Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Achleitner steht noch vor ungewisser Zukunft

Steht Paul Achleitner auch nach Mai 2017 an der Spitze des Aufsichtsrats bei der Deutschen Bank? Der 60-Jährige gilt als Vollprofi, doch auch ihn plagen Fehler aus der Vergangenheit. Einzig: Es gibt kaum Alternativen.
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Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank sehe seinen Job noch nicht als vollendet an, heißt es in seinem Umfeld. Quelle: dapd
Paul Achleitner

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank sehe seinen Job noch nicht als vollendet an, heißt es in seinem Umfeld.

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FrankfurtDeutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner muss für eine zweite Amtszeit noch einige Klinken putzen. Mehrere Großaktionäre des Geldhauses sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, noch sei keine Entscheidung darüber gefallen, ob man Achleitner über das kommende Jahr hinaus unterstütze. „Wir werden jetzt nicht einfach einen Persilschein ausstellen, wo noch so viele Themen ungelöst sind“, hieß es bei einem der Anteilseigner.

Zunächst müsse es Klarheit darüber geben, wie teuer der Hypothekenvergleich mit dem US-Justizministerium werde, ob die Bank abermals frisches Kapital brauche und an welchen Punkten die Strategie nachgeschärft werde. Ein anderer Großaktionär betonte: „Bisher hat der Kurs, den Achleitner mitträgt, keine Früchte getragen.“

Die erste Amtszeit von Achleitner läuft im Mai 2017 aus. Das „Manager Magazin“ berichtet in seiner jüngsten Ausgabe, der 60-jährige Österreicher könne mit einer Verlängerung rechnen. Denn insbesondere die beiden größten Anteilseigner, die Scheichs in Katar und der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock, scheuten den Wechsel an der Aufsichtsratsspitze. Die Lage des Konzerns sei zu prekär und der vor einem Jahr neu zusammengesetzte Vorstand insgesamt zu unerfahren. Von Katar war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, Blackrock wollte sich nicht äußern.

Diese Zehn entscheiden über die Zukunft der Deutschen Bank
Paul Achleitner
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Deutschen Bank ist bekannt für seine engen Kontakte zur Industrie. Nachdem vorherige Manager es nicht geschafft hatten, Fehltritte auszubügeln, die den Zorn der Kläger von New York bis London auf sich zogen, wählte er John Cryan als neuen Hoffnungsträger aus. Doch sein Ruf leidet, seit Investoren angesichts stürzender Aktienkurse und anhaltendem Chaos ungeduldiger werden. Das wurde spätestens im April ersichtlich, als er in einen Streit im Vorstand über mutmaßliches Fehlverhalten verwickelt wurde.

Bill Baer
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Der Chef der Kartellabteilung im US-Justizministerium konzentriert sich auf die Aufarbeitung der Finanzkrise von 2008 und hat den Ruf, wettbewerbsschädliche Deals aggressiv zu bekämpfen. Im vergangenen Jahr hat er Strafen über sechs Milliarden US-Dollar für Devisenmarktmanipulationen erstritten. Er hat das Sagen in den Gesprächen mit der Deutschen Bank – hat sich bislang aber noch nicht direkt zu dem Fall geäußert.

John Cryan
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Der Deutsche-Bank Chef versucht, Kapitalpuffer zu stärken und die Rentabilität zu steigern, während er Vermögen verkauft, Jobs streicht und Dividenden zurückhält. Doch sprunghafte Märkte, Strafzinsen und strengere Regulationen sorgen für reichlich Gegenwind. „Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank“, schreibt Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Das Institut erfülle alle Eigenkapitalanforderungen, sei beim Umbau im Plan und verfüge über Liquiditätsreserven von über 215 Milliarden Euro. Die Risiken seien in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden. „Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute.“

Angela Merkel
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Die Bundeskanzlerin hat das letzte Wort über mögliche staatliche Unterstützung für die Deutsche Bank. Sie steuerte das Land bereits durch die Finanzkrise. Diese Erfahrung hat sie aber auch gelehrt, welche Fallstricke es birgt, dem Finanzsektor auszuhelfen – insbesondere da im kommenden Jahr Wahlen anstehen.

Wolfgang Schäuble
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Bundesfinanzminister, verdienter Staatsmann und Merkels verlässliche Stütze bei Finanzangelegenheiten: Er würde eine mögliche Rettung der Deutschen Bank hauptverantwortlich gestalten und ausführen. Noch im Februar sagte Schäuble, er mache sich keine Sorgen um die Deutsche Bank. Doch mittlerweile vermeidet er öffentliche Kommentare zur Lage der Bank. Einen Bericht der „Zeit“, dass die Bundesregierung bereits an einem Rettungsplan arbeite, ließ er allerdings dementieren.

Mario Draghi
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Auch der Chef der Europäischen Zentralbank würde wohl in jedem Fall miteinbezogen werden. Die Geldpolitik der EZB wird als die Wurzel vieler Probleme der Deutschen Bank angesehen. Draghi dagegen sagte nun, Niedrigzinsen stellten kein Systemrisiko dar.

Daniele Nouy
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Seit zwei Jahren ist sie die Chefin der Europäischen Bankenaufsicht. Die 65-Jährige Französin wird als strenge Aufseherin gefürchtet. Sie prüft die Aktivitäten und Bilanzen der Deutschen Bank und wird den Kapitalbedarf der Bank für 2017 festlegen.

Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar ebenfalls ab. Zur Zukunft Achleitners hält sich Deutschlands größtes Geldhaus nach außen seit langem bedeckt. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Achleitner habe sehr wohl vor, weiterzumachen. Denn er sehe seinen Job noch nicht als vollendet an.

Der Aufsichtsratschef war 2012 zusammen mit den beiden Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen gestartet. Kritiker werfen ihm vor, viel zu lange an der glücklosen Doppelspitze festgehalten zu haben, die etliche Geschäftsziele verfehlte. Jain war am Ende auch bei den Aufsehern in Ungnade gefallen, die immer noch die Altlasten der Deutschen Bank sezieren. Viele davon fallen in das Investmentbanking, das Jain Jahre lang leitete.

Seit Juli 2015 steht nun der Brite John Cryan an der Konzernspitze. Achleitner kann sich zugutehalten, dass er Cryan einst in den Aufsichtsrat der Bank lotste. Doch nachhaltige Sanierungserfolge lassen weiter auf sich warten.

Auf der Aktie der renditeschwachen Deutschen Bank lastet im Moment vor allem die Ungewissheit, wie der US-Hypothekenstreit ausgeht, bei dem noch immer eine Strafe von 14 Milliarden Dollar im Raum steht – die die Reserven der Bank weit übersteigen würde. Einer der Top-10-Aktionäre verliert deshalb langsam die Geduld: „Wenn der US-Vergleich extrem teuer wird und eine mögliche Kapitalerhöhung misslingt, werden wir Achleitner nicht unterstützen.“

Die entscheidenden Gespräche der Investoren mit Achleitner dürften im Frühjahr stattfinden, vor der Hauptversammlung. Sollte es doch auf die Suche nach einer Alternative hinauslaufen, wäre das allerdings eine Herkulesaufgabe, wie auch die großen Aktionäre einräumen. Denn gefragt ist ein krisenerprobter Steuermann mit Banking-Erfahrung. „Die Deutsche Bank befindet sich in schwierigem Fahrwasser, da kann man keinen Laien ranlassen“, sagt der Top-10-Investor.

Finanzkreisen zufolge wurde in der Vergangenheit bereits der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber angesprochen, der inzwischen dem Verwaltungsrat der Schweizer UBS vorsitzt. Er habe dankend abgelehnt.

  • rtr
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