Deutsche-Bank-Chef
Jürgen Fitschen wahrscheinlich vor Gericht

Deutschland steht offenbar ein spektakulärer Wirtschaftsprozess bevor. Wieder einmal geht es um die Deutsche Bank und die Pleite des Kirch-Imperiums. Deutsche-Bank-Chef Fitschen wird Prozessbetrug vorgeworfen.
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DüsseldorfJürgen Fitschen muss einem Bericht des „Spiegel“ zufolge vor Gericht. Die Anklage gegen den Vorstandschef der Deutschen Bank wurde vom zuständigen Richter des Landgerichts München zugelassen, schreibt das Magazin und beruft sich dabei auf Angaben aus Justizkreisen. Damit stünde ein spektakulärer Wirtschaftsprozess bevor.

Eine Sprecherin des Landgerichts widersprach dem Bericht. Richter Peter Noll habe allerdings bereits für den Fall, dass er die Anklage zulassen werden, Termine für die Hauptverhandlung festgelegt. Der Prozess würde im Fall der Fälle am 28. April beginnen. Noll wolle aber demnächst seinen Beschluss fällen, sagte die Sprecherin.

Fitschen soll sich gemeinsam mit den ehemaligen Bankchefs Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie den Ex-Vorständen Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck wegen des Verdachts auf Prozessbetrug verantworten müssen. Hintergrund ist der Prozess um die Pleite des Kirch-Imperiums.

Dem 66-jährigen Fitschen, der zudem Präsident des Privatbankenverbandes BdB und damit Sprachrohr einer ganzen Branche ist, droht zum Ende seiner Karriere ein kräftezehrender Kampf um seine Reputation. Allerdings wäre Fitschen nicht der erste Deutsche-Bank-Chef, der sein Büro zeitweise mit dem Gerichtssaal tauschen müsste: Der Mannesmann-Prozess zwang Fitschens Vorgänger Ackermann von Januar 2004 an dazu.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die fünf Manager mit falschen Angaben vor Gericht Schadenersatzzahlungen an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch verhindern wollten. Die Angeklagten hatten diesen Verdacht zurückgewiesen.

Wie es im Fall Kirch weitergeht, dürfte auch Einfluss darauf nehmen, inwiefern die Deutsche Bank sich zumindest einen Teil der gezahlten 925 Millionen von ihrem Ex-Chef Breuer zurückholt. Schließlich waren es wenige Worte in einem Fernsehinterview, mit denen Breuer Anfang Februar 2002 den ganzen Ärger auslöste: „Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte Breuer über Kirchs Kreditwürdigkeit.

Wenige Wochen später meldete Kirch Insolvenz an – und hatte bald einen Schuldigen für die Pleite seines weit verzweigten Medienimperiums (ProSieben, Sat.1, N24) ausgemacht: „Der Rolf hat mich erschossen!“ Den Millionen-Vergleich mit der Deutschen Bank - fast auf den Tag genau zwölf Jahre nach dem Breuer-Interview - erlebte Leo Kirch nicht mehr, er starb im Sommer 2011. Sein Vermächtnis macht der Deutschen Bank noch heute zu schaffen.

Richter Noll dürfte den Prozess selbst zu Ende führen, auch wenn er während der Verhandlung an das Oberlandesgericht versetzt wird. Auf diese Lösung hat sich die Justiz verständigt, um eine monatelange Hängepartie für die Angeklagten zu vermeiden. Noll hatte sich um eine Beförderung an das Oberlandesgericht beworben, konkurriert aber mit einem anderen Juristen um den Posten. Wer von den beiden sich durchsetzt, muss das Verwaltungsgericht entscheiden.

Für Aufsehen sorgte Noll zuletzt mit der Einstellung des Bestechungsprozesses gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone – gegen 100 Millionen US-Dollar Geldauflage.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Chef: Jürgen Fitschen wahrscheinlich vor Gericht"

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  • Wäre Fitschen Vorstand einer Versicherung, könnte er beruhigter in das Verfahren gehen.

    Was wir wahrscheinlich erleben werden, ist die "Unabhängigkeit der Justiz". Für mich ist dies die farbenfrohe Umschreibung von "staatlicher Willkür". Im Ergebnis wird wohl der Nachweis geführt, dass der Vorgang einem ganz normalen Vorgang vor der Justiz entspricht (Richter Fahsel a.D., Stuttagart) wird einmal mehr bestätigt!).

  • auch das kürzliche Interview von Anshu Jain aus der "Zeit " vom 21.02.2015 bekommt im Zusammenhang mit dieser Meldung ein gewisses Geschmäckle. Mal abgesehen davon, das Jain unumwunden zugibt das unter seiner Leitung im Investbanking die größten Prozessrisiken und damit Folgekosten entstanden sind, wird hinterher trotzdem das Scheinwerferlicht die Gesichtsfarbe von Fitschen jetzt etwas blasser erscheinen lassen*gg*

  • Kopper hatte seine "peanuts", Ackermann sein "Victory", mal sehen was Fitschen so bietet. Bei Richter Noll wird gegen eine Geldauflage schon was gehen . Hoffentlich ist sie so hoch , das Herr Fitschen sie nicht bezahlen kann *gg* Deutschlands Eliten, Deutschlands Vorbilder für unsere heranwachsende Jugend.......

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