Deutsche Bank
Aus dem Werkzeugkasten des Sanierers

John Cryan spricht deutsch und beansprucht auf dem Podium keinen Mittelplatz. Mit angelsächsischem Understatement wirbt er um Vertrauen für seinen harten Sanierungskurs. Ein Kommentar.
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Können wir dieser Bank trauen? Die Deutsche Bank hat ihre Aktionäre jahrelang tief enttäuscht. Sie hat ihre Kunden, die sich wunderten, in was ihre Bank alles verstrickt ist, stark verunsichert. Und sie hat Mitarbeiter in ihren Reihen, für die Worte wie Integrität und Nachhaltigkeit keine Bedeutung haben. Ist damit jetzt wirklich Schluss?

Was die Aktionäre betrifft, so folgt auf die erste tiefe Enttäuschung jetzt die nächste, noch tiefere Enttäuschung: Dividende gestrichen. Und die Aussicht, dass 2015, 2016 und 2017 schwache Jahre werden, machen keinem Anleger Hoffnung, dass mit dieser Aktie bis auf weiteres etwas zu holen ist. Da hilft auch nicht das Gefühl, immerhin zu wissen, woran man als Aktionär ist. Das Ergebnis heißt nämlich: ganz unten. Und das ist kein gutes Gefühl.

Die Kunden stehen anders da. Ihre Bank hat sie in den vergangenen Jahren durchaus umsorgt. Nur mussten sie sich fragen, ob die Betreuung wirklich in ihrem Sinne oder nicht doch vor allem im Sinne der Bank gewesen ist. Sie mussten sich fragen, ob nicht auch sie irgendwann zu den vielen tausend Enttäuschten gehören würden, die sich falsch behandelt fühlen und es auf einen Prozess gegen ihre Bank ankommen lassen. Die Unsicherheit, auf keinen ausgeschlafenen, sondern auf einen ausgekochten Mitarbeiter zu stoßen, wuchs mit jedem Prozess, in den sich die Bank zusätzlich verstrickte. Die dauerhafte Zufriedenheit der Kunden, der privaten wie aber vor allem der Firmenkunden, wird darüber entscheiden, ob der Kulturschock, den der neue Bankchef John Cryan dem Geldhaus zumutet, tatsächlich heilsame Wirkung hat.

Die Mitarbeiter schließlich müssen sich Sorgen machen. Ihre Arbeitsplätze sind unsicher, entweder, weil sie unter das Cryan-Motto „Weniger Komplexität” fallen und überflüssig werden oder weil sie – und das gilt für die oberen Etagen – Geschäfte abgewickelt haben, die nicht sein durften, und nun die Konsequenzen ausbaden müssen. Der jüngste Russland-Deal der Deutschen Bank, der möglicherweise gegen die internationalen Sanktionen verstoßen hat, ist so ein Fall. Cryan geht dagegen vor, indem er Boni begrenzt und ans Gewissen appelliert.

Unterm Strich stammen die Rezepte des neuen Mannes an der Spitze aus dem Werkzeugkasten eines Sanierers: schrumpfen, Risiken vermeiden oder ihnen vorbauen, auf den Kunden konzentrieren, die Mannschaft erneuern, sich aufs Kerngeschäft stürzen und die Aussicht auf eine bessere aber ferne Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Cryan hat diese Instrumente allerdings mit einem ganz persönlichen Stil verbunden: Der Angelsachse verkündete sie auf deutsch, er überließ heute den Platz in der Mitte des Podiums seinem Vorgänger und noch Co-Chef Jürgen Fitschen, und er bemühte sich gar nicht erst, Misserfolge zu Glanzleistungen umzudichten. Das lässt hoffen, dass dieser Mann, dass die Bank, die er leitet, und dass das Team, das er führt, sich unser Vertrauen wirklich erarbeiten wollen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Deutsche Bank: Aus dem Werkzeugkasten des Sanierers"

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  • "Die Mitarbeiter schließlich müssen sich Sorgen machen." Auch wenn das ein ausgekochter Mitarbeiter ist. Wohl kaum, mein Mitleid hält sich in sehr überschaubaren Grenzen. Sie werden alle sehr, sehr weich fallen.

  • >> John Cryan spricht deutsch und beansprucht auf dem Podium keinen Mittelplatz >>

    Wenn ich mir den auf dem Foto anschaue, kommen mir zwangsläufig Bilder vom Herrn Herman Van Rompuy vors Gesicht. Wenn dieser auch so agiert wie er aussieht....Gute Nacht Deutsche Bank !

    Das wars dann mit dem "Deutschen" Geldinstitut !


  • @von Stettin
    Sie passen wunderbar in die Vorstandsetage dieser Betrüger!

    Wie arm jede Persönlichkeit ist, wenn diese sich nur mit Geld reich=glücklich=wertgeschätztz fühlt, wünsche ich Ihnen und den Gleichgesindten dieser Zunft am eigenen Leib zu erfahren!

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