Deutsche Bank schreibt Verlust von 1,4 Milliarden Euro

Deutsche-Bank-Chef John Cryan
„Wir möchten uns entschuldigen“

Die Sünden der Vergangenheit hinterlassen tiefere Spuren als erwartet in der Bilanz: Die Deutsche Bank schreibt 1,4 Milliarden Euro Verlust. Bankchef John Cryan zeigt Reue und verspricht: 2017 soll alles besser werden.
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FrankfurtDeutschlands noch immer mächtigstes Geldhaus muss seinen Anlegern erneut einen Milliardenverlust melden. Das Jahr 2016 schließt die Bank unter dem Strich mit einem Minus von 1,4 Milliarden Euro ab und enttäuscht damit die Erwartungen der Experten. Gleichzeitig fielen die Einnahmen um zehn Prozent auf 30 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit einem Verlust von 910 Millionen Euro gerechnet. 2015 hatte allerdings wegen des laufenden Konzernumbaus noch ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro zu Buche gestanden.

2,4 Milliarden Euro kosteten die Skandale der Vergangenheit die Deutsche Bank allein im vergangenen Jahr , und die Bank muss noch einmal mehr Geld für Rechtsrisiken zurücklegen. Mittlerweile türmen sich Rückstellungen für die juristischen Altlasten auf über sieben Milliarden Euro. Dafür entschuldigte sich Vorstandschef John Cryan auf der Jahrespressekonferenz der Bank ausdrücklich.

„Ich möchte das zum Anlass nehmen, um im Namen des Vorstands der Deutschen Bank unser tiefes Bedauern auszudrücken, für das was geschehen ist. Wir möchten uns dafür entschuldigen. Es wurden schwerwiegende Fehler gemacht. Das betrifft zum Beispiel die Hypothekengeschäfte auf dem US-Markt in den Jahren von 2005 bis 2007, zu denen wir uns erst kürzlich mit dem dortigen Justizministerium geeinigt haben. Das damalige Verhalten entsprach nicht unseren Standards und war völlig unakzeptabel. Das gilt leider auch für andere Fälle.“

Der Hauptgrund für den neuerlichen Fehlbetrag ist der milliardenschwere Hypothekenvergleich in den USA. Vor Steuern belief sich das Minus auf deutlich niedrigere 0,8 Milliarden Euro. Allerdings schlugen sich im Ergebnis auch die Turbulenzen im Oktober nieder, als sich die Bank sogar gegen Gerüchte über eine mögliche Staatsrettung wehren musste. Im vierten Quartal stand am Ende ein Nettoverlust von 1,9 Milliarden Euro zu Buche. Darin enthalten sind 1,6 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten und eine Abschreibung von 2,9 Milliarden Euro, die durch den Verkauf des Versicherers Abbey Life nötig wurde. Zusätzlich belastet wurde das Jahresergebnis durch einen Anstieg der Vorsorge für faule Kredite um 30 Prozent, dahinter stecken vor allem höhere Rechtsrisiken.

Trotz der schwächer als erwarteten Zahlen, versucht Vorstandschef John Cryan auch, eine positive Botschaft zu vermitteln: Die Bank komme bei der Sanierung gut voran. „Unsere Ergebnisse des Jahres 2016 spiegeln sowohl den konsequenten Umbau der Bank als auch die Marktturbulenzen rund um unser Haus wider. In einem besonders schwierigen Jahr haben wir bewiesen, wie widerstandsfähig wir sind“, betonte der Brite.

Wie sehr die Vertrauenskrise im Herbst die Bank belastet hat, zeigt sich in den Zahlen für den Wertpapierhandel, der mit 9,3 Milliarden Euro noch immer die wichtigste Einnahmequelle der Bank. Im vierten Quartal gingen die Erträge allerdings um drei Prozent auf 1,46 Milliarden Euro zurück, während die US-Konkurrenz von der Aufregung an den Märkten nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten profitierte. Am Ende des Jahres machte der Wertpapierhandel nur einen Minigewinn von 16 Millionen Euro.

Auf Hinweise zur neuen Strategie warteten die Investoren in der Mitteilung der Bank vergebens. Hier müssen sich die Anleger wohl noch bis zum Frühjahr gedulden. Nicht nur Cryan, sondern auch die Investoren werden 2016 erneut als Krisenjahr abstempeln. Im Frühjahr und im Herbst musste die Bank gleich zwei Vertrauenskrisen überstehen. Anfang Oktober sackte der Kurs auf ein historisches Tief von 9,90 Euro, hat sich inzwischen aber beinahe wieder verdoppelt. Kurz nach Börseneröffnung am Donnerstagmorgen notierten die Titel allerdings 2,5 Prozent im Minus bei 18,70 Euro. Am Mittwoch war die Aktie mit einem Plus von 4,3 Prozent bei 19,18 aus dem Frankfurter Handel gegangen.

Nach turbulenten zwölf Monaten will die Deutsche Bank ihren Blick nun mehr nach vorne richten und sich auf ihre neue Strategie konzentrieren. Im Interview mit dem Handelsblatt kündigte Privat- und Firmenkundenchef Christian Sewing für 2017 die Wende an: „Ich bin zuversichtlich, dass wir wieder nachhaltig profitabel werden“.

In ihrer Mitteilung zu den Jahreszahlen spricht die Bank von einem starken Start ins neue Jahr, quer durch alle Geschäftsfelder und hofft dass sich der Trend in den kommenden Monaten fortsetzt. Allerdings warnt die Bank auch, dass 2017 erneut von Altlasten überschattet werden wird. Die Analysten sagen für dieses Jahr im Schnitt einen Gewinn von rund 770 Millionen Euro voraus.

Schon früh im vergangenen Jahr hatte Cryan angekündigt, dass die Bank keine Dividende ausschütten werde, und dem Geldhaus eine Radikalkur verordnet. Weltweit wollen die Frankfurter bis 2018 unter dem Strich 9.000 Arbeitsplätze abbauen. Aus zehn Auslandsmärkten und einigen Geschäften im Investmentbanking zieht sich die Deutsche Bank ganz zurück. Im Inland schrumpft die Zahl der Filialen von 723 auf 535, der größte Teil der Schließungen soll bis Ende des ersten Halbjahres 2017 erledigt sein.

All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen die Bank effizienter zu machen, 2016 sanken die Kosten um sechs Prozent auf 24,7 Milliarden Euro. Weil aber gleichzeitig auch die Erträge zurückgingen, musste die Bank 98 Cents ausgeben, um einen Euro einzunehmen. Bis Ende 2018 will Cryan den Kostenblock auf 22 Milliarden Euro senken. Die hohen Kosten zählen Analysten nach wie vor zu den vordringlichen Problemen der Bank.

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Chef John Cryan: „Wir möchten uns entschuldigen“"

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  • @Neumann
    Sie weichen meiner Frage aus. Ich sprach nicht von Europa. Ich sprach von einem Kabinett, das zu einem ganz überwiegenden Teil aus Milliardären und Millionären besteht, die einen Teufel tun werden gegen Ihre eigenen Vorteile zu handeln. Die Qlique, die Sie alle so hassen, sitzt bei Trump im Kabinett. Verstehen Sie das Herr Neumann?

  • Ich muss mich immer wieder wundern, wenn im Handelsblatt Kommentare verfasst werden, die zum Bericht wenig bis nichts an Relevanz besitzen.

  • @Herr Tomas Maidan,
    nur zur Kenntnis!
    Obama: USA gegen 14 Länder im Krieg
    13. Januar 2015
    Laut einem halbjährlich erscheinenden Bericht des US-Präsidenten befinden sich die Truppen der Vereinigten Staaten derzeit in 14 Ländern im Kampfeinsatz. Zusammengerechnet sind alle Militärbasen der USA flächenmäßig etwa so groß wie Italien.
    Die aktuellen Kriege der USA werden geführt in Afghanistan, Irak, Syrien, Somalia, Jemen, Kuba, Niger, Tschad, Uganda, Ägypten, Jordanien, Kosovo, Zentralafrikanische Republik und Tunesien.

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