Deutsche Bank baut Vorstand um
Achleitners Notfallmaßnahme

Kurz vor der Hauptversammlung baut die Deutsche Bank ihre Führungsebene um. Unter anderem verlässt der langjährige Privatkundenchef Rainer Neske vorzeitig seinen Posten. Und es gab noch mehr Stühlerücken im Vorstand.
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FrankfurtIn letzter Minute versucht die Deutsche Bank vor ihrer kritischen Hauptversammlung an diesem Donnerstag das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen. Mittwochnacht nickte der Aufsichtsrat ein großes Stühlerücken im Vorstand und in der erweiterten Führungsebene ab.

Wichtigstes Ergebnis der nächtlichen Aufsichtsratssitzung: Co-Vorstandschef Anshu Jain übernimmt die volle Verantwortung für die Umsetzung der umstrittenen neuen Strategie des Geldhauses. Damit signalisiert Aufsichtsratschef Paul Achleitner zweierlei: Er steht weiter zu dem zuletzt eher glücklosen Jain und gibt ihm noch eine Chance, gleichzeitig nimmt er ihn aber auch in die Pflicht. Wenn Jain jetzt nicht liefert, dürfte seine Karriere bei Deutschlands mächtigstem Bankhaus unwiderruflich zu Ende gehen.

Zugleich ebnet Achleitner mit den Weg für den Ausstieg aus der Doppelspitze in der derzeitigen Form. Denn Co-Chef Jürgen Fitschen gibt die operative Verantwortung für die hauseigene Bad Bank ab und wird dadurch ersetzbar. Damit ist in doppelter Hinsicht vorgesorgt: Für einen eventuellen Rücktritt Fitschens, falls ein laufendes Gerichtsverfahren wegen Prozessbetrugs für ihn unheilvoll enden sollte. Und für das Jahr 2017, wenn der Vertrag des 66 Jahre alten Bankmanagers ausläuft.

Zuletzt rückte Achleitner in einem Interview ein Stück weit von der Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen ab. Niemand sei unersetzbar und am Ende gehe es um die Institution und nicht um Individuen, betonte der Aufsichtsratschef. Aussagen, die schwer zu widerlegen sind, die aber auch zeigen, dass das Verhältnis von Achleitner zu seinen beiden Top-Managern kritischer geworden ist.

In den vergangenen Tagen war auch die externe Kritik an Jain und Fitschen immer lauter geworden. Zahlreiche Großaktionäre wollen dem Vorstand die Entlastung verweigern, weil sie unzufrieden mit der neuen Strategie sind. Viele Anleger beschwerten sich darüber, dass die Deutsche Bank mit dem geplanten Verkauf der Postbank und Einsparungen im Investmentbanking keinen echten Befreiungsschlag wage. Außerdem stieß den Großinvestoren bitter auf, dass Jain und Fitschen trotz viermonatiger Strategiediskussion noch einmal 90 Tage Zeit einfordern, um die Details zu ihrem Plan nachzuliefern.

Aber das sind nicht die einzigen Kritikpunkte, die einflussreiche Hauptversammlungsberater dazu gebracht haben, ihren Kunden zu raten, gegen den Vorstand zu stimmen. Für enormen Ärger sorgten die gravierenden Mängel bei der Aufarbeitung der diversen Skandale, in die die Deutsche Bank verwickelt ist. In diesem Zusammenhang sind zwei Personalien unterhalb der Vorstandsebene bemerkenswert. Der Co-Chef des Asiengeschäfts Alan Cloete und Colin Grassie, Landeschef für Großbritannien, werden die Bank demnächst verlassen.

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Die Verlierer: Neske und Krause

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  • @Ralph Westend

    Hihi, "Commerzamt" ---> köstlich! Das ist viel besser als "Kopfschmerzbank"...;-)

  • Man muss, wenn die Nachrichtenlage zutrifft, mit erstaunen feststellen, wie einfach das Betrügen doch in Deutschland geht.

    Es ist nicht seit jetzt an der Zeit die Frage nach dem Job der Überwacher zu stellen. Das betrifft nicht nur den Aufsichtsratsvorsitzenden Achleitner sondern auch die Rolle der BAFin, eine Institution, die sich nicht erst seit gestern gefunden hat.

  • Der Zocker (@Ralph Westend) hat mal wieder sein ziemlich schiefes Weltbild in Bezug auf die Menschen, die die Werte dieser Gesellschaft schaffen, in die Öffentlichkeit getragen. Er gehört sicherlich nicht zu dem - ich zitiere - 'margenschwachen und unprofitablen Retailballast' wie der Durchschnittsdeutsche.

    Leute wie er habe die Krise in ihrer grenzenlosen und ignoranten Gier mitverursacht und dann wundern sie sich, warum die Regulierer die Daumenschrauben fast im monatlichen Takt weiter anziehen. MiFID ist noch nicht hart genug ausformuliert. Die Regulierer sollten noch ein Schippe drauf legen um solchen Typen das Handwerk weiter zu erschweren oder ganz einzudämmen.

    Wenn ich solche - mit Verlaub - grosskotzigen Kommentare lese wird mir einfach schlecht und ich hoffe, dass die Regulierer dem ganzen Spuk mal irgendwann ein wirkliches Ende bereiten.

    Größenwahnsinnige Konzerne wie die Deutsche Bank mit ihrer arroganten Vorständen braucht kein Mensch. Aber solange es die Gesellschaft toleriert und auch noch nach oben schaut, steuern wir geradewegs in die nächste Katastrophe.

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