Deutsche Bank
Blaue Stunde in den "Greentowers"

Die Deutsche Bank hat ihre Frankfurter Zwillingstürme mit einer großen Feier wieder eröffnet. Nach drei Jahren Umbau wird das Institut sie jetzt zwar nutzen, aber wohl verkaufen.
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FrankfurtEigentlich ist 17 Uhr keine gute Zeit in Frankfurt, um zu feiern. Bei grauem Himmel, Nieselregen und Rush Hour sind Verspätungen programmiert – aber wenn die Deutsche Bank ruft, ist man trotz aller Widrigkeiten pünktlich. Vorbei an einem versprengten Häuflein von Systemkritikern („Der Kapitalismus geht über Leichen“) fanden am Donnerstagabend 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur den Weg über den – Achtung: Corporate Identity – blauen Teppich in die grundsanierten Türme des größten deutschen Geldhauses.

„Greentowers“ sollen die Zwillingstürme nach dem Willen der PR-Strategen künftig heißen, aber nur Kleingeister erwarten deshalb hinter der Fassade üppig wuchernde Palmen, Klettergewächse oder Gummibäume. Nein, organisches Wachstum ist hier Fehlanzeige, es geht um die inneren Werte. Da wären beispielsweise die Energieeinsparung, mit der man 750 Einfamilienhäuser heizen könnte, oder die Wasserersparnis entsprechend dem Inhalt von 22 Olympischen Schwimmbecken oder die zehn Tankstellen für die Elektroautos. Die Superlative steigern sich dabei manchmal in absurde Details. Will man wirklich wissen, dass „die Anzahl der öffenbaren Fenster“ genau 2080 beträgt?

Nach der musikalischen Eröffnung durch das Bläser-Ensemble der Berliner Philharmoniker tritt Vorstandschef Josef Ackermann mit sichtlich guter Laune vor das Publikum und legt ein Bekenntnis zum Standort Frankfurt ab, man sei wieder „im besten Sinne des Wortes zu Hause“. Oberbürgermeisterin Petra Roth hört das gerne, ist aber in Zeitnot. Die Partnerstadt Kairo hat momentan andere Sorgen als nur ökologische, außerdem steht die Zukunft der Deutschen Börse auf dem Spiel. „Sie sind in der Stadt der Nachhaltigkeit“ und „Wir bewerben uns als Green City“ – Frau Roth bleibt bei ihrer Rede innerhalb der grünen Leitplanken und hastet dann zurück zur „Aktuellen Stunde“ im Rathaus.

Danach steigert sich der Stararchitekt Mario Bellini in eine Lobeshymne, sogar das Logo der Deutschen Bank – der Schrägstrich im Quadrat – ist für ihn „strong dynamism in a stable frame“. Am Ende wird der vielleicht am meisten unterschätzte Vorstand der Deutschen Bank gelobt: Hermann-Josef Lamberti hat das Mammutprojekt für 200 Millionen Euro betreut und steht nach der Anerkennung durch Ackermann strahlend im blauen Rampenlicht.

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