Deutsche-Bank-Affäre
Die Stunde des Aufsehers

Zwei Jahre lang dauert die Aufklärung der Zinsmanipulationen bei der Deutschen Bank nun schon. Ergebnis? Fehlanzeige. Auf Co-Chef Anshu Jain warten jetzt unangenehme Fragen. Sie kommen auch vom neuen Aufsichtsratschef.
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Dass in London viele Händler sitzen, die darauf abgerichtet sind, aus Stroh Gold zu spinnen, haben wir schon vorher gewusst. Man hat sich zwar gewundert, wie sich in den vergangenen 20 Jahren das Volumen der Devisengeschäfte versechsfachen und das Geschäft mit außerbörslich gehandelten Finanzderivaten verdreihundertfachen konnte, wo sich das Weltsozialprodukt zwischen 1990 und 2011 doch nur verdreifacht hatte. Man hat uns gesagt, das sei ein großes Geschäft. Vielleicht war es auch nur ein großer Irrtum.

Neu ist in jedem Fall, dass vor dem Spekulieren noch das Manipulieren kam. Die amtlichen Zinssätze waren nicht so amtlich, wie sie aussahen. Britische Banker haben auf "Anregung" der Bank of England den Zinssatz nach unten gepegelt, weil das die nervösen Märkte in den Monaten nach der Lehman-Pleite beruhigen sollte. Die Beteiligten bis hin zum Vorstandschef sind mittlerweile abgetreten. Britische Konservative und Liberale haben mit ihrem beherzten Vorgehen gegen die Führung der Barclays Bank der Demokratie einen Dienst erwiesen.

Dieser Dienst ist in Deutschland erst noch zu leisten. Konservative und Liberale in der Berliner Regierung überlegen derzeit, ob sie sich mit einer so mächtigen Institution wie der Deutschen Bank wirklich anlegen sollen. Doch auch für die größte Bank unseres Landes muss und wird am Ende gelten: Privateigentum ist nicht Privatangelegenheit.

Zumal der Fall, in den das Londoner Investment-Banking der Deutschen Bank sich verwickelt hat, den Vergleich mit Barclays nicht zu scheuen braucht. Trader aus dem Geschäftsbereich des damaligen Investment-Banking-Chefs und heutigen Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain haben von 2005 bis 2007 Zinssätze manipuliert, um ihre Handelsgewinne zu steigern.

Das kriminelle Treiben seiner Beschäftigten ist Jain nicht vorzuhalten. Aber als Chef der Täter muss er für zügige Aufklärung sorgen, was er bisher nicht getan hat. Warum dauerte es drei Jahre, bis die Machenschaften 2010 dann endlich entdeckt wurden? Wieso sind seither weitere zwei Jahre der internen Aufklärungsarbeit vergangen, ohne dass bis heute ein greifbares Ergebnis vorliegt. Kein Abschlussbericht. Kein Zwischenbericht. Kein Nichts. Wie verträgt sich das mit der Kultur des Investment-Banking, wo sonst alles auf Schnelligkeit angelegt ist, bis hin zum Hochfrequenzhandel?

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  • Natürlich befeuert das weitgehend UNREGULIERTE Treiben der Investment-Banker (zum Vergleich: Jedes Ordnungsamt kennt mehr Bestimmungen im Nachbarschaftsrecht, mit welchen Rechten/Regeln man den Frieden der Gemeinschaft zu wahren hat) die selbstverliebte Hybris der Akteure.

    Ein Aktionsfeld, welches ungehemmt das Gewinnmaximieren ohne moralische Reflektion FORDERT & FEIERT, lässt zwangsläufig die niedersten Triebe im Menschen wuchern.

    Es ist höchste Zeit, diese entrückten Märkte mit ihren selbsterschaffenen Spielregeln wieder in die ORDNUNG DER GEMEINSCHAFT zurückzuholen.

    Wir brauchen Aufklärung im Detail über die letztlich hochschädigenden Zusammenhänge & Wirkungen dieser Akteure mit ihren Aktivitäten auf unser funktionierendes Gesellschaftswesen - und LEITPLANKEN DURCH DIE POLITIK.

    POLITIKER - EMANZIPIERT EUCH, DIENT DEM VOLK!

  • War/ist nicht Anshu Jain Berater der Bank of England gewesen - zu der Zeit wo die Zinsmanipulationen stattgefunden haben? Was ist mit den Markit-Indices iTraxx, CFX, iBoxx, etc.... alles die gleichen Banken! Handelsblatt bitte recherchieren.

  • Bin ja man gespannt wann das Handelsblatt mal über die manipulierten Aktien, Gold- und Silberkurse berichtet. Aktien werden vor schlechten Nachrichten von Politiker und Banker hoch manipuliert und es wird z.B. Gold und Silber verkauft, welches physisch gar nicht existiert damit keine Rally ausbricht!

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