Deutsch- Bank-Aufsichtsrat
Ackermann muss noch Hürden nehmen

Der sich abzeichnende Wechsel von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an die Spitze des Aufsichtsrates ist nicht unumstritten. Ein Politiker aus der Union nennt den Plan „problematisch“.
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Hamburg Josef Ackermann bleibt der Deutschen Bank voraussichtlich erhalten. Der Vorstandsvorsitzende soll nach dem Willen zahlreicher Aufsichtsräte auf der Hauptversammlung 2012 in das Kontrollgremium wechseln. Ein solcher Schritt zeichne sich im Vorfeld der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag ab, sagten mehrere mit den Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Nach der Hauptversammlung im nächsten Frühjahr dürfte der Schweizer dann zum Chef des Kontrollgremiums gewählt werden. Unmittelbare Wechsel vom operativ tätigen Vorstand ins Aufsichtsgremium sind nach den Prinzipien der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) nicht unumstritten, das deutsche Aktienrecht erlaubt sie nur in Ausnahmefällen und unter bestimmten Voraussetzungen.

Laut Gesetz dürfen bei Banken und Versicherungen maximal zwei ehemalige Vorstände im Aufsichtsrat sein. Für den Wechsel gilt eine zweijährige Karenzzeit. Diese Regel kann durchbrochen werden, wenn der Kandidat von Aktionären, die mehr als 25 Prozent der Stimmrechte halten, vorgeschlagen wird. Bei der Deutschen Bank gibt es zwar keinen einzelnen großen Anteilseigner, aber dennoch halten Aktionärsvertreter die Schwelle für erreichbar. „Die Unterstützung ist Ackermann sicher“, betont Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Allein die Investmentbanker aus dem eigenen Haus hielten rund 20 Prozent. Daneben gebe es zahlreiche Investoren, die Ackermann weiter an die Bank binden wollten, da er international hoch geschätzt sei und die Bank massiv nach vorne gebracht habe.

Als Vorbild könnte ThyssenKrupp dienen. Bei dem Stahlkonzern wechselte zu Jahresbeginn der langjährige Chef Ekkehard Schulz in den Aufsichtsrat - dank Unterstützung der Krupp-Stiftung, die gut 25 Prozent hält.

In dem nicht verbindlichen Deutschen Corporate Governance Kodex ist ausdrücklich die Rede davon, dass ein solcher Wechsel die Ausnahme bleiben soll. Denn die Überwachsungsfunktion des Aufsichtsrats ist immer auch rückblickend. Der neue Chef-Kontrolleur würde sich also gewissermaßen selbst kontrollieren. „Das kann dazu führen, dass Missstände nicht aufgedeckt werden“, warnt Axel Wenzel, Gesellschaftsrechtler bei der Kanzlei Oppenhoff & Partner. Zudem werde die „unternehmerische Entfaltung“ des neuen Konzernchefs eingeschränkt. Positiv sei dagegen, dass dadurch der Abfluss von Know-how verhindert werde. „Ich sehe einen raschen Wechsel in den Aufsichtsrat insgesamt durchaus kritisch, erkenne aber die Notwendigkeiten, die es in einigen Fällen gibt“, sagt Wenzel.

Auch in der Regierungsfraktion scheiden sich die Geister, was die Personalie Ackermann angeht. „Ich würde es sehr ungern sehen, wenn mit Ackermann Know-how einfach in der Schweiz verschwindet“, sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs der Nachrichtenagentur Reuters. Gerade angesichts der Schuldenkrise in der Euro-Zone sei die Expertise des Schweizers wichtig - auch für die deutsche Politik. Sein CDU-Kollege Wolfgang Bosbach sieht den Wechsel dagegen kritisch. „Es kann immer auch der Eindruck entstehen, als wolle man in Wahrheit das Unternehmen weiterhin operativ führen oder seinen Nachfolger dominieren“, monierte er gegenüber der „Financial Times Deutschland“ laut Vorabbericht von Montag.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsch- Bank-Aufsichtsrat: Ackermann muss noch Hürden nehmen"

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  • Bravo, eigentlich wollte ich in diesem Sinn schreiben; das hat sich nun erledigt.

  • die gewissen deutschen politiker täten gut daran, erst einmal ihre eigenen hausaufgaben zu machen und leistung für ihre wahl zeigen, bevor sie im glashaus sitzend steine richtung jenes mannes werfen, dem sie eigentlich viel zu verdanken haben.
    personen die sich mit leistung auch nur annähernd so verdient gemacht haben,und in deutschland noch leben, kann man an einer hand aufzählen.
    leider gibt es immer noch zuviele möchtegerne politiker, welche sich durch gross-gekotztes auftreten in den medien, auf kosten anderer profilieren wollen, statt leistung zu bringen.
    genau auf solche leute kann man verzichten!

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