichen Sektor gehört.

Bei der Dekabank wiederum trennte man sich von einigen der neuen Kunden. Man habe das Offshore-Geschäft so gemanagt, dass entsprechende Kunden „nicht mehr Kunden von uns sind“, sagte Deka-Chef Michael Rüdiger. Es gehe um eine kleine zweistellige Anzahl.

Für beide Häuser, die Dekabank und die LBBW, sind das Geschichten aus der Vergangenheit. Die Deka, der Fondsdienstleister der Sparkassen, ist gerade dabei, ihre Position in der Gruppe zu unterstreichen. Sie übernimmt den S Broker, den Onlinebroker der Sparkassen komplett. Die Deka wolle dessen Know-How im Onlinegeschäft nutzen, sagte Vertriebschef Georg Stocker. Man wolle aber nicht direkt an den Sparkassenkunden herantreten, betonte er. Der S Broker selbst hat 130.000 Kunden – im Vergleich zu den Sparkassen also sehr wenig.

Dekabank sammelt fast 20 Milliarden Euro ein
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%