Deutsche Bank
Ackermanns Altlasten

Josef Ackermann steht den Aktionären zum letzten Mal Rede und Antwort. Die Ära des Schweizers ist zu Ende. Nicht alle Altlasten konnte er beseitigen, die Aktie braucht dringend neue Visionen, um profitabler zu werden.
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FrankfurtAnshu Jain, der künftige Ko-Chef der Deutschen Bank, lässt die Aktionäre schon wenige Tage vor der Hauptversammlung wissen, wohin das Institut in den nächsten Jahren steuert. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC nannte er drei Punkte, die in den fünf Jahren seiner Amtszeit Priorität haben: Sicherung der Position im Heimatmarkt, Ausbau des US-Geschäfts und Expansion in den Schwellenländern.

Es ist vor allem der letzte Punkt, der für das Dividendenpapier wie der Treibsatz wirken würde, den es dringend nötig hätte. Denn seit der letzten Hauptversammlung im Mai 2011 hat die Aktie mehr als 28 Prozent an Wert verloren. Die Ausschüttung von 75 Cent je Aktie, über die die Anteilseigner morgen abstimmen werden, ist da nur ein schwacher Trost.

"Wenn die Aktie wirklich nach oben ausbrechen soll, dann brauchen sie eine Wachstumsstory für die Emerging Markets", sagt ein Unternehmensberater, der im kontinuierlichen Kontakt mit dem Vorstand der Deutschen Bank steht. Natürlich richtet sich dabei der Blick nach Asien, wo auch der künftige Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen hervorragend vernetzt ist. Und Jain ist ja gebürtiger Inder.

Aber ganz so einfach geht die Gleichung nicht auf. Denn die Banken in den boomenden Schwellenländern Indien und China gelten als vergleichsweise teuer. Außerdem ist der heimische Branchenprimus schon in China präsent. An der Huaxia Bank, dem zehntgrößten Institut im Reich der Mitte, hält die Deutsche Bank mit 19,9 Prozent den maximal zulässigen Anteil. Und am Vermögensverwalter Harvest hält das Institut 30 Prozent.

Vielleicht muss der Blick auch nicht gleich in den Fernen Osten schweifen, nahe liegender könnte auch ein Investment zwischen Orient und Okzident sein. "Wenn Sie mich fragen, wird man eher in einem anderen Land Fuß fassen wollen, etwa in der Türkei", sagt ein Topmanager dem Handelsblatt, der dafür einen zeitlichen Rahmen von "innerhalb der nächsten drei Jahre" absteckt. Dabei hat die Deutsche Bank im Ausland auch das Privatkundengeschäft (Retail) im Visier, denn die demografische Entwicklung ist dort günstig.

Es ist jedenfalls diese Wachstumsfantasie, die der Aktie des Branchenprimus momentan ganz einfach fehlt. Der Machtkampf zwischen Vorstandschef Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig um die zukünftige Führung des Konzerns hat zwar alle tief bewegt: den Vorstand, das Kontrollgremium, die Politik und die Gewerkschaften. Beim Kräftemessen der Topmanager ging es dabei immer um die simple Frage: Wer kommt nach oben? Der Aktie sind die monatelangen, teilweise bewusst an die Öffentlichkeit getragenen Ränkespiele nicht gut bekommen - der Kurs fiel.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Ackermanns Altlasten"

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  • Ob´s mal wieder anders wird ? Wer weiss.Wer wissen will wie weit Banken vom ATH stürzen können,sollte sich die spanischen-,italienischen,giechischen Institute oder auch die Coba oder die Socgen anschauen,das sind schon "Nemax" Dimensionen.Die Kurse macht aber nicht der Kleinanleger,sondern der Fondsmanager.Er wird durch Aufnahme oder Verweigerung entscheiden,ob die DBK ein lohnenswertes Investment für den Kleinanleger wird,ich bin skeptisch.

  • Ich bin kein Bankier aber Herr Ackermann war ein erfolgreicher Vorstandsvorsitzender. Er hat seine Aufgaben erfolgreich gelöst, dabei hat er die Möglichkeiten seines Institutes genutzt.
    Das einige seine Gesprächspartner nur über einen sehr begrenzten Zeithorizont (bis zur nächsten Wahl) verfüg(t)en und das nötige Fachwissen aus den Ministerien nicht abrufen (nicht abgerufen haben) kann (konnte) nicht sein Problem sein.

    Die Deutsche Bank wirkt in der Politik der Bundesrepublik Deutschland mit genauso wie die Politik der Bundesrepublik Deutschland die Deutsche Bank beeinflusst.

    Die Deutsche Bank ist aber keine Bank der Deutschen (von der Aktienmehrheit aber schon) sie ist vor allen eine Bank und nur in zweiter Weise ein „Aushängeschild“ für die Bundesrepublik Deutschland (Reputation) wie jede andere Bank oder Unternehmen.

    Sie war ein Anker der „Deutschland AG“ und sie hat sich den Veränderungen angepasst (Zerschlagung der Deutschland AG durch die Regierung in Berlin)

    Ihre Rolle ist heute eine andere als vor dieser Zeit.

    Wenn wir die „Deutschland AG“ wieder möchten brauchen wir auch Banken wie die Deutsche Bank und diese wird ihre Rolle dabei auch wieder spielen.

    Die Politik wirkt auch auf die Deutsche Bank.


    Persönlich denke ich, daß die Deutsche Bank eine schwere Zeit mit ihren beiden „Leichtmatrosen“ erleben wird (Imageschaden, Gewinnrückgang und Bedeutungsverlust).

  • Die grösste Altlast ist Jain selbst. Er hat sowohl für die meisten Gewinne, aber auch für die allergrössten Verluste gesorgt. Sein Risikomanagement ist unzureichend, weil er eine ganz andere Risikomentalität hat. Dass er den Posten des obersten Risikowächters an einen "Vertrauten" vergibt, ist potentiell tötlich. Gerade als Zocker braucht er einen ganz brutalen Risk Officer. Wie schnell die Dinge schief laufen können, zeigt doch gerade Dimon von JP Morgan, der bisher als Musterknabe galt und nun voll daneben liegt, weil die Risikokontrolle die Luftwetten der Investmentbanker nicht hinreichend verstanden hatten und daher nicht eingeschritten sind. Wenn ich Aktionäre der Deutschen Bank wäre, würde ich jetzt verkaufen. Das Papier wird zu riskant.

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