Der neue Chef Bert Heemskerk will die holländische Bank zum Marktführer trimmen Rabo profiliert sich als Geschäftsbank

Genossenschaften haftet gemeinhin das Image des Bäuerlichen an. Sie könnten es nicht mit der schnelllebigen Wirtschaft aufnehmen. Die niederländische Rabobank zeigt, dass es auch anders geht.
  • Susanne Bergius

BRÜSSEL. In einer Umfrage der Beratungsagentur Vallstein und der Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“ unter 5 500 großen und mittleren Unternehmen wurde die Genossenschaftsbank zur besten Geschäftsbank in den Niederlanden gekürt, obwohl die größte Privatkundenbank der Niederlande auf dem Heimatmarkt kaum als Geschäftsbank gilt.

„Das Ergebnis zeigt, dass sich unsere Philosophie auszahlt, unsere Geschäftskunden nicht zentral von Utrecht aus zu bedienen“, sagt Vorstandsmitglied Hans ten Cate. Die genossenschaftliche Struktur mit 390 selbstständigen lokalen Banken sorgt dafür, dass die meisten Kunden mit Ansprechpartnern vor Ort zu tun haben, die sie oft über Jahre betreuen. Mit dieser dezentralen Struktur liegt die Rabo deutlich vor den Konkurrenten ABN Amro, Fortis und ING.

Die Rabo reifte so zum Marktführer im Retail-, Hypothekenbankgeschäft sowie im Geschäft mit kleineren und mittleren Unternehmen. Und während die anderen Großbanken die Anzahl ihrer Niederlassungen eindampfen, verstärkt die Utrechter Bank ihr Filialnetz noch. So sollen in den nächsten vier Jahren die Stellen verdoppelt werden, an denen die Kunden ihr Geld abheben können.

Selbst der rasant wachsenden ING Direct, der Direktbanktochter der ING Groep, macht die Rabo ernsthafte Konkurrenz: mit 1,3 Millionen Kunden ist die Bank die größte Internetbank auf dem niederländischen Markt und die drittgrößte in Europa.

Die Rabobank profiliert sich vor allem im nachhaltigen Wirtschaften. „Die Symbiose aus Ökonomie, Ökologie und Soziales ist unser Kerngeschäft“, formuliert Vorstandschef Bert Heemskerk. Damit sei Geld zu verdienen und es entstünden neue, interessante Produkte. Mit Öko-Projekten finanziert die Bank inzwischen ein Volumen von 1,5 Mrd. Euro, 25 % mehr als im vergangenen Jahr. Damit beherrscht sie die Hälfte des Marktes.

Zweites Standbein des Instituts ist das internationale Geschäft. Mit einem Marktanteil von 80% hat sich die Rabo zum weltweit führenden Financier der internationalen Agro- und Lebensmittelindustrie gemausert. Bei der Expansion setzt sie anders als Wettbewerber nicht auf großvolumige Käufe, sondern konsequent auf kleinere Übernahmen und Allianzen, wie im vergangenen Jahr, als sie 28% an der renommierten Schweizer Sarasin-Bank erwarb.

Auch deshalb ist die Rabobank mit einer Kernkapitalquote von 10,3% konservativ finanziert. Die Rabo ist die einzige Geschäftsbank weltweit mit dem höchsten Kreditrating (Triple „A“). Auch die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die Bank erzielte im vergangenen Jahr mit einem Gewinnanstieg von 4% das beste Resultat aller Benelux-Institute. „Wir haben die These Lügen gestraft, dass ein nicht-börsennotiertes Unternehmen nicht wachsen könne“, sagt Heemskerk. Er wagt sogar die Prognose, dass der Gewinn dank Kostensenkungen auch dieses Jahr steigen werde.

Für die Zukunft hat Heemskerk – erst seit Dezember vergangenen Jahres im Amt – ambitionierte Ziele. Er will die Rabo in den Niederlanden zur Nummer Eins machen. Insbesondere der ABN Amro, die das Großkundengeschäft dominiert sagt er den Kampf an.

Überdies will Heemskerk das Institut zum ein vollwertigen Allfinanzkonzern ausbauen. Rabo's Versicherungsgesellschaft Interpolis hat nur einen Marktanteil von 6%. „Das müssen 25% werden“, fordert Heemskerk. Binnen fünf Jahren soll sie aus eigener Kraft zum größten Versicherer der Niederlande aufsteigen, obwohl sie bisher nicht mal zu den drei größten gehört.

Analysten zweifeln, ob das gelingt. „Das ist zu ehrgeizig. Ich glaube nicht, dass es ohne Zukäufe geht“, meint Fortis-Analyst Andreas de Groot und verweist auf die Marktanteile von ING (25%), Aegon und Fortis (je 15%).

Dennoch traut die Branche dem dynamischen, manchmal brüsken Banker Heemskerk zu, einen starken Partner finden zu können. Als potenzielle Partner werden die Allianz Nederland, Axa Nederland und SNS Reaal genannt. In den vergangenen Jahren waren Fusionsgespräche mit der deutschen DG Bank, dem Versicherer Achmea und der belgischen Allfinanzgruppe KBC kläglich gescheitert.

Ein Problem könnte Heemskerk allerdings zu schaffen machen. Sein Vorgänger Smits stolperte über die eigenwilligen Genossenschaften, die im Aufsichtsrat der Rabo vertreten sind. Dabei ging es nicht um die Strategie, sondern „nur“ um deren Umsetzung. Hier muss sich Heemskerk beweisen. Der sonnenbank-gebräunte Macher im Nadelstreif hat zwar in elf Jahren die Bilanzsumme der Jahrhunderte alten Privatbank Van Lanschot Bankiers verdoppelt. Auch seine 20-jährige Erfahrung in führenden nationalen und internationalen Posten bei der ABN Amro dürften ihm helfen. Trotzdem muss sich erst zeigen, ob die multinationale Rabo mit ihren 60 000 Beschäftigten und ihren selbstbewussten Genossenschaften nicht eine Nummer zu groß für ihn ist.

Quelle: Handelsblatt

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