Deutsch-irischer Staatsfinanzierer
Depfa schreibt vorsteuerlich Verluste

Nur ein positiver Steuereffekt rettet Depfa in die schwarzen Zahlen. Doch für die Tochter der verstaatlichten HRE liegen wohl belastbare Angebote vor – der Steuerzahler wäre beim Verkauf alle Risiken los.
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Berlin/FrankfurtDer zum Verkauf stehende deutsch-irische Staatsfinanzierer Depfa hat sich nach Reuters-Informationen 2013 nur dank eines positiven Steuereffektes in den schwarzen Zahlen gehalten. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 36 Millionen Euro (2012: 59 Millionen), wie aus einer Reuters vorliegenden Präsentation der staatlichen Depfa-Mutter HRE für den Bundestag hervorgeht. Vor Steuern fiel dagegen ein Verlust von 20 Millionen Euro an. Dies ist maßgeblich auf eine schlechtere Bewertung von Finanzinstrumenten zurückzuführen.

Trotz des Verlusts empfiehlt die in der Krise vom Staat aufgefangene HRE, den Verkaufsprozess für die Tochter weiterzuführen. Es lägen belastbare Angebote für die Depfa vor, und Garantien für das zu übertragende Portfolio seien nicht nötig. Der jetzt erzielbare Kaufpreis sei vorteilhafter als eine Eigenabwicklung der Bank durch den Bund, die etwa 25 Jahre dauern würde. Der Steuerzahler würde sich aller Risiken entledigen.

Die HRE hofft nach früheren Angaben auf eine Verkaufsentscheidung bis zum Sommer. Derzeit verhandelt sie noch mit einem ausgewählten Bieterkreis. Insidern zufolge handelt es sich dabei ausschließlich um Finanzinvestoren, die die Depfa mit maximal 300 Millionen Euro bewerten. Für sie ist es besonders teuer, die Refinanzierung einer Bank zu stemmen, was ihrer Ansicht nach den Preis drückt.

Für die HRE wiederum könne ein Depfa-Verkauf Rückenwind für die ebenfalls anstehende Privatisierung der Pfandbriefbank pbb bringen. Die HRE wollte sich zu den Informationen am Mittwoch nicht äußern. Die Depfa will ihren Geschäftsbericht voraussichtlich am 10. April veröffentlichen. Wegen ihrer Rettung in der Finanzkrise muss die Hypo Real Estate (HRE) die Depfa auf Geheiß der EU-Kommission bis Ende 2014 verkaufen, die pbb bis Ende 2015. Gelingt dies nicht, droht die Abwicklung. Das wäre für die pbb, die gerade wieder an Fahrt aufnimmt, schlimmer als für die Depfa, die aktuell kein Neugeschäft macht und eine stillgelegte Plattform ist.

Nach Meinung von Experten könnte der Bund aber deutlich mehr Geld einstreichen, wenn er die Depfa behält und das Portfolio an Staatsfinanzierungen über die Zeit selbst ausläufen lässt oder abverkauft. „Wenn man es ökonomisch angeht, dürfte man nicht verkaufen, sondern müsste die Eigenabwicklung machen“, sagt etwa ein Investmentbanker, der auf Transaktionen in der Finanzbranche spezialisiert ist. „Die Frage ist nur: Was ist für den Bund wichtiger: Gewinnmaximierung oder Risikominimierung?“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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