Deutsche-Bank-Chef
Staatshilfe für Cryan „kein Thema“

Staatshilfe oder eine Kapitalerhöhung für Deutschlands größtes Geldhaus? Seit Tagen machen diese Fragen Investoren äußerst nervös. Nun hat Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem Interview zum Thema Stellung genommen.

BerlinDie Deutsche Bank braucht laut Vorstandschef John Cryan keine Rückendeckung durch die Politik. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) sagte Cryan auf die Frage, ob die Bank Staatshilfen benötige: „Das ist für uns kein Thema. Ich habe die Bundeskanzlerin zu keinem Zeitpunkt um Hilfe gebeten. Ich habe auch nichts dergleichen angedeutet.“

Weil das US-Justizministerium von Deutschlands größtem Geldhaus 14 Milliarden Dollar als Wiedergutmachung für Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt fordert, steht das Institut seit Tagen an der Börse unter Druck.

Cryan sagte, die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht. Die Bank erfülle alle aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen. Sie habe „weitaus weniger Risiken in den Büchern als früher“ und sei „komfortabel mit freier Liquidität ausgestattet“.

Den Umbau des Instituts sieht der Top-Manager auf einem guten Weg. „Wir haben in den vergangenen Monaten viele Fortschritte dabei erzielt, eine einfachere und bessere Bank zu schaffen.“ Beim geplanten Abbau von insgesamt 9000 Stellen sei die Bank im Plan. „Die Verhandlungen mit den Betriebsräten sind weitgehend abgeschlossen.“ Am Verkauf der Postbank soll festgehalten werden: „Alles ist vorbereitet, wir könnten die Postbank morgen in neue Hände geben - aber dann muss der Preis stimmen. Wir haben Zeit“, so Cryan.

Das britische Votum für einen EU-Austritt wird auch bei der Deutschen Bank Veränderungen mit sich bringen. „Wir werden ganz flexibel auf die Wünsche unserer Kunden reagieren. Wenn die zum Beispiel verstärkt Geschäfte auf dem europäischen Festland abwickeln wollen, werden wir entsprechend Kapazitäten verlagern - vor allem nach Frankfurt.“ Um welches Geschäftsvolumen und um wie viele Stellen es sich konkret handelt, sagte Cryan nicht: „Das steht noch nicht fest.“

Wie die Deutsche Bank am Mittwoch zudem bekannt gab, verkauft sie ihre britische Versicherungstochter Abbey Life wie erwartet an den Finanzkonzern Phoenix Group. Der Kaufpreis liege bei 935 Millionen Pfund (gut eine Milliarde Euro). Die Aufsichtsbehörden müssen dem Deal allerdings noch zustimmen. Der Verkauf geht mit einer signifikanten Abschreibung einher, hilft der Deutschen Bank aber bei ihrem Schrumpfkurs und dem Aufpolstern ihrer Kapitaldecke.

Die Frankfurter hatten Abbey Life im Sommer 2007, kurz vor Ausbruch der globalen Finanzkrise, von der Großbank Lloyds übernommen und damals knapp 1,5 Milliarden Euro dafür gezahlt. Seit dem Jahr 2000 macht Abbey Life kein Neugeschäft mehr. Phoenix wiederum ist auf die Abwicklung von Lebensversicherungen spezialisiert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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