Deutsche Bank
Aufsichtsrat streitet über Aufarbeitung von Skandalen

Die Deutsche Bank will mit den Skandalen der Vergangenheit abschließen. Die Aufarbeitung der Affären ist im Aufsichtsrat aber offenbar ein Streitthema. Ein Mitglied hat die Mehrheit des Gremiums gegen sich aufgebracht.

FrankfurtIm Aufsichtsrat der Deutschen Bank gibt es einem Medienbericht zufolge Streit über die juristische Aufarbeitung von Skandalen. Die Mehrheit des Gremiums werfe Kontrolleur Georg Thoma dabei Übereifer vor, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“). Von Thoma, der dem Integritätsausschuss im Aufsichtsrat vorsteht, war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. „Er überzieht, wenn er immer breitere Untersuchungen fordert und immer noch mehr Anwälte aufmarschieren“, sagte Alfred Herling, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, dem Blatt. „Bei aller Sorgfalt, die wir haben walten lassen, ist es uns wichtig, dass die Deutsche Bank dieses Kapitel endlich abschließt und mit voller Kraft wieder in die Zukunft schaut“, erklärte Aufsichtsrat Henning Kagermann. Da sei der Aufsichtsrat „mit großer Mehrheit einig“.

Laut „FAS“ treibt der Jurist Thoma auch Untersuchungen gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner voran. Geprüft werde unter anderem, wer bei der Deutschen Bank verantwortlich sei für die mangelhafte Kooperation mit den Behörden bei der Aufklärung von Skandalen. Dies wurde dem Institut unter anderem bei der Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor vorgeworfen.

Mit dieser Frage wird sich auch die Hauptversammlung von Deutschlands größtem Geldhaus am 19. Mai befassen. Eine Aktionärin hatte die Tagesordnung kürzlich um vier Punkte erweitern lassen. Abgestimmt werden soll unter anderem, ob Schadensersatzansprüche gegen Achleitner, andere Aufsichtsräte und Vorstände wegen des Libor-Skandals im Rahmen einer Sonderprüfung untersucht werden. Sollten die Ergebnisse der internen Untersuchung zu diesem Thema nicht zufriedenstellend sein, könne Achleitner bei diesen Punkten die Leitung der Hauptversammlung entzogen werden, berichtet die „FAS“. „Das würde die Bank beschädigen“, warnt ein Insider.

Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte sich zu dem Thema am Sonntag nicht äußern. Georg Thoma und seine Kanzlei waren telefonisch nicht zu erreichen, Email-Anfragen blieben unbeantwortet. Gegenüber der „FAS“ wollte sich Thoma nach Angaben der Zeitung nicht äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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