Deutsche Bank
„Wir haben hier eine geordnete Hauptversammlung“

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Angespannte Stimmung bei der Hauptversammlung

Doch der Libor-Skandal war nicht der einzige Grund, warum das zurückliegende Jahr für die Deutsche Bank „turbulent“ war, wie Vorstandschef Cryan es mit britischem Understatement und einem angedeuteten Lächeln nennt.

Im Herbst 2016 machten Verhandlungen der Deutschen Bank mit dem US-Justizministerium Schlagzeilen. Die US-Behörden forderten 14 Milliarden Dollar wegen fauler Hypothekenkredite aus der Zeit vor der Finanzkrise. Es kursierten Gerüchte, die Deutsche Bank müsste vom Staat gerettet werden. Die Folge: Der Aktienkurs stürzte auf unter zehn Euro ab – ein historischer Tiefstand. Die Bank rutschte in eine tiefe Vertrauenskrise, Kunden zogen Milliarden ab.

Cryan erklärt, er wolle die Deutsche Bank wieder zu einer Bank machen, der die Kunden vertrauen, die stärker in ihrem deutschen Heimatmarkt verankert ist, die nachhaltige Gewinne erzielt und verlässlich Dividenden auszahlt.

„So wie sich die Situation normalisiert, so werden wir auch bei der Deutschen Bank unsere Mitarbeiter wieder marktgerecht bezahlen“, sagt Aufsichtsratschef Achleitner. Den früheren Vorstandsmitgliedern droht dagegen finanzielles Ungemach. Der Aufsichtsrat hat sich intensiv mit der Frage befasst, ob den seinerzeit amtierenden Vorstandsmitgliedern eine persönliche oder kollektive Verantwortung für Fehler der Vergangenheit zukommt. Noch gibt es kein abschließendes Ergebnis, aber immerhin „befindet sich der Aufsichtsrat mit den betroffenen Ex-Vorständen in fortgeschrittenen Gesprächen“, versichert Achleitner.

Inzwischen gibt es keinen Zweifel mehr, wie sehr die neue Mannschaft an der Spitze ihre Vorgänger für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich macht. „Es waren mit Sicherheit nicht immer alles ehrbare Kaufleute in der Deutschen Bank“, meinte Vize-Vorstandschef Christian Sewing in einer TV-Dokumentation des ZDF.

Tatsächlich erhalten die Aktionäre dieses Jahr wieder eine Dividende von 0,11 Euro pro Aktie und nachträglich für das Vorjahr 0,08 Euro je Aktie. Allerdings nur, weil einige Aktionäre die Zahlung dieser gesetzlichen Mindestdividende vor Gericht erstritten hatten.

Dafür spart die Bank jetzt an anderer Stelle. Die Boni für den Vorstand wurden zum zweiten Mal in Folge gestrichen. 9.000 Jobs sollen abgebaut werden. Und noch nicht mal eine Fahrkarte für den Öffentlichen Nahverkehr für die Aktionäre ist drin. „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass die Anreise zur Hauptversammlung in diesem Jahr auf eigene Kosten erfolgt“, hatte die Deutsche Bank in ihrer Einladung an die Aktionäre geschrieben. Diese Ankündigung hatte bereits im Vorfeld bei einigen Aktionären für Irritation gesorgt.

Entsprechend angespannt ist die Stimmung bei der Hauptversammlung. Trotz hartem Sparkurs und Sanierungsmaßnahmen ist die Bank nicht profitabel und die Aktie nach sechs Kapitalerhöhungen stark verwässert, kritisieren die Aktionäre. Allein bei der letzten Kapitalerhöhung im Frühjahr hatte die Bank nochmals acht Milliarden Euro eingesammelt. „Das Geld ist weg“, fasst es Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger lapidar zusammen. Da helfe es auch nichts, dass die Vorstände auf ihre Boni verzichten. „Es reicht nicht, auf etwas zu verzichten, das sie ohnehin nicht verdienen.“

Wie groß der Unmut bei den Aktionären tatsächlich ist, wird sich bei der Wiederwahl von Aufsichtsratschef Paul Achtleitner sowie bei der Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats am Nachmittag zeigen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass es zu einer Rebellion gegen die Führung kommen wird.

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  • "Sie will einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen, wieder für Integrität und Glaubwürdigkeit stehen."
    Wollten die das nicht schon vor Jahren? Fitschen/Jain....da war doch was.

    Man müsste sich halt entscheiden. Entweder mit den US Banken mitzocken und die Chance auf hohe Gewinne und ein bißchen Macht weltweit haben ODER ne ehrlichere, bodenständige weltweit vernetzte Bank werden, die im Konzert der Großen halt garnicht mehr mitspielt.
    Ich kann nicht das zweitere sein und hohe Renditen versprechen. Genau an diesem Spagat arbeiten sie sich ja seit jahren erfolglos ab.
    Hier konkurrieren einfach Systeme weltweit. Und jetzt mit dem Brexit wird man in London auch munter weiterspekulieren dürfen.

  • @ Herr Helmut Metz18.05.2017, 15:23 Uhr

    Ja, das würde grundsätzlich Sinn machen und Spekulations- und Boni-Exzesse limitieren. Die USA haben den Act allerdings 99 unter Clinton aufgehoben - er gilt in den USA also nicht mehr. Trump gab im Wahlkamp 2016 an, ihn wieder einführen zu wollen. Ob was draus wird, angesichts der Berater, die er da (von GS) ins Beraterteam genommen hat??

    Und Glass-Stegall mach m.E. nur dann Sinn, wenn die gesamte Schattenbankenszene gleich mit an die Kette gelegt wird, derzeit verlagert sich das Problem nur. Von der regulierten Bank-Brnache in die unregulierte Hedge-Fonds-Szene. Schauen Sie sich mal den Eigenkapitaleinsatz z.B. von Blackrock an.

  • @Lothar Bitschnau 18.05.2017, 15:35 Uhr

    "Mit destruktivem Einsatz wird nichts besser."

    Am Besten, alles abnicken, Mittagessen und Kuchen mitnehmen , brav klatschen und dann heimgehen. Oder per Internet-/Briefwahl alles mit "Ja" ankreuzen und sich die Fahrt nach Frankfurt sparen.

    Allerdings wird es so auch nicht besser.

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