Deutsche Bank

Ackermanns letzte Bilanz enttäuscht

Es sind die letzten Quartalszahlen, die Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank vorlegt. Und sie fallen enttäuschend aus: Der Nettogewinn liegt mit 1,4 Milliarden Euro unter den Erwartungen. Aber es gibt Lichtblicke.
Update: 26.04.2012 - 08:32 Uhr 9 Kommentare
Josef Ackermann hat die Quartalszahlen der Deutschen Bank bekanntgegeben. Quelle: Reuters

Josef Ackermann hat die Quartalszahlen der Deutschen Bank bekanntgegeben.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Aufräumarbeiten bei der Deutschen Bank belasten auch die letzte Quartalsbilanz des scheidenden Vorstandschefs Josef Ackermann. Mit 1,9 Milliarden Euro vor Steuern verdiente das Institut im ersten Quartal deutlich weniger als erwartet. Zwar zog das Investmentbanking wieder an, dass Ende 2011 wegen der Euro-Schuldenkrise bei vielen Geldhäusern rund um den Globus weitgehend zum Stillstand gekommen war. Rund zwei Drittel des Konzerngewinns schafften die Investmentbanker um Ackermanns Nachfolger Anshu Jain heran. Neuerliche Abschreibungen auf das Kreditengagement beim Pharmakonzern Actavis und weitere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten drückten auf die Bilanz.

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Commerzbank CEO Blessing attends news conference in Frankfurt
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Commerzbank-Chef Martin Blessing: Angesichts des Wertverlustes von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus kann einem Hören und Sehen vergehen. Mit seinem Börsenwert schafft es das Institut nicht mehr in die Top 15 in Europa.

huGO-BildID: 25588060 (FILES) A file picture taken on August 5, 2011 shows people coming out of a branch of the Italian Intesa Sanpaolo bank in Milan
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Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo erreicht eine Marktkapitalisierung von rund 22,0 Milliarden Euro und ist damit die Nummer 13 in Europa - trotz eines Nettoverlusts von 8,19 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 10,1 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei minus 16,3 Prozent.

ING to sell US unit to Capital One for 9 billion dollars
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Mit einem Börsenwert von 21,2 Milliarden Euro schafft es die niederländische Großbank ING auf Platz 14. Das Nettoergebnis hat sich 2011 mit 5,77 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 9,6 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 8,7 Prozent.

A giant watch displays the time in front of the logo of Swiss Credit Suisse bank at the Bahnhofstrasse in Zurich
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Die Schweizer Großbank Credit Suisse war dem großen heimischen Rivalen UBS zeitweise sehr nahe gekommen, ist jetzt aber nur noch 21,9 Milliarden Euro wert und damit die Nummer 14 in Europa. Das Nettoergebnis ist 2011 um fast zwei Drittel auf 1,61 Milliarden Euro eingebrochen, die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 10,7 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 6,0 Prozent.

A pedestrian passes the head office of the Lloyds Banking Group in London
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Die britische Lloyds Banking Group konnten in den letzten Monaten an Marktwert gewinnen. Mit einem Börsenwert von 32,6 Milliarden Euro ist die Bankengruppe Europas Nummer 8. 2011 fiel ein Nettoverlust von 3,34 Milliarden Euro an. Die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 10,8 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei minus 6,2 Prozent.

huGO-BildID: 18879752 Christian Clausen, chief executive officer of Nordea Bank AB, presents the company's second-quarter report in Stockholm on July
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Christian Clausen steht an der Spitze von Europas Nummer 10 (Börsenwert 30,5 Milliarden Euro), der Nordea Bank. Das Nettoergebnis war 2011 mit 2,63 Milliarden Euro fast stabil, die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 9,2 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei guten 10,6 Prozent.

To match Insight BANKS-COSTS/ASIA
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Spaniens zweitgrößte Bank BBVA belegt in Europa mit einem Börsenwert von 35,0 Milliarden Euro Platz 6. Das Nettoergebnis hat sich 2011 mit 3,00 Milliarden Euro um rund ein Drittel verringert, die harte Kernkapitalquote lag zum Jahresende bei 10,3 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei 8,0 Prozent.

Ackermann sprach von einem soliden Ergebnis. „Bei der Bewältigung von Rechtsstreitigkeiten und beim Abbau von Risiken in unserer Bilanz machen wir weiter gute Fortschritte“, erklärte der Banker. Da sich die Lage an den Finanzmärkten zu Jahresbeginn deutlich beruhigt hat, hoffen Analysten nun auf ein besseres Jahr für Deutschlands größtes Geldhaus, nachdem 2011 der erhoffte Rekordgewinn ausgeblieben war. Doch die Deutsche Bank bleibe auf der Hut, die Krise sei noch längst nicht ausgestanden, warnte Ackermann. Schon im April habe der Risikoappetit der Anleger merklich abgenommen. „Dies wirkt sich zwangsläufig auf die Rahmenbedingungen für unsere Branche aus.“ Eine konkrete Gewinnprognose wagte der Schweizer aber wie so viele Geldhäuser wegen des unsicheren Marktumfelds nicht.

Ackermann enttäuscht zum Abschied

Analysten hatten der Bank vor Steuern 2,4 Milliarden Euro zugetraut, die Sonderposten allerdings nicht eingerechnet. Unter dem Strich verdiente das Geldhaus 1,4 Milliarden Euro und blieb damit ebenfalls unter den Erwartungen. Die Aktie gab vorbörslich gut ein Prozent nach. „Die Zahlen sind enttäuschend“, sagte ein Aktienhändler.

Zehn Jahre lang stand Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank. Er baute das Privatkundengeschäft als zweites Standbein aus, um die Bank unabhängiger vom Auf und Ab an den Märkten zu machen. Heute ist das Institut gemessen an der Bilanzsumme die größte Bank der Euro-Zone. Mit der Hauptversammlung Ende Mai übergibt Ackermann nun das Ruder an das neue Führungsduo: Chef-Investmentbanker Jain und Jürgen Fitschen, der bislang unter anderem das Deutschland-Geschäft leitete.

Welche Gewinne Europas Großbanken kassieren
Commerzbank veroeffentlicht Jahresergebnis
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Bei der Commerzbank werden nach wie vor kleine Brötchen gebacken. Nach einem Plus von 316 Millionen im vierten Quartal 2011 machte die teilverstaatlichte Bank zum Jahresauftakt 369 Millionen Euro Gewinn.

BNP Paribas fourth-quarter profits fall 51 per cent over Greek de
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Die französische Großbank BNP Paribas hat dank eines Beteiligungsverkaufs ihren Gewinn zu Jahresanfang trotz der Schuldenkrise in Europa gesteigert. Der Überschuss legte im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 9,6 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro zu.

Societe Generale 2011 annual results
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Die Société Générale weißt für das erste Quartal einen überraschend großen Rückgang des Nettoergebnisses um 20 Prozent auf 732 Millionen Euro aus. Analysten hatten im Schnitt mit 748 Millionen Euro gerechnet. Die Einnahmen sanken dagegen weniger stark wie von den Experten befürchtet um 4,7 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro.

Francisco Gonzalez, chairman of Spain's second largest bank BBVA, addresses a general shareholders' meeting in Bilbao
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Die Banco Bilbao Viscaya Argentaria (BBVA), Spaniens zweitgrößte Bank, übertraf im ersten Quartal die Erwartungen. Die Großbank (im Bild Bankchef Francisco Gonzalez) erzielte ein Nettoergebnis von mehr als einer Milliarde Euro. Das sind zwar 12,6 Prozent weniger als im Vorjahr, doch Analysten hatten zuvor eine sehr viel pessimistischere Prognose gestellt. Verantwortlich für das gute Ergebnis waren in erster Linie exzellente Ergebnisse in Lateinamerika, die mehr als die Hälfte zum Gewinn beitrugen.

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Grund zur Freude hat auch Emilio Botin, der Chef der Banco Santander. Das Institut, das zum Jahresschluss schwächelte, hat im ersten Quartal 2012 einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro erzielt. Das waren aber 24 Prozent weniger als zum Jahresauftakt 2011.

A Switzerland national flag flies in front of the logo of Swiss bank Credit Suisse at a branch office in Zurich
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Entspannt hat sich die Situation auch bei den Schweizer Instituten. Nach einem Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro im Schlussquartal 2011 hat Credit Suisse im ersten Quartal 2012 wieder schwarze Zahlen geschrieben und einen kleinen Gewinn von umgerechnet rund 39 Millionen Euro erzielt.

People walk behind the logo of Swiss bank UBS in Zurich
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Der Gewinn der Schweizer Großbank UBS ist im ersten Quartal wegen Verlusten auf eigene Verbindlichkeiten rund eine Milliarde Franken tiefer ausgefallen als ein Jahr zuvor. Die größte Bank der Schweiz schaffte einen Reingewinn von 827 Millionen Franken (688 Millionen Euro) nach 1,8 Milliarden Franken ein Jahr zuvor. Analysten hatten mit einem Reingewinn von 1,1 Milliarden Franken gerechnet.

Privatkundengeschäft leidet
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9 Kommentare zu "Deutsche Bank: Ackermanns letzte Bilanz verfehlt die Erwartungen"

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  • Die Deutsche Bank ist leider nicht mehr, was sie unsprünglich war. Sie hat sich zu einem "Hedge- Fonds" mit angeschlossenem "Investment- Banking" entwickelt.(-Als Wolf im Schafspelz lässt sich eine Zeit gut leben; siehe die gigantischen Gewinne der Vergangenheit-) Die Neubesetzung des Vorstandes unterstreicht diese Entwicklung.

  • Was soll ein treuer Altaktionär davon halten .,was bitte schön...? Vor 10 Jahren stand die Aktie bei 72,89 und heute...?

  • Oh wie ist das schön, was wäre die Deutsche Bank ohne Ihr Investmentbanking! Richtig,nicht viel!Dann müsste die Bank sich mal wieder viel mehr mit den eigentlichen Aufgaben, dem Kerngeschäft eines Kreditinstitutes, befassen.
    Und da sind andere Institute deutlich seriöser aufgestellt.
    Man kann als Kunde nur froh sein, dass es noch Kreditinstitute gibt, die einer konservativen Linie folgen wie z.B Sparkassen und Volksbanken.

  • Ich bin absolut kein "Fan" von Deutscher Bank und Herrn Ackermann. Wenn ich aber die Überschrift dieses Artikels lese, dann wird mir wieder bewusst, wieso die Gesellschaft von einer Krise zur nächsten hechelt: Die persönliche Gier frisst nach wie vor jedes Hirn!

    Da macht eine international tätige Großbank in Zeiten von Staatsschuldenkrise, wirtschaftlicher Rezession in weiten Teilen des Euroraumes und extrem umkämpften Heimatmarkt in einem Quartal 1,9 Mrd. Gewinn. Und die Analysten sind enttäuscht?

    Bei einem Eigenkapital von knapp 50 Mrd. EUR würde das bei gleichbleibendem Jahresverlauf eine Eigenkapitalrendite von 15% bedeuten.

    Natürlich wird nicht der gesamte Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet, aber mich würde dennoch mal interessieren, mit welcher Anlageform bei gleichem Risiko man bei dem derzeitigen Marktzinsniveau sonst solche Renditen erzielen kann?

    Auch für Kapitalanleger sind die fetten Jahre erst einmal vorbei, aber das scheint in deren Kopf noch nicht angekommen zu sein.

  • Aus Aktionärssicht ist und war Ackermann die größte Niete seit Existenz der Deutschen Bank.

  • Seit wann ist eine Bank ein Institut ?
    Welche Form des Unternehmens ist das ? Hier wird vom Redakteur ein Wirtschaftsunternehmen hochstilisiert, um indirekt seinen Artikel hochzustilisieren, wichtig zu machen. Ein Wichtigmacher !
    Und dem Ackermann wird noch einmal in den Hintern getreten, weil nichts sein kann was nicht sein darf, naemlich ein guter und geschickter und sehr erfolgreicher Bankchef.

  • Es ist müßig zu spekulieren "was wäre wenn.." Dr. Ackermann für das letzte Quartal unter seiner Verantwortung
    eine "Superbilanz" vorgelegt hätte, und die Nachfolger im nächsten Quartal die Scherben auskehren müssten? Der scheidende Chef der Deutschen Bank muss sich nicht mehr beweisen, also ist es nur fair den Nachfolgern einen soliden Start zu ermöglichen. Die Gesamtbilanz von Dr. Ackermann ist gut, daran kann das letzte Quartal auch nichts ändern!

  • Ich denke der Herr Ackermann hat letztlich einen sehr guten Job gemacht, wenn auch nicht ohne Kritik - aber die gibt es ja immer. Wenn die Deutsche Bank zu wackeln beginnen wuerde, dann gute Nacht Deutschland. Ich hoffe, seine Nachfolger koennen dies auch weiterhin vermeiden.

  • Taxe / Indikation: 33,50 - 34,00 € nach 34,14 XETRA-Schluss (7:46 Uhr)

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