Deutsche Bank
Chefaufseher Achleitner gegen Vorwürfe verteidigt

Die britische Finanzaufsicht hatte die Deutsche Bank kritisiert, zu wenig zur Aufklärung einer Zinsaffäre beigetragen zu haben. Das Institut wehrt sich jetzt gegen Vorwürfe, Chefaufseher Achleitner habe dazu beigetragen.

FrankfurtDie Deutsche Bank hat einen Bericht über angebliche Verfehlungen von Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei der Aufklärung von Zins-Manipulationen zurückgewiesen. Das „Manager Magazin“ hatte am Donnerstag in einer Vorabmeldung berichtet, die britische Finanzaufsicht FCA mache Achleitner in einem zentralen Fall dafür verantwortlich, dass der Konzern bei der Aufklärung der Libor-Affäre nicht ausreichend kooperiert habe.

Achleitner habe die Bank-Spitze falsch über ein Treffen mit der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin informiert, schreibt das Magazin. Daraufhin habe sich die Bank geweigert, einen Bericht der Bafin zum Libor-Skandal an die FCA weiterzureichen.

„Die FCA hat nicht behauptet, dass Herr Dr. Paul Achleitner die Anweisung erteilt oder die Information weitergegeben hat, der Libor-Bericht der Bafin dürfe nicht an andere Aufsichtsbehörden herausgegeben werden“, entgegnete ein Sprecher der Deutschen Bank.

Das Institut war im April 2015 von den Finanzbehörden in Großbritannien und den USA zu einer Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert worden. Bei der Verkündung der Buße klagten die Ermittler, sie seien von der Deutschen Bank behindert und zum Teil in die Irre geführt worden. Die Bafin stellte wenig später klar, sie verbiete es Banken grundsätzlich nicht, ihre Berichte an ausländischen Aufsichtsbehörden weiterzugeben.

Das „Manager Magazin“ berichtet weiter, die Libor-Strafe für die Deutsche Bank sei wegen mangelhafter Kooperation, für die Achleitner mitverantwortlich sei, höher ausgefallen. Der Chefjurist des Instituts habe dem neuen Vorstandschef John Cryan deshalb nahegelegt, Ersatzansprüche gegen Achleitner zu prüfen. Die Bank wies diese Darstellung zurück.

„Es trifft nicht zu, dass die US-amerikanischen Aufsichtsbehörden aufgrund des Verhaltens von Herrn Dr. Paul Achleitner die Geldbuße gegen die Deutsche Bank erhöht hätten. Weder die FCA noch die US-amerikanischen Aufsichtsbehörden haben in diesem Zusammenhang ein Verfahren gegen die Person von Herrn Dr. Paul Achleitner eingeleitet“, sagte der Sprecher. Die Deutsche Bank und Achleitner selbst behielten sich rechtliche Schritte gegen das „Manager Magazin“ vor.

Die Bank hatte am späten Mittwochabend vorläufige Geschäftszahlen für das Jahr 2015 gemeldet. Nach Steuern ist ein Verlust von 6,7 Milliarden Euro angefallen, das schlechteste Ergebnis der Firmengeschichte. Die Deutsche-Bank-Aktie ging daraufhin am Donnerstag auf Talfahrt und notierte zeitweise mehr als acht Prozent im Minus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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