Deutsche Bank: Breuer zahlt 3,2 Millionen für Kirch-Interview

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Breuer zahlt 3,2 Millionen für Kirch-Interview

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer muss 3,2 Millionen Euro an seinen früheren Arbeitgeber für sein Kirch-Interview zahlen. Seine Managerhaftpflicht überweist dem Geldhaus noch einmal deutlich mehr.

Frankfurt/DüsseldorfDer frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer zahlt dem Institut für die Folgen von Interviewäußerungen über die Mediengruppe Kirch 3,2 Millionen Euro. Die Bank und Breuer einigten sich auf einen entsprechenden Vergleich, wie aus der Einladung zur Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses hervorgeht. Die Summe entspricht den Angaben zufolge dem dreifachen Jahresgrundgehalt, das der Manager als Vorstandschef bekam.

Ende Februar hatte das Handelsblatt bereits berichtet, dass die Verhandlungen zwischen Breuer und der Bank über einen Vergleich weit fortgeschritten seien. Der Ex-Manager soll bereit gewesen sein, zwischen 2,5 und fünf Millionen Euro an seinen ehemaligen Arbeitgeber zurückzuzahlen. Breuers privates Vermögen wird auf zehn Millionen Euro geschätzt.

Unabhängig von der von Breuer zu zahlenden Summe einigte sich das Institut mit Managerhaftpflichtversicherungen auf einen Vergleich über rund 100 Millionen Euro. Faktisch bekommt das Institut rund 90 Millionen Euro, da es einen Selbstbehalt gibt – also eine Summe, die Betroffene im Schadenfall selbst aufbringen müssen. Damit wird die maximale Summe der Haftpflicht von geschätzt 500 Millionen Euro, wie vom Handelsblatt bereits berichtet, nicht annährend ausgeschöpft. Die Aktionäre müssen den Vergleichen auf der Hauptversammlung am 19. Mai noch zustimmen.

Breuer hatte 2002 in einem Fernsehinterview mit Bloomberg TV öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt: Nach allem, was man „darüber lesen und hören“ könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, „auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte der damalige Bank-Chef. Zwei Monate später war der Medienkonzern pleite und Firmengründer Leo Kirch machte Breuer sein Leben lang dafür verantwortlich. Nach einer jahrelangen Prozessschlacht zahlte die Bank 2014 den Kirch-Erben in einem Vergleich 925 Millionen Euro.

Sollte der Vergleich zwischen Breuer und der Bank endgültig gelingen, wäre für den Ex-Vorstandschef ein weiteres Kapitel der Affäre Kirch abgehakt, beendet wäre sie allerdings noch nicht. Denn in München stehen Breuer und andere aktive oder ehemalige Deutsche-Bank-Vorstände noch immer wegen des Verdachts auf Prozessbetrug im Fall Kirch vor Gericht.

Julian Trauthig
Julian Trauthig
Handelsblatt / Deskchef Finanzen
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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