Deutsche-Bank-Chef im Ausschuss: Fitschen erntet Kritik wegen Nahrungsmittelwetten

Deutsche-Bank-Chef im Ausschuss
Fitschen erntet Kritik wegen Nahrungsmittelwetten

Der Deutschen Bank wird vorgeworfen, bei Nahrungsmittelspekulationen falsche Informationen verbreitet zu haben. Dafür hagelt es Kritik im Entwicklungsausschuss. Nicht die einzige Klage, mit der das Institut zu tun hat.
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Berlin/Frankfurt/RomDer Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat im Entwicklungsausschuss des Bundestages heftige Kritik an den Nahrungsmittelspekulationen seiner Bank einstecken müssen. Ausschuss-Mitglied Thilo Hoppe von den Grünen sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa, zwischen Fitschen, dem Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode, und dem Ausschuss habe es eine „heftige Diskussion“ gegeben. Fitschen habe in der nicht-öffentlichen Sitzung „nervös und gereizt“ gewirkt.

„Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen appellierten heute (...) an das größte Kreditinstitut Deutschlands, Verantwortung zu zeigen und seiner ethischen Verpflichtung nachzukommen, aus den Geschäften mit dem Essen auszusteigen“, teilte Hoppe mit. Fitschen habe jedoch bekräftigt, dass es aus seiner Sicht keine Beweise für den Einfluss der Spekulation an den Finanzmärkten auf die realen Preise und somit auf den Hunger in der Welt gebe.

Foodwatch wirft der Deutschen Bank vor, den Ausschuss über seinen Spekulationen mit Nahrungsmitteln belogen zu haben. Im Juni 2012 soll der Chefvolkswirt der Bank vor den Parlamentariern erklärt haben, es gebe keinen Zusammenhang zwischen spekulativen Kapitalströmen und steigenden Lebensmittelpreisen. Interne Papiere der Deutschen Bank, die Foodwatch Ende Februar veröffentlichte, belegten nach Angaben der Verbraucherorganisation aber schon damals das Gegenteil.

Vorwürfe von Monte dei Paschi di Siena zurückgewiesen

Auch an anderer Front muss sich die Deutsche Bank wehren. Das Institut will Nidie Klagen der italienischen Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) nicht auf sich sitzen lassen. Die Vorwürfe seien unbegründet, teilte die größte deutsche Bank am Mittwoch via E-Mail mit. Das Institut will sich daher mit allen Mitteln gegen die Anfang März eingereichten Klagen der MPS zur Wehr setzen. Die vom Staat gestützte italienische Traditionsbank wirft der Deutschen Bank und der japanischen Investmentbank Nomura vor, sie bei Derivategeschäften über den Tisch gezogen zu haben.

Die Geschäfte hatten der italienischen Bank geschätzte Verluste von 730 Millionen Euro eingebracht. Es geht um die Transaktion „Alexandria“, die von Juli bis Oktober 2009 gemeinsam mit dem japanischen Finanzkonzern Nomura abgewickelt wurde, und die Transaktion „Santorini“, an der im Dezember 2008 die Deutsche Bank beteiligt war. Die älteste Bank der Welt steckt tief in den roten Zahlen und will sich mit Staatshilfen in Milliardenhöhe aus der Krise befreien.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn die Politik davon überzeugt ist, dass durch die Finanzindustrie Lebensmittel künstlich verteuert werden, dann muss man nicht Deutsche Bank oder andere kritisieren, sondern sollte einfach diese ganzen Wettderivate verbieten.

    Wenn dann jemand mit zig Tonnen Weizen Geld verdienen will, weil er der Meinung ist, der Preis wird bald steigen, dann bekommt er die Ware am Stichtag auch tatsächlich geliefert und muss für Lagerung und Weiterverkauf selbst sorgen.

    Aber solche perversen Derivate weiterhin zu dulden und dann in der Öffentlichkeit den moralischen Zeigefinger zu heben ("sowas tut man nicht"), ist doch reine Heuchelei.

  • kritisiert lieber Biosprit. Der verbrennt deutlich mehr Lebensmittel!

  • Es ist natürlich faszinierend, dass ausgerechnet die Grünen die Lebensmittelspekulation anprangern. In Deutschland werden Millionen Tonnen Lebensmittel, Mais, Raps verbrannt umd religiös korrekt Strom zu erzeugen, oder Fahrzeuge voranzutreiben. Ein UN Funktionär hatte die Zahl der Opfer dieses Oekokults auf eine 6-stellige Zahl geschätzt. Anstatt sich für diese grausame Religion zu schämen werden die Banken zu Uebeltätern erklärt.

    Die Lebensmittelspekulation der Banken findet in Form von Futures statt. Spekulanten verkaufen diese einige Zeit bevor diese fällig werden um zu vermeiden, dass Sie dann einige hundert Tonnen Mais, oder Speiseöl im Büro liegen haben. Die Preise der Terminkontrakte liegen kurz vor Lieferung nahe der physischen Angebots-Nachfrage Relation.

    Vandale

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