Deutsche-Bank-Aufsichtsrat tagt
„Salamitaktik“ statt großem Wurf

In einem Ruck aufräumen und Altlasten auskehren wird John Cryan, neuer Deutsche-Bank-Vorstandschef, wohl nicht. Nur Stück für Stück werde er den Umbau des Frankfurter Geldhauses vorantreiben. Zu viele Gefahren lauern.

FrankfurtDer von vielen ersehnte „große Wurf“ ist nicht zu erwarten. Der neue Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan werde dem Aufsichtsrat eher eine Art „Salamitaktik“ für den Umbau des größten deutschen Geldhauses präsentieren, wenn er dem Gremium am Freitag und Samstag zum ersten Mal in neuer Rolle Rede und Antwort steht. Das geht aus Gesprächen von Reuters mit mehreren Beteiligten an der dreitägigen Klausursitzung des Aufsichtsrats hervor. Dieser trifft sich seit Donnerstagabend im Golf-Hotel Margarethenhof, hoch über dem Tegernsee, zu Beratungen. „Ich erwarte, dass Klartext geredet wird“, hatte ein Mitglied des Gremiums vor der Abfahrt nach Bayern gesagt.

Vor einem Jahr saß Cryan noch selbst im Aufsichtsrat, erst Anfang Juli hatte er Anshu Jain als Co-Vorstandschef abgelöst. Neue Vorstandschefs wie er nutzen die Gelegenheit gern, erst einmal aufzuräumen und Altlasten auszukehren. Doch Cryan sind hier die Hände gebunden, wie Vertraute Reuters sagten. Denn ein Ausverkauf der Eigenkapital fressenden Derivate könnte zu einem Milliardenverlust führen. Doch den will Cryan vermeiden, nicht zuletzt weil er damit das Top-Management verschrecken würde, das er für den Umbau bei der Stange halten muss. Denn die Banker liefen sonst Gefahr, bei einem Verlust nachträglich ihre Boni zurückgeben zu müssen.

Zudem drohen dem Institut ohnehin noch Verluste aus den juristischen Altlasten: Analysten schätzen, dass noch drei Milliarden Euro an Vergleichszahlungen und Strafen fällig werden, ehe die zahllosen Rechtsstreitigkeiten beigelegt sind.

Daher sei eher zu erwarten, dass Cryan den Spagat versucht, die Bilanz sachte zu säubern, ohne dass der Bank die Gewinne allzu sehr verhagelt, und trotzdem den Umbau voranzutreiben. An erster Stelle stehe ein beschleunigter Abbau der Positionen in der internen „Bad Bank“.

Von den weltumspannenden Ambitionen der Deutschen Bank wird sich Cryan wohl verabschieden: Europa, die Vereinigten Staaten und Asien seien die Regionen, auf die man sich konzentrieren will, sagen Insider. Das Privatkundengeschäft in Italien steht also nicht zur Disposition, aber Töchter in Südamerika und in Afrika - sowie in Russland, wo die Deutsche Bank derzeit mit dem Verdacht kämpft, in einen milliardenschweren Geldwäsche-Skandal verwickelt zu sein. Bereits beschlossen ist laut einem Insider der Rückzug aus sechs Ländern, in denen die Deutsche Bank keine große Rolle spielt: Finnland, Dänemark, Norwegen, Malta, Peru und Neuseeland.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte sich am Donnerstag nicht zu den Beratungen äußern. Ergebnisse von Cryans Überprüfung der Strategie seien bis Ende Oktober zu erwarten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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