Deutsche-Bank-Chef
Ackermanns einsamer Abgang

Wie kaum ein anderer hat Josef Ackermann das Bild der Deutschen Bank in der Öffentlichkeit geprägt. Jetzt muss der Schweizer der neuen Doppelspitze Jain/Fitschen weichen. Doch der Führungswechsel hat Spuren hinterlassen.
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Der Name deutet schon darauf hin: Die Deutsche Bank ist zur einen Hälfte eine Bank und zur anderen Hälfte ein Teil von Deutschland. Sie wurde auf „Allerhöchsten Erlass Seiner Majestät des Königs von Preußen“ gegründet. Das war 1870. Die Deutsche Bank stieg mit den Jahren zum größten Geldhaus des Landes auf, wurde und blieb Symbol für die deutsche Wirtschaft, ihre Stärke. Die Männer auf dem Chefsessel wirkten stets in die Gesellschaft hinein - und die Gesellschaft wirkte auf sie zurück.

In der nächsten Woche tritt Josef Ackermann von der Führung der Deutschen Bank ab. Er ist ein anderer als der, der vor mehr als einer Dekade in Frankfurt anfing. Aus dem Investmentbanker mit der Fixierung auf eine möglichst hohe Rendite wurde ein präsidialer Weltstaatsmann. Er hat der Bank - vor allem in seiner zweiten Halbzeit - gutgetan. Er hat ihr Ansehen und ihr Kapital gemehrt. Im Vorstand sind mehr Talente versammelt als in allen übrigen deutschen Banken zusammen. Den Anteilseignern bescherte Ackermann einen Gewinnregen. 27,8 Milliarden Euro in zehn Jahren - das entspricht den Gewinnen der Commerzbank seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Anshu Jain und Jürgen Fitschen werden Ackermann Anfang Juni nachfolgen. Zwei Männer, die Ackermann gefordert und gefördert hat - und denen er dennoch die erfolgreiche Führung der Bank nicht anvertraut hätte. Wenn es nach ihm gegangen wäre. Aber es ging auf den letzten Metern der Macht nicht mehr nach ihm. Der scheidende Vorstandschef hat viele Machtkämpfe gewonnen. Diesen letzten hat er verloren, ausgerechnet gegen Aufsichtsratschef Clemens Börsig, der erst durch Ackermann wurde, was er ist. Die Geschichte des Machtwechsels ist auch deshalb die Geschichte eines tragischen Abgangs.

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Chef: Ackermanns einsamer Abgang"

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  • Glückwunsch an die Autoren! Der Artikel liest sich wie der reinste Krimi, aber den Titel (sowohl hier und noch mehr in der Papier-Ausgabe: "Der tragische Abgang des Josef Ackermann", Warum sind die eigentlich unterschiedlich?) und den Grundton finde ich zu negativ, schließlich war es Ackermann der die inzwischen letzte rein private deutsche Bank noch am besten im Vergleich zu den anderen, inzwischen mehr oder weniger verstaatlichten, durch die größte Finanzkrise der letzten Jahre geführt hat.

  • genau!!

  • ... und wie steht es mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Bankmanager ? Es geht nicht nur um Profit und dann auch noch auf Kosten anderer ... wieso wird das in Berichterstattungen nicht (mehr) beleuchtet ? Von dubiosen Geschäftsbeziehungen mal ganz abgesehen ...
    http://www.tagesspiegel.de/zeitung/deutsche-bank-wie-eine-betroffene-den-skandal-aufdeckte/6654688-2.html

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