Depot-Tochter geht nach Frankreich
Commerzbank holt mit Verkauf Geld herein

Die Commerzbank steht offenbar kurz vor dem Verkauf ihrer Depotbank an die BNP Paribas. Im Juli sollen die Verträge unterzeichnet werden. Mit dem Abbau ihrer Schiffsfinanzierungen lässt sich die Bank hingegen Zeit.
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FrankfurtDie Commerzbank steht Finanzkreisen zufolge kurz vor dem Verkauf ihrer Depotbank an die französische BNP Paribas. Zwei mit der Sache vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, die Gespräche seien im finalen Stadium. Die „Börsen-Zeitung“ hatte berichtet, die Verträge mit dem deutschen Marktführer könnten bis Mitte Juli unterzeichnet werden. BNP Paribas könnte mit der Übernahme den Abstand zur Konkurrenz deutlich vergrößern. Bisher liegt sie nach Daten des Branchenverbandes BVI mit einem verwalteten Fondsvermögen von fast 190 Milliarden Euro nur knapp vor der US-Depotbank State Street (177 Milliarden Euro). Mit den 92 Milliarden Euro der Commerzbank käme sie auf fast 280 Milliarden Euro.

Die Sparte könnte der Commerzbank nach früheren Angaben bis zu 200 Millionen Euro einbringen. Beide Institute lehnten eine Stellungnahme ab. Im Oktober war bekannt geworden, dass die Commerzbank einen Käufer für ihre Depotbank sucht und dafür die Investmentbanker der UBS mandatiert hat. Eigentlich sollte der Verkauf schon im ersten Quartal 2013 abgeschlossen sein. Nun zogen sich die Verhandlungen offenbar länger hin als gedacht.

Eine Depotbank verwahrt vor allem Sondervermögen wie Investmentfonds. Für die Commerzbank war das Geschäft bislang ein starkes Standbein, doch fährt das zweitgrößte deutsche Geldhaus einen radikalen Sanierungskurs, um wieder nachhaltig Gewinne zu schreiben. Dazu zählt auch der Abbau von rund 5200 Stellen und der Rückzug aus einigen Geschäftsbereichen. Wie viele Menschen in der Depotbank arbeiten, sagt die Commerzbank nicht. Die Bank legt ihren Fokus künftig auf Privatkunden und den Mittelstand.

Die Commerzbank will sich mit dem Abbau ihres mehr als 18 Milliarden Euro schweren Bestands an Schiffsfinanzierungen Zeit lassen. An der Strategie für den Abbau von Immobilien- und Schiffskrediten habe sich nichts geändert, sagte Bereichsvorstand Stefan Otto am Mittwoch. „Wir wollen die Portfolien wertschonend und über die Zeit abbauen: Es gibt keine Firesales. Das gilt auch für die Schiffsportfolios.“ Die Commerzbank reagierte damit auf Spekulationen an der Börse, sie habe Probleme, von dem unerwünschten Berg an Schiffskrediten herunterzukommen, und dass die fälligen Abschreibungen in dem Bereich ihre Eigenkapitaldecke angreifen würden. Rund ein Viertel der Kredite galten zuletzt als ausfallgefährdet. Die Spekulationen hatten die Commerzbank-Aktie gegen den Markttrend um bis zu vier Prozent gedrückt.

Um nicht zu einem schnellen Verkauf der Schiffe gezwungen zu sein, hatte die Commerzbank kürzlich eine Auffanggesellschaft mit dem Namen „Hanseatic Ship Asset Management“ ins Leben gerufen, die Schiffe über eine gewisse Zeit weiter in Betrieb halten kann, wenn deren Eigentümer nicht mehr zahlen können. „Mit der Gründung dieser Tochter haben wir ein weiteres Instrument geschaffen, das den Handlungsspielraum der Bank bei Restrukturierungen vergrößert“, erklärte Otto. Die Commerzbank kann dann mit einem Verkauf warten, bis sich die Lage auf dem Schiffsmarkt wieder bessert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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