Deutsche Bank
Aus 45 Betriebssystemen mach vier

John Cryan hat eine neue Baustelle bei der Deutschen Bank entlarvt: Die IT. Sie sei „antiquiert“ und „unzusammenhängend“. Jetzt soll eine Ex-Boeing-Managerin die Computersysteme des Geldhauses in die Moderne führen.

FrankfurtSechs Milliarden Euro gab die Deutsche Bank im Jahr 2010 für die Deutsche Postbank aus. Klingt nach viel Geld. Doch das war noch nicht genug. Eine weitere Milliarde musste die Deutsche Bank aufwenden, um die Computersysteme der beiden Kreditinstitute zu verschmelzen und aufzurüsten. Nach fünf Jahren stellt sich nun die Frage, wie sehr sich das gelohnt hat: Als die Deutsche Bank im April dieses Jahres ankündigte, die Postbank zu verkaufen, war die Zusammenführung der IT-Systeme immer noch nicht abgeschlossen.

Die Schwierigkeiten der Deutschen Bank mit seiner IT soll jetzt Kim Hammonds richten. Die studierte Maschinenbauerin, die über gerade einmal zwei Jahre Erfahrung in der Bankbranche verfügt, leitet die umfassenden Bemühungen, die IT-Systeme innerhalb der Deutschen Bank neuzugestalten. Den Auftrag hat dazu hat die ehemalige Boeing-Managerin von ganz oben erhalten: Der neue Co-Vorstandsvorsitzende John Cryan hat Hammond mit der Führung des Projektes betraut – keine leichte Aufgabe bei einem Kreditinstitut mit einer Bilanzsumme von 1,7 Billionen Euro und über 100.000 Mitarbeitern.

„Die größte Gefahr ist die Komplexität. Es ist fast wie eine Operation am offenen Herzen und niemand will, dass die Kunden Service-Unterbrechungen erleben“, sagt Michael Seufert, Analyst bei der Norddeutschen Landesbank in Hannover, der Anlegern zum Verkaufen der Deutsche-Bank-Aktie rät. „Ein Problem wäre außerdem, wenn die Kosten über das vorgesehene Niveau steigen. Das wäre ein echter Schlag angesichts des hohen Stellenwerts von Kostensenkungen für die Bank.“

Jahrzehnte des Wachstums und der Fusionen bei Banken haben bei global agierenden Instituten wie der Deutschen Bank zu regelrechten „Knäueln“ von überlappenden und oft nicht miteinander kompatiblen IT-Plattformen sowie Programmen geführt. Cryan hat die digitale Infrastruktur der Bank als „antiquiert“ und „unzusammenhängend“ beschrieben. Als erster Chef einer Bank versucht er einen firmenweiten Neustart mit der aktuellsten Technologie, vom Wertpapierhandel über die Vermögensverwaltung bis hin zum Massengeschäft.

Cryan, der im Juli die Nachfolge von Anshu Jain antrat, arbeitet daran, das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen und den Einbruch des Aktienkurses umzukehren. Der war zuletzt zu dem am niedrigsten bewerteten globalen Kreditinstitut weltweit abgestürzt. Neben dem Umbau der IT will er tausende von Stellen streichen, Bonuszahlungen senken und die Aktivitäten der Bank in mehreren Ländern beenden. So will der Brite Profitabilität und Kapital stärken.

Die 48-jährige Hammonds, die einen Abschluss der Universität Michigan hat, war zuvor auch für Ford und Dell tätig. Im Januar wird sie den Posten des Chief Operating Officer bei der Deutschen Bank übernehmen und im Laufe des kommenden Jahres in den Vorstand aufrücken. Sie wollte sich für diesen Artikel nicht äußern.

„Kim ist ein Neuling in der Finanzdienstleistungsbranche, aber das bedeutet, dass sie Fragen stellen kann, an die jemand aus der Branche vielleicht gar nicht denken würde“, sagt Peter High, Präsident der Management-Beratung Metis Strategy in Chevy Chase, Maryland.

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