Deutsche Bank
Auch die „Titanic“ galt als unsinkbar

Teure Gerichtsverfahren, zu hohe Kosten und sinkende Einnahmen – die Deutsche Bank ist in eine bedenklich Schieflage geraten. Mittlerweile macht ein Horrorszenario die Runde: Was passiert, wenn die Deutsche Bank fällt?

Die Probleme der Deutschen Bank tauchen in keinem Redemanuskript eines Mitglieds der Bundesregierung auf. Sie sind weder Gegenstand eines Positionspapiers, noch hat sich ein Beamter hingesetzt, um dazu eine Vorlage für seinen Minister zu erarbeiten. Und doch gibt es im Bundesfinanzministerium, in der Bundesbank und in der Finanzaufsicht inzwischen Leute, die über das bislang Undenkbare nachdenken: den Zusammenbruch des größten deutschen Kreditinstituts.

Millionen Bundesbürger haben der Deutschen Bank ihre Ersparnisse anvertraut, zahllose Unternehmen unterhalten Geschäftsbeziehungen mit ihr. Das Bilanzvolumen des Frankfurter Geldgiganten entspricht mehr als dem Fünffachen des Bundeshaushalts. Ein Ende der Deutschen Bank wäre der größte anzunehmende Unfall für die deutsche Wirtschaft. Und weil schon Gerüchte über eine mögliche Schieflage die Nervosität an den angespannten Finanzmärkten verstärken würden, ist ein solches Szenario offiziell in Berlin kein Thema. Niemand will sich vorwerfen lassen, die Spekulation noch anzuheizen.

Das bedeutet aber nicht, dass man sich insgeheim nicht damit befassen würde. Seit den dramatischen Kurseinbrüchen der vorvergangenen Woche – die Aktie fiel allein am Anfang fast zehn Prozent und war so billig wie seit Jahrzehnten nicht – hat die Bank den Status der Unverwundbarkeit verloren. Wer seine Kredite an das Institut absichern wollte, musste eine weit höhere Prämie bezahlen als bis vor Kurzem. Zeitweise wurde sogar öffentlich diskutiert, ob die Bank genug Geld übrighat, um alle Zinsen auf einige Anleihen zu bezahlen.

Für das Institut markiert die vergangene Woche damit einen Wendepunkt. Eine Pleite der Deutschen Bank galt an den Finanzmärkten bisher als genauso unwahrscheinlich wie eine Pleite der Bundesrepublik Deutschland. Deutsche never fails – die Deutsche Bank gehe niemals unter, hieß es jahrelang in den Handelsräumen der Welt. Das Institut konnte sich dank dieses Vertrauensvorschusses selbst auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise mit frischem Geld versorgen.

Nun sah sich der neue Bankchef John Cryan auf einmal gezwungen, den Anlegern zu versichern, sein Haus sei „absolut grundsolide“. Sogar Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble musste dem Institut öffentlich das Vertrauen aussprechen. Um nervöse Anleger zu beruhigen, kauft die Bank für knapp fünf Milliarden Euro Anleihen zurück – eine Demonstration der Stärke, die aber flüssige Mittel in großem Umfang bindet.

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