Deutsche Bank
Ackermann warnt vor Grabenkämpfen

In der Diskussion um seine Nachfolge hat der Chef der Deutschen Bank die Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen verteidigt. Josef Ackermann findet allerdings auch warnende Worte.
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Passau/Zürich/FrankfurtEine Doppelspitze sei nötig geworden, da kein Kandidat alle benötigten Kriterien aufgewiesen habe. „Natürlich war das kein reibungsloser Übergang“, sagte Josef Ackermann am Montag in Passau. Wichtig sei eine klare Aufgabenteilung. Die Deutsche Bank dürfe nicht zurückfallen in die Grabenkämpfe der verschiedenen Geschäftsfelder. Investment-Banking sei nach wie vor sehr wichtig, befinde sich aber in einer schwierigen Phase. Er setze weiterhin auf den Erfolg der integrierten Universalbank, sagte Ackermann. „Es waren nicht die Universalbanken, die in große Schwierigkeiten kamen.“

Zum Verzicht auf die Kandidatur zum Aufsichtsratsvorsitzenden sagte Ackermann, er sei schon seit Jahren skeptisch, ob es gut sei, vom Unternehmensführer zum Kontrolleur zu werden. Er hätte weltweit mit sehr vielen Investoren sprechen müssen. „Im Moment ist so viel los auf der Welt, dass ich schlecht beraten gewesen wäre, wenn ich tagelang auf Reisen gewesen wäre.“

Ackermann betonte aber auch, er werde auf jeden Fall bis 31. Mai Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank bleiben. „Es bleibt dabei, absolut“, sagte Ackermann und wies damit Spekulationen zurück, er könnte seinen beiden designierten Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen schon früher Platz machen. Der Aufsichtsrat der Bank habe ihn eigens gebeten, „heute ganz klar zu sagen, dass ich bleibe bis 31. Mai“ sagte Ackermann.

Für einen Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrates hätte er unzählige Gespräche mit Investoren aus der ganzen Welt führen müssen, sagte Ackermann am Montagabend auf einer Veranstaltung in Passau. Das sei mitten in der Schuldenkrise der Euro-Zone zeitlich nicht zu stemmen gewesen. Es habe Investoren für und gegen ihn gegeben. Manche Unterstützer wollten sich aber nicht offen zu erkennen geben. „Es war so ein bisschen eine offene Situation.“ Statt Ackermann soll nun der Allianz -Kapitalmarktvorstand Paul Achleitner nächstes Jahr Aufsichtsratschef bei der Deutschen Bank werden.

Zwischen seiner Entscheidung, den Posten nicht zu übernehmen und den Durchsuchungen von Büroräumen durch die Staatsanwaltschaft gebe es zwar keinen direkten Zusammenhang, wohl aber einen indirekten. „Anschließend hätte ich es überhaupt nicht mehr gemacht.“ Ackermann kritisierte den Umgang der Staatsanwaltschaft mit seinen Mitarbeitern. Er hätte sich eine andere Tonalität und ein bisschen mehr Gefühl gewünscht.

Zu den Durchsuchungen war es gekommen, weil ihm die Staatsanwaltschaft Falschaussagen in dem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit der Bank mit dem inzwischen gestorbenen Medienunternehmer Leo Kirch vorwirft. Das raube ihm aber nicht den Schlaf, sagte der Banker. „Wir sind da sehr zuversichtlich, dass wir alle das gesagt haben, was der Wahrheit entspricht.“ Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow sprach mit Ackermann in den Räumen der Verlagsgruppe Passau („Passauer Neue Presse“). Die Diskussion war Teil der Reihe „Menschen in Europa“, in der namhafte Persönlichkeiten zu Wort kommen.

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Ackermann warnt vor Grabenkämpfen

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Die Zukunft ist absolut offen

Kommentare zu " Deutsche Bank: Ackermann warnt vor Grabenkämpfen"

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  • Dem kann ich fairerweise nur zustimmen. Es wird immer auf Ackermann rumgehackt, aber er und sein Risikovorstand haben die Deutsche Bank im Gegensatz zu fast allen anderen Grossbanken aus dem meisten Dreck rausgehalten. Bevor also alle mal wieder auf Ackermann eindreschen - da das ja gerade "in" ist, sollten sie sich vorher mal mit den anderen Bankvorständen beschäftigen.

  • Teil 2

    Aber gerade das kann man der Deutschen Bank unter Ackermann mit am wenigsten vorwerfen. Verglichen mit anderen Banken steht die Finanzierung / Liquidität auf ziemlich gesunde Beinen. Risiken wurden meist (Ausnahmen wie z.B. Kredite an Casinoentwickler bestätigen die Regel) rechtzeitig erkannt und auf verschiedenen Wegen neutralisiert - durch Absicherungsgeschäfte (und ja, hier hat vor 3 Jahren die Deutsche Bank auch indirekt von der Rettung von z.B. AIG profitiert) aber auch z.B. durch den Verkauf entsprechender Wertpapiere (rechtzeitig ohne oder ggf. auch mal zu spät mit Verlusten - das passiert bei einer wünschenswerten Risikenstreuung beim Kreditgeschäft und Geldanlagen aber eben auch). Was den Verkauf angeht: Niemand hat andere Banken oder institutionelle Anleger gezwungen, die von der Deutscen Bank am Markt angebotenen Wertpapiere aufzukaufen oder als Versicherer (CDS etc.) zur Verfügung zu stehen.
    Und bevor das Gejammer über die armen kleinen Privatanlegr losgeht, die angeblich in Massen über den Tisch gezogen wurden: Es gab ein paar Fehlberatungen, die gibt es immer. Aber grundsätzlich weiß ein (renditehungriger) Privatanleger, der in Derivate etc. investiert, dass er Risiken eingeht. Das mag er dann, wenn es um das Rechtfertigen von Verlusten geht und womöglich den Versuch, eine Bank vor Gericht heranzuziehen, nicht mehr zugeben. Aber das ist dann eben schlichtweg in den meisten Fällen (ggf. einträglich) gelogen. Entspricht aber der in Deutschland immer weiter verbreiteten Vollkaskomentalität. Bzw. "Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass".

  • @franktux + Hildebrand:
    Die Zukunft versaut (wenn man den Schwarzmalern überhaupt glaubt, die Welt/Europa/Deutschland hat schon andere Krisen überstanden) haben vor allem die Politiker, die, um gewählt zu werden, große Wohltaten versprochen und, wenn sie dann gewählt wurden, auf Pump finanziert haben. Und natürlich sind damit indirekt auch die Wähler dieser Politiker schuld (auch wenn die Altrnative dünn gesäht sind, Verschwendung fremder Gelder liegt vielen (nicht allen) Politikern im Blut). Das bezieht sich auch ausdrücklich auf Deutschland, denn auch unser Land ist hier mximal ein Einäugiger unter den Blinden.
    Den Banken und anderen Finanzdinstleistern insgesamt kann man in dem Zusammenhang sicherlich vorwerfen, sich nicht verweigert zu haben. Aber derselbe Vorwurf gilt dann auch dem Großmütterchen, das immer so schön Bundesschatzbriefe gekauft hat. Im Gegensatz zu den Banken und Versicherungen sind Privatanleger aber nicht einmal durch Gesetzgeber und Regulatoren gezwungen, große Teile des zur Verfügung stehenden Anlagekapitals in Staatsschulden zu investieren. Schauen Sie sich mal an, in welche Anlagformen z.B. eine Lebensversicherung die eingezahlten Gelder überhaupt investiren DARF.
    Nichtsdestotrotz gab es natürlich auch Banken, die schwere handwerkliche Fehler begangen haben, die für deren Schieflage teilweise verantwortlich snd (zu große Fristeninkongruenzen, mangelnde Risikokontrollen, etc.).

    weiter mit Teil 2

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