Deutsche-Bank-Chef Fitschen
„Es wird Banken geben, die keine Zukunft haben“

Beim Bilanzcheck der EZB müssen sich die Banken streng auf die Finger schauen lassen. Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen spricht von großem Druck – und warnt. Ein bestandener Test sei keine Garantie fürs Überleben.
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FrankfurtEuropas Banken müssen sich so tief in die Bücher blicken lassen wie nie zuvor. Mit gewaltigem Aufwand durchforsten Experten der Europäischen Zentralbank (EZB), nationale Aufseher und unabhängige Wirtschaftsprüfer die Bilanzen nach möglichen Altlasten oder Kapitallöchern. Das hehre Ziel: Nie wieder soll es einen Kollaps wie nach dem Lehman-Crash 2008 geben, nie wieder sollen zockende Banker ganze Staaten in den Abgrund reißen, nie wieder Milliarden Steuergelder zur Rettung von Zombiebanken verbrannt werden. Europa will seine Finanzindustrie krisensicher machen. Trotz allem Aufwand bleiben Fragezeichen, ob das Mammutprojekt tatsächlich gelingen wird.

Wie wahrscheinlich sind Ausfälle bei Immobilienkrediten? Droht mancher Schiffsfinanzierung der Untergang? Sind die Kapitalpolster der Banken dick genug? Beim laufenden Bilanzcheck schaut die EZB ganz genau hin. Mindestens 160.000 Kreditakten nehmen die künftigen Chefaufseher über die Euro-Banken in den nächsten Wochen in die Hand. Bei den 128 größten und wichtigsten Banken im Euroraum sollen Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro unter die Lupe genommen werden - eine gewaltige Stichprobe.

„Der Druck auf die Branche ist sehr groß“, sagt Jürgen Fitschen, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) und Co-Chef der Deutschen Bank. „So etwas hat es noch nie gegeben.“

Und der Bilanzcheck ist nur ein Teil der Übung: Im Sommer folgt ein Stresstest, der härter sein soll als alle bisherigen Krisentests für die Finanzbranche in Europa. Ergebnisse soll es im Oktober geben. Die wichtigste Frage: Hat eine Bank auch unter widrigen Umständen ausreichend Kapital, um ihr Geschäft fortzuführen? Überträgt man den Stresstest auf Verbraucher, könnte er so aussehen: Reichen Einnahmen, Ersparnisse oder Versicherungsschutz auch dann, wenn Auto und Waschmaschine gleichzeitig kaputtgehen, der Arbeitgeber pleitegeht und man erst im nächsten Jahr einen neuen Job findet?

Der Erfolgsdruck im Falle der Banken ist immens: Beim europaweiten Stresstest 2010 waren nur Institute durchgefallen, von denen man es erwartet hatte, darunter der mit Steuermilliarden gerettete Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE). Der Test habe „Leichen für tot erklärt“, ätzten damals Kritiker wie der Volkswirt Daniel Gros, Leiter des Centre for European Policy Studies (CEPS). Ein Jahr später sorgte der Stresstest der erst kurz zuvor gegründeten Europäischen Bankenaufsicht EBA selbst nach Einschätzung führender Aufseher eher für Verunsicherung als für Aufklärung. Damals fühlten sich etwa die deutschen Landesbanken benachteiligt, weil staatliches Kapital aus ihrer Sicht nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

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Fitschen erwartet Bereinigung des Marktes

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Chef Fitschen: „Es wird Banken geben, die keine Zukunft haben“"

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  • ich frage mich wie lange der Herr Co-Vorsitzender noch braucht bis er begreift das er nicht mit Steinen werfen soll wenn er im Glashaus Deutsche Bank sitzt, die am schlechtesten bewertete(Aktienkurs)Bankaktie der Welt laut Hans Bernecker.

  • Banken und "Schattenbanken" sind heute weltweit vernetzt. Euroland ist keine Insel der Seligen. Wenn es nicht gelingt weltweit Bedingungen zu verankern, nach denen marode Banken abgewickelt werden,wird es immer wieder zu Problemen kommen. Da die Politiker aber die Banken brauchen, um ihre Staatspapiere unter zu bringen -nachdem die EZB den Banken das Geld geliehen hat- werden sie sich kaum zu durchgreifenden Änderungen durchringen.

  • „Es wird Banken geben, die keine Zukunft haben“

    Wer soll hier angesprochen werden? Offiziell lesen wir immer wieder, dass kleine Banken auch für die Sicherheit der großen Banken herangezogen werden sollen. Nach der Logik können doch nur "überlebende" Banken den "toten" Banken helfen.

    Herr Fitschen möge doch sagen, welche Großbank er konkret anspricht. Herr Breuer hatte es damals doch auch im Fall von "Herrn Kirsch" heraus posaunt.

    Für den Gesetzgeber kann ein derartiger Aufruf von Herrn Fitschen nur Handlungszwang zur Verschlagung der systemrelevanten Banken bedeuten. Mal sehen wie der Bundesfinanzminister Schäuble darauf reagiert.

    Herr Schäuble müsste sich ja heute noch zu Wort melden!

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