Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan
„Tut mir leid, wir haben kein Foto für Sie!“

Der starke Mann der Deutschen Bank gibt sich uneitel und macht sich in der Öffentlichkeit rar: Es gibt keine aktuellen Fotos von ihm. Redakteure treibt das in den Wahnsinn – nur ein Fotograf kann sein Glück kaum fassen.
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FrankfurtJohn Cryan, der Aktenträger. Immer wieder dieses Foto, in allen Gazetten. Es ist kein steifer Schnappschuss und es zeigt den neuen Co-Vorstandschef der Deutschen Bank als Zahlenmensch – mit Akten unter dem Arm. Beim Aktenstudium hat der Manager zuletzt notwendige Abschreibungen in Milliardenhöhe entdeckt - und einen Rekordverlust für das Geldhaus angekündigt. Doch das Foto hat einen Haken. Es ist Jahre alt.

Hundert Tage ist Cryan im Amt und seit seiner Nominierung für den Chefposten kämpfen Redaktionen damit, Cryan ansprechend abzubilden. Es gibt das absurde Phänomen, dass ein Artikel zumindest optisch dem anderen gleicht, weil immer wieder dieselben Fotos verwendet werden. Cryans Kopf von vorn, Cryans Kopf von der Seite oder eben die Totale mit Akten unterm Arm. Das war's.

Der Fotograf des Aktenbilds, Mark Henley, erinnert sich noch, wie er das Bild 2011 spontan nach der Jahrespressekonferenz der Schweizer Großbank UBS auf einer Treppe aufnahm - damals war der Brite dort Finanzchef. „Als Cryan runterlief, war noch jemand oben und rief ihm eine Frage zu. Cryan stoppte, drehte sich um, antwortete und ich schoss das Foto“, erzählt Henley. Cryan habe nicht für ihn posiert, sondern jemandem zugehört. „Er war gerade am Gehen, um in die Privatsphäre zu verschwinden, als er für einen letzten Moment aufgehalten wurde“, so der Fotograf.

Henley war an dem Tag nicht für eine Nachrichtenagentur unterwegs, sondern machte Bilder für eine Dokumentation über die Schweizer Bankenindustrie in der Krise. „Deswegen konnte ich Bilder machen, wenn alle anderen keine machten. Das hier war genau so eins“, erklärt er.

Bildbearbeiter entfernen UBS-Logos

Für die Foto-Dokumentation erhielt Henley sogar einen Preis. Das Aktenbild aber schaffte es nicht in die Serie. Henley entschied sich später, es einzeln zu veröffentlichen. Der Fotograf freut sich, dass die Aufnahme immer noch draußen ist und „ihr Leben lebt“. „Normalerweise wenn jemand den Job wechselt, sind die alten Bilder nicht länger nutzbar“, sagt Henley. Doch im Fall von Cryan gilt das nicht. Hier gibt es nur alte Fotos. Stattdessen müssen Heerscharen von Bildbearbeitern in Deutschland nun Logos von Cryans früherem Arbeitgeber UBS im Hintergrund aus alten Fotos retuschieren und eben nehmen, was da ist.

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„Wir warten auf den ersten Auftritt, um Fotos machen zu können“

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan: „Tut mir leid, wir haben kein Foto für Sie!“"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Statt Ausrufezeichen sind es aber nur drei Punkte geworden.
    Hängt die Tastatur?

  • Weil diese Anlagen noch von vor der Finanzkrise herrührten und seitdem sich die Deutsche Bank über die ganzen langen Jahre nur nach unten entwickelt hat, was kein Wunder war bei den gesammelten kriminellen Aktivitäten. Die war allerdings zu der Zeit nicht vorhersehbar.
    Hätte man zur gleichen Zeit Papiere der Mafia gekauft, wären die wenigstens profitabel gewesen, da dort in aller Regel keine Amateure und Kasperköpfe arbeiten.

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